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Wirtschaft im Norden Künstliche Intelligenz – Lübeck mischt vorne mit
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Künstliche Intelligenz – Lübeck mischt vorne mit
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06:00 06.07.2019
Bei der Eröffnung des „Joint Innovation Lab“ im Dezember 2018: Gabriele Gillessen-Kaesbach, Präsidentin der Universität zu Lübeck, Ministerpräsident Daniel Günther und Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau beobachten eine 3-D-Animation auf einem Tablet. Quelle: 54° / John Garve
Kiel/Lübeck

Systeme zur besseren Diagnose von Krankheiten, die Messung von Schadstoffen, gezielter Einsatz von Düngemitteln, neue Lernmethoden oder digitale Einsatzkarten für die Polizei – Künstliche Intelligenz kann auf zahlreichen Gebieten weiterhelfen. „Die Nutzbarmachung von KI für Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung gehört zu unseren bedeutsamsten Zukunftsprojekten“, erklärte Staatssekretär Dirk Schrödter, der Chef der Staatskanzlei, am Freitag in Kiel. „Die Veränderungen in der Wissenschaft, der Wirtschaft und der Gesellschaft werden umwälzend sein“, sagt er voraus.

„Dampfmaschine unserer Zeit“

„KI ist die Dampfmaschine unserer Zeit und hebt die Digitalisierung auf ein neues Level“, sagt Schrödter. Ihr Einsatz werde „mindestens so radikale Veränderungen zur Folge haben wie die industrielle Revolution vor 200 Jahren“. Das Konzept der Landesregierung benennt acht Handlungsfelder, die bis Ende dieses Jahres mit insgesamt sieben Millionen Euro gefördert werden sollen – 4,5 Millionen Euro aus einem Sondervermögen und 2,5 Millionen Euro aus dem europäischen Regionalfonds (EFRE).

Auch Folgen im Blick

„Wir untermauern damit unseren Anspruch, auf diesem Gebiet bundesweit eine führende Rolle zu spielen“, sagte Schrödter. Er erwarte, dass sich auch die Wirtschaft finanziell beteilige. Insgesamt fünf Ministerien haben am Konzept mitgearbeitet. Man werde aber auch die Folgen im Blick behalten, versicherte der Staatssekretär. Für manche verbinde sich mit dem Thema Künstliche Intelligenz auch Angst vor Arbeitsplatzverlust oder Datenmissbrauch. Ziel sei es, die Chancen so zu nutzen, „dass wir daraus Wertschöpfung und Arbeitsplätze generieren“. Dies müsse allen zugutekommen. Es werde ein Expertenrat eingerichtet, der ethische und gesellschaftsrelevante Fragen aufgreifen solle.

Lübeck als Modellstadt

Der Standort Lübeck spielt in der Strategie des Landes eine zentrale und führende Rolle. In der Hansestadt arbeiten und forschen Hochschulen, Unternehmen und Institutionen seit Jahren am Thema KI. Das EnergieCluster Digitales Lübeck, ein Verbund von mehr als 20 Partnern, will Lübeck als Modellregion einer intelligent vernetzten Stadt mit hoher Lebensqualität entwickeln. Als erstes Pilotprojekt werden zurzeit Umweltdaten über Gasmessgeräte ermittelt, die an Müllwagen angebracht sind. Dafür arbeitet die Firma Dräger mit den Stadtwerken und den Entsorgungsbetrieben zusammen. Weitere Vorhaben sind in Vorbereitung.

Digitale Verwaltung

Mit dem „Joint Innovation Lab“, einem Forschungs- und Entwicklungslabor der Universität zu Lübeck und des Software- und Beratungsunternehmens Mach AG, hat Lübeck ein Vorzeigeprojekt, das das E-Government und die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung beschleunigen soll. Hier geht es auch um die bessere und einfachere Nutzung von Daten. Das Land unterstützt dieses Vorhaben.

