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Wirtschaft im Norden Kunstwerke aus Ostseesteinen
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23:10 28.04.2017
Alles handgefertigt: KristinWolf (35) bastelt die personalisierten Bilder aus Steinen und anderen Naturmaterialien. Quelle: ULF-KERSTEN NEELSEN
Lübeck

Kristin Wolf sitzt an einem gläsernen Schreibtisch im zweiten Stock ihres Lübecker Altstadthäuschens und schreibt das Datum „30.4.17“ auf ein kleines Holzherz.

In einer schwierigen Lebensphase entwickelt Kristin Wolf eine kreative Geschäftsidee.

Dann klebt sie es in die rechte obere Ecke ihres neuesten Gemäldes und malt eine Verbindungslinie zu der Steinfigur in der Mitte des Bildes. „Das ist für eine Konfirmation“, sagt die 35-Jährige und schreibt den Namen des Konfirmanden auf ein zweites Herz.

Vor eineinhalb Jahren hat Kristin Wolf ihr erstes Bild aus Ostseesteinen gestaltet – am Dienstag wurde sie für ihr Unternehmen StoneEmotions mit dem LN-Innovations- und Mutpreis ausgezeichnet. „Es ist ein schönes Gefühl“, sagt die Gewinnerin, ein Lächeln auf den Lippen. „Wenn ich darüber nachdenke, wie es angefangen hat, macht mich das schon stolz.“

Wolf hatte damals eine längere Krankheitsphase hinter sich. Sie war an Burnout erkrankt und verbrachte viel Zeit am Strand, weil es ihr dort immer besser ging. Bei einem dieser Spaziergänge kam der Wunsch auf, sich bei ihrem Freund für die Unterstützung in der schwierigen Lebensphase zu bedanken. Aus Ostseesteinen bastelte sie ihm ein ganz persönliches Bild. Dass daraus eine Geschäftsidee wurde, verdankt sie der Begeisterung ihrer Freunde über das Kunstwerk. Sie ermutigten die gelernte Bankkauffrau, die Idee weiterzuverfolgen. Und das tat Kristin Wolf.

In fast jeder Ecke ihres Häuschens stehen nun Kartons mit Steinen in verschiedenen Größen, Formen und Farben. Daneben lagern Behälter mit Hölzern, Stiften, Klebstoff und anderem Bastelzubehör. Unter der Treppe stapeln sich Versandkartons, auf den Fensterbänken reihen sich Bilderrahmen und auf dem Fußboden liegen fertige Kunstwerke zum Trocknen herum. „Es ist der Wahnsinn“, sagt Wolf. „Wir haben einfach keinen Platz mehr, deshalb muss ich hier raus.“

Am 20. Mai soll es so weit sein. Dann will die Künstlerin ihren ersten eigenen Laden in der Hüxstraße eröffnen, in dem sie auch arbeiten wird. „Als ich 2009 nach Lübeck gezogen bin, habe ich gleich gesagt, dass ich dort mal ein Geschäft haben möchte“, berichtet Wolf. Damals habe sie allerdings noch nicht gewusst, womit. „Ohne die Krise hätte ich das alles nie gemacht.“ Das gewonnene Preisgeld in Höhe von 3000 Euro kann Wolf gut gebrauchen. Denn die Patentanmeldung, die Kaution für den Laden und auch der Maler hätten viel Geld gekostet.

Die Zahl der Bestellungen habe nach ihrem Sieg noch mal stark zugenommen. Besonders gefragt seien zurzeit Bilder für Hochzeiten und Geburten. Auch einige Geschäftskunden hat Kristin Wolf schon gewonnen – zum Beispiel eine Bank. „Dort bekommen die Kunden bei einer abgeschlossenen Baufinanzierung keine Blumen mehr, sondern eines meiner Bilder.“

Die meisten Leute hätten genaue Vorstellungen von ihrem Kunstwerk. Wolf notiert sich die Wünsche in einem kleinen Büchlein und schaut beim Basteln immer wieder hinein. Mindestens 30 Minuten arbeitet sie an einem Bild, der Preis liegt bei 32 bis 39 Euro. Im Mittelpunkt stehen die Figuren aus den Steinen. Mal sind es Einzelpersonen, mal Pärchen, mal kleine Familien.

Mit den harmlosen Steinen ist sie auch schon einmal ins Fettnäpfchen getreten: „Eine Frau hat sich angegriffen gefühlt, weil ich für ihren Körper einen dicken Stein verwendet habe“, berichtet Kristin Wolf. Seitdem frage sie die Kunden lieber vorher, wie die Steine aussehen sollen.

 Janina Dietrich