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Wirtschaft im Norden Land ordnet Windkraft neu: Mehr Abstand, weniger Natur
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Land ordnet Windkraft neu: Mehr Abstand, weniger Natur
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19:53 21.08.2018
Ein Ausschnitt der Karten, mit der Bürger sich an dem Prozess beteiligen können. Quelle: Screenshot bolapla-sh.de
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Kiel

Monatelang brüteten die Landesplaner über den Karten, jetzt hat die Landesregierung in Kiel ihre neue Windkraft-Planung vorgelegt.

In Wangelau südlich von Büchen darf jetzt zum Beispiel ein Windkraft-Gebiet entstehen, weil die Schutzzone rund die Rotmilan- Horste dort von 1,5 auf einen Kilometer verringert wurde. Zwischen Büchen und Schulendorf sind Windkraftpläne hingegen vom Tisch, weil die Abstände der Rotoren zu Wohnhäusern nach der neuen Regelung zu gering wären.

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Auch das Windgebiet bei Blunk, Daldorf und Groß Rönnau im Segebergischen ist vom Tisch. In Wagrien in Ostholstein werden hingegen mehr Eignungsgebiete ausgewiesen, weil die Flugsicherung ihr Drehfunkfeuer 2020 abbaut. In Stockelsdorf und Ratekau wurden wegen der Abstandsregelung Wind- Flächen gestrichen oder deutlich verkleinert. In Hammoor in Stormarn entfällt ein Windgebiet, weil die Gemeinde um den Ausbau eines Gewerbegebietes fürchtet.

1,95 Prozent der Landesfläche sollen für Windenergie ausgewiesen werden

Landesweit wurden ein Fünftel der bisherigen Windeignungsgebiete gestrichen und im selben Umfang neue Gebiete ausgewiesen. Insgesamt habe es 6500 Einwendungen von Bürgern, Kommunen und Verbänden gegeben. „Sie haben zu erheblichen Änderungen geführt“, sagt CDU-Innenminister Hans-Joachim Grote. So muss der Abstand neuer Windräder zu Wohnhäusern jetzt auch mindestens ihrer fünffachen Höhe entsprechen. 1000 alte Rotoren außerhalb der Windgebiete dürfen nach ihrer Lebensdauer nicht ersetzt werden.

Die neuen Wind-Pläne werden jetzt öffentlich ausgelegt. Dann werden noch einmal Einwände gesammelt. Am Ende wolle man weiterhin „98 Prozent des Landes von Windenergieanlagen freihalten“, sagt Grote. Mit seinem Entwurf würde 1,95 Prozent der Landesfläche als Windgebiete ausgewiesen werden. Bis 2025 soll darauf, wie schon von der Vorgängerregierung geplant, zehn Gigawatt Leistung erwirtschaftet werden. Und so ist auch Grünen-Umweltminister Robert Habeck mit dem Entwurf zufrieden: „Mir tut nichts weh.“

Hier können Sie sich beteiligen

Die SPD übt scharfe Kritik. Jamaika habe die Windkraftbranche mit ihrer im Wahlkampf versprochenen, aber dennoch überflüssigen Umarbeitung der Windkraftpläne der Vorgängerregierung „in Schieflage gebracht“, sagt deren Energiepolitiker Thomas Hölck. Es sei ein Jahr vergeudet worden, trotzdem werde sich für die meisten Menschen im Land nichts ändern. Dass Änderungen hauptsächlich zulasten des Naturschutzes gingen, sei „der Gipfel der Heuchelei grüner Umweltpolitik“.

Zum Thema

Die Schleswig-Holsteinerinnen und Schleswig-Holsteiner können bis zum 4. Januar auch im Internet zu den geplanten Windstandorten Stellung nehmen. Das Online-Tool ist unter www.schleswig-holstein.de/windenergiebeteiligung zu finden. Dort sind auch Karten eingestellt, aus denen die künftigen Standorte von Windrädern hervorgehen.

Hier geht es direkt zu den Karten für Lübeck, Ostholstein, Segeberg, Stormarn und Herzogtum Lauenburg: https://bolapla-sh.de/verfahren/e9ec3189-a124-11e8-bc52-0050568a04d7/public/detail

Von Wolfram Hammer