Uni Lübeck federführend

Die Universität Lübeck bewirbt sich gemeinsam mit den Unis in Kiel, Hamburg und Bremen und vier weiteren Partnern um Fördermittel des Bundes für einen norddeutschen KI-Kompetenzverbund. „Wir wollen auf jeden Fall ein Kompetenzzentrum in den Norden holen“, sagt Prof. Stefan Fischer, Vizepräsident der Universität Lübeck und Koordinator beim Thema KI. „Wir würden gerne eine KI-Plattform aufbauen, um Ideen und Produkte schneller zur Anwendung bringen zu können“, sagt Fischer. Ebenfalls an der Uni Lübeck wurde ein KI-Röntgenassistent entwickelt, der Aufnahmen optimiert und damit die Diagnose unterstützt. „Im Bereich KI sind wir die führende Hochschule im Land, weil wir uns schon seit Jahren in der Informatik im Bereich Medizin spezialisiert haben“, sagt Prof. Fischer.

Projekte der TH Lübeck

Weitere KI-Projekte in der Hansestadt: Beim Projekt „KILL Asthma“ erforscht ein Lübecker Forscherteam der Fraunhofer Einrichtung für Marine Biotechnologie und Zelltechnik die KI-gestützte Analyse von Immunzellen für die Asthma-Diagnostik. An der Technischen Hochschule Lübeck wird gemeinsam Institut für Bildung in Hamburg ein Blended-Learning-Kompetenzzentrum gegründet, um die virtuelle Lehrerfortbildung weiterzuentwickeln. Die TH Lübeck arbeitet auch beim Projekt „KICK – Künstliche Intelligenz: Chancen erkennen, Kompetenzen entwickeln“ mit.

Lob vom Bürgermeister

„Die KI-Strategie des Landes setzt gute Akzente und zeigt richtige, zukunftsorientierte Wege auf“, sagt Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau. „Die Hansestadt Lübeck wird sich aktiv einbringen – beispielsweise mit intelligenter Verkehrssteuerung und -planung“, fügte er hinzu.

Guter Fahrplan

Beifall kommt auch von Christian Rupp, Chief Innovation Manager bei Mach AG. „Wir sind fest davon überzeugt, dass auch die öffentliche Verwaltung viele Herausforderungen, wie den demografischen Wandel, mithilfe von Künstlicher Intelligenz besser meistern wird“, sagt er Die Mach AG habe das Thema frühzeitig erkannt und berücksichtige es in ihrer Software-Entwicklung. „Dabei ist uns wichtig, dass der Mensch stets im Mittelpunkt steht.“ „Der Fahrplan der Landesregierung passt gut zu den Entwicklungen, die wir bei Dräger in den Bereichen Sicherheitstechnik und Medizintechnik sehen“, sagt Oliver Harnack, Projektleiter bei Dräger. „Durch die weiter fortschreitende Vernetzung unser Produkte entstehen zunächst ganz neue Möglichkeiten, Daten zu gewinnen. Deren geschickte Analyse erzeugt zusätzlichen Nutzen wie etwa das frühzeitige Erkennen von Gefahrensituationen in Industrieanlagen, die rechtzeitige Wartung von Anlagen oder auch die detaillierte Vorhersage der Luftqualität“, erklärt er. Es sei wichtig, dass sich die Akteure aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik früh vernetzen und Kräfte bündeln.

Enormes Potenzial

Und auch die Wirtschaftsförderung Lübeck begrüßt den Ansatz der Landesregierung. „Insbesondere mit Blick auf die vielen kleinen und mittleren Unternehmen am Standort sowie auf unsere im KI-Bereich aktiven Hochschulen liegt hier ein enormes Potenzial, das es zu heben gilt, um mittel- bis langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben“, sagt Geschäftsführer Dirk Gerdes. Zentral bei der Umsetzung werde es sein, die Maßnahmen konkret an den Bedürfnissen der Akteure auszurichten und diese aktiv einzubinden. „Als Wirtschaftsförderung Lübeck stehen wir dem Land bei diesem Prozess mit unserer Expertise gerne als Mittler und Multiplikator zur Seite“, sagt Gerdes.

„Richtiger Schritt“

Als „Schritt in die richtige Richtung“, bezeichnete Friederike C. Kühn, die Präsidentin der IHK Schleswig-Holstein, etwas zurückhaltenddie KI-Strategie. „Erfolgsaussichten hat das Ganze aber nur, wenn dem Papier ein schnelles, konzertiertes Vorgehen im Zusammenspiel von Politik, Forschung und Wirtschaft folgt.“ Die IHKs wollen nach der Sommerpause ein KI-Eckpunktepapier der Wirtschaft veröffentlichen.

Christian Risch

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