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Wirtschaft im Norden LN-Existenzgründerpreis geht an Baltic Carbon
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22:37 25.04.2017
So sehen Sieger aus: Artjom Gerasimov und Kristin Wolf wurden beim LN-Existenzgründerpreis ausgezeichnet. Quelle: Roessler
Lübeck

„Mir fehlen fast die Worte, ich bin sehr, sehr glücklich über diese Entscheidung“, sagt Artjom Ge rasimov strahlend. Gerade hat er von LN-Geschäftsführerin Stefanie Hauer den LN-Existenzgründerpreis entgegengenommen. Mit seiner Firma Baltic Carbon hat der Oldenburger das Rennen gemacht. „Alle anderen hätten den Preis aber auch verdient“, sagt Stifter Gregor Wintersteller vom Juwelier Mahlberg. Gerasimov stellt Karbonteile für den Automobil- und Bootsbau her und hat sein Hobby zum Beruf gemacht. „Ich bin sehr autobegeistert“, erzählt er Moderator Lars Fetköter, dem stellvertretenden LN-Chefredakteur. Jeder der Zuschauer merkt: Dieser Mann brennt für seinen Beruf, so enthusiastisch wie er davon erzählt. „Ich lebe dafür. Jeden Tag, wenn ich aufstehe, freue ich mich darauf, etwas Spannendes zu machen – weil ich so großen Spaß daran habe.“

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Die Konkurrenz ist stark: Lars- Christian Wichmann mit seinen mobilen Hühner ställen vom „Travenhof“ und Nicole Wigger und Bernd Schaefer-Sell mit ihren ausgefallenen Burger- Saucen bieten ebenfalls überzeugende Vorstellungen. Mit Kreationen wie „Black Coffee“ oder „Bacon and Beer“ veredeln die Gründer von Devils Eye die Fleischklopse. „Wir beliefern schon 100 Supermärkte und dürfen auch mit Tim Mälzer zusammenarbeiten, da sind wir ein bisschen stolz drauf“, erzählt Nicole Wigger. Wichmann hatte „immer schon ein Faible für Hühner“, so erfand er auf dem elterlichen Hof in Reinfeld die mobilen Ställe, die immer dorthin gezogen werden, wo das Gras noch schön grün ist.
Schier überwältigt zeigt sich Kristin Wolf, als Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) und LN-Geschäftsführerin Stefanie Hauer ihr den mit 3000 Euro dotierten Innovations- und Mutpreis überreichen. Immer wieder schüttelt die Lübeckerin ungläubig mit dem Kopf, dann breitet sich ein riesiges Lächeln auf ihrem Gesicht aus. „Das ist völlig unrealistisch“, sagt sie. Mehrmals habe sie während der Veranstaltung ein Stückchen Schokolade essen müssen, um ihre Aufregung und ihren Kreislauf in den Griff zu bekommen. Die 35-Jährige baut Bilder aus Ostseesteinen und personalisiert sie für ihre Kunden – zum Beispiel für Hochzeiten oder Geburten. Dadurch sei sie inzwischen in der Tat „steinreich“ geworden, sagt Wolf mit einem Augenzwinkern. „Denn bei uns zu Hause liegen jetzt überall Steine herum.“

Die ersten Gratulationen gibt es von den anderen Nominierten. Der Österreicher Gerhard Schütz hat in Bad Schwartau ein Wiener Kaffeehaus eröffnet – inspiriert von seiner Großmutter, die selbst in zwei Kaffeehäusern gearbeitet hat. „Ich bin einfach ein Kaffeehaus-Enthusiast“, sagt der 53-Jährige. „Überall, wo ich hinkomme, suche ich als erstes danach.“ Aus einer „reinen Schnapsidee“ auf einem Geburtstag ist das Unternehmen von Annika Köster entstanden. Die 33-Jährige stellt Männerkerzen her, die nach Räucherspeck, Whiskey oder Golfplatz riechen. „Es muss ja nicht immer Vanille sein“, sagt die Pelzerhakenerin.

„Ideal wäre ja ein Kaffeehaus, in dem die Duftkerzen auf den Tischen stehen und die Steinbilder an den Wänden hängen“, sagt Meyer, der zum fünften Mal als Schirmherr bei der Veranstaltung dabei ist. „Der Preis ist die beste Werbung für Gründertum in Schleswig-Holstein.“ Und genau das sei wichtig. „Wir müssen mehr für Gründer tun und schon in der Schule dafür werben, unternehmerisch tätig zu werden“, sagt Meyer und lobt ausdrücklich alle 33 Bewerber. „Sie alle haben schon gewonnen, denn sie haben uns etwas vorgemacht, indem sie Mut gezeigt haben.“

Was aus den Gewinnern des Vorjahres geworden ist, können die Zuschauer dann in einem Video auf der Großleinwand verfolgen. Mutpreisträger Tobias Michelsen ist auch als Gast zur Veranstaltung gekommen. „Das Schönste war, dass sich danach viele Leute bei uns gemeldet haben, die uns ehrenamtlich unterstützen wollten“, berichtet Michelsen, der in Großenbrode die Wassersportschule „Sailaway Watersports“ gegründet hat, in der Menschen mit und ohne Behinderung lernen können. Von dem Preisgeld habe er „Sachen angeschafft, die die Teilhabe von Menschen mit Behinderung ermöglichen“ – etwa ein Stand-Up-Paddle Board mit vielen Griffen.

Preisstifter Gregor Wintersteller kündigt an, dass es im kommenden Jahr eine Fortsetzung geben wird. „Selbstverständlich muss man so eine Geschichte weitermachen“, sagt er. „Denn das ist einfach eine tolle Sache.“

Das ist Baltic Carbon

Artjom Gerasimov (29) produziert mit seiner Firma Baltic Carbon hochwertige Kohlefaserprodukte, die im Rennsport oder der Bootsindustrie eingesetzt werden. Die Carbonteile unterscheiden sich sehr in ihrer Größe und geometrischen Komplexität. Der Unternehmensgründer arbeitete zuvor sieben Jahre lang als Verfahrenstechniker in einem Unternehmen. Er ging zur Abendschule und holte die Fachhochschulreife nach. „Jede freie Minute widmete ich meinem Hobby, der Faserverbundstofftechnologie“, sagt Artjom Gerasimov.

Die Jury würdigt in ihrer Begründung die „beeindruckende Energie und Zielstrebigkeit“, mit der Artjom Gerasimov sein Ziel verfolgt hat. „Dabei hat er in diesem technischen Spezialbereich eine Nische entdeckt und unternehmerisch erfolgreich besetzt“, schreiben die Juroren. Trotz weniger verfügbarer Informationen zu dieser Thematik sei es ihm gelungen, sich ausgehend von seinem Hobby „mit Freude und großem Engagement ein Know-How anzueignen, das inzwischen bundesweit gefragt ist“.

Das ist StoneEmotions

Kristin Wolf (35) gestaltet individuelle Kunstwerke aus Steinen. Die Idee kam der Lübeckerin während einer längeren Krankheitsphase. Damals verbrachte die gelernte Bankkauffrau viel Zeit am Strand und erschuf das erste Steinbild – ein Geschenk als Dankeschön für ihren Freund. Dass daraus ein Geschäft wurde, verdankt sie der Begeisterung ihrer Freunde. Diese animierten Kristin Wolf dazu, weitere Kunstwerke herzustellen. Mittlerweile erhält sie täglich neue Bestellungen.
Die Jury lobte den starken emotionalen und regionalen Bezug des Produkts. Sie würdigte nicht nur die Tatkraft und den Unternehmergeist der Lübeckerin, sondern auch die Tatsache, dass sie anderen Menschen Mut machen will, in schwierigen Situationen ebenfalls nicht aufzugeben, sondern einen eigenen Weg zu suchen. „Frau Wolfs Beispiel zeigt, dass sich auch in Krisenzeiten viele Chancen und neue Wege ergeben können, wenn mit Engagement und offenen Augen der erste Schritt in Richtung der eigenen Wünsche und Träume gewagt wird.“

Von Janina Dietrich und Christian Risch