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Wirtschaft im Norden Lebensmittelbetrug: Reis aus Plastik
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18:10 28.01.2017
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Berlin

Zäh tröpfelt grünliche Brühe ins Öl. Andreas Kliemant dreht den Tropftrichter weiter auf. Er braucht mehr. Mehr von dem billigen Gemisch, das er den Leuten als kostbares Olivenöl vorsetzt. Dass sie einfaches Salatöl zu sich nehmen, versetzt mit der Tunke aus geriebenem Spinat, Wasabi und Pfeffer – das merkt kaum jemand. Kliemant sagt:

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Für mehr Gewicht: Garnelen werden mit Gel aufgespritzt. Quelle: Foto: Dpa

„Solange es Lebensmittel gibt, so lange gibt auch es Betrug.“

Restaurants verkaufen billigen Pangasius als teure Seezunge, Wein ist mit Wasser versetzt und Honig mit Zucker, in der Haselnuss-Tüte stecken günstigere Erdnüsse – eine gefährliche Falle für Allergiker. Beispiele gibt es viele. Und je mehr Ländergrenzen ein Produkt überquert, desto schwerer haben es die Kontrollbehörden.

Lebensmittelbetrug ist überall möglich, wo es sich lohnt“, heißt es beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Andreas Kliemant aber ist kein Betrüger. Der gelernte Tierarzt koordiniert bei dem Amt die Suche nach gefälschten und verfälschten Lebensmitteln. Was die Erlöse angeht, spielen die Betrüger aus Sicht der Behörde inzwischen in einer Liga mit Drogendealern und Menschenhändlern.

Wie schwer es für Supermarktkunden ist, Betrug zu bemerken, hat Kliemant auf der Agrarmesse Grüne Woche in Berlin deutlich gemacht. Besuchern setzte er drei Becher mit Öl zum Kosten vor – zwei mit echtem Olivenöl, einen mit seinem gefälschten. Die Kreation mit Spinat und Wasabi hat Erfolg: „Die wenigsten finden es heraus.“

Im Ausland stießen Kontrolleure schon auf gefärbtes Chili, mit Gel aufgespritzte Garnelen und Kunststoff-Körner in Reisbeuteln. Bio-Eier, die nicht bio waren, und Pferdefleisch in Lasagne – das gab es auch in Deutschland. Seitdem baut das Bundesamt den Bereich Lebensmittelfälschung aus, ein europaweites Netzwerk hat sich gebildet. Staatsanwaltschaften, der Zoll und die Polizeibehörden Europol und Interpol sind eingebunden.

„Zum Teil handeln hier Kriminelle in mafiösen Strukturen“, klagt der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde. Europol-Ermittler stellten im vergangenen Winter in 57 Ländern mehr als 10000 Tonnen und eine Million Liter gefälschte Lebensmittel sicher, darunter gefärbte Oliven in Italien, Zucker mit Kunstdünger im Sudan und gepanschter Alkohol in Griechenland und Großbritannien.

LN

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