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Wirtschaft im Norden Mit der eigenen Plastikdose zum Imbiss?
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07:00 07.11.2019
Fürs Foto füllt Peter Giertz, Inhaber des Delikatessengeschäfts Krützfeld in Lübeck, die Matjes in eine mitgebrachte Schale. Kunden fragen bisher aber eher selten danach. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Lübeck

Hier mal ein Döner auf die Hand, eine Currywurst oder auch ein chinesisches Abendessen zum Mitnehmen: Das will gut verpackt werden, in Thermoschalen aus Styropor, in Pappe oder in Alufolie. Jährlich fallen in Deutschland so 350 000 Tonnen Müll allein aus Einweggeschirr an.

Weckgläser als Mehrwegverpackung

„Das ist ein langwieriges Thema“, sagt Manfred Miera, der in Lübeck und Neustadt mehrere Restaurants betreibt. Man freue sich über jeden Kunden, der sein eigenes Geschirr mitbringe, um beispielsweise Antipasti oder auch Pasta für zu Hause zu holen. Dagegen spreche allerdings eine „ausgeprägte Bequemlichkeit“. Dennoch überlegt er jetzt, Weckgläser als Mehrwegverpackung auszuprobieren. Darüber ist er bereits mit Glasherstellern in Verhandlung.

Warenangebot „zu kleinteilig“

Peter Giertz, Inhaber des Fisch und Delikatessen-Geschäftes Krützfeld, hat kein Problem damit, die Matjes in eine vom Kunden mitgebrachte Schale zu füllen. „Danach fragen aber nur wenige“, berichtet er. Sein Warenangebot sei „zu kleinteilig“. Wer drei Salate kaufe, müsste dann schon mit drei Schälchen anrücken. Er gibt Stammkunden aus der Nachbarschaft gebratenes Fischfilet aber schon mal auf einem Porzellanteller mit, den sie dann später zurückbringen sollen. „Das klappt in der Regel auch“, sagt er schmunzelnd.

Der lose Verkauf von verderblichen Lebensmitteln ist wegen der Hygiene-Vorschriften nicht so einfach. Einige regionale Einzelhandelsinitiativen nehmen private Boxen auf einem Tablett entgegen, um sie zu befüllen. Die Mitarbeiter dürfen die Boxen jedoch nicht berühren.

Pfandsysteme sollen getestet werden

Nach diesem Modell bieten bereits einige Imbisse in Bremen ihre Speisen zum Mitnehmen an, berichtet Katja Muchow vom Bund für Umwelt und Naturschutz in Deutschland (BUND) in Bremen. Die Umweltorganisation will zusammen mit anderen bis 2022 den Übergang zu Mehrwegangeboten erkunden. „Ein Idee ist, dass die Verbraucher ihre eigenen Behältnisse mitbringen“, erklärt Muchow. Zugleich sollen Pfandsysteme getestet werden. Einfach zu reinigende Behälter aus Glas oder Kunststoff seien eine andere Möglichkeit, um Suppen, Nudeln oder Salate mitzunehmen.

Dehoga hofft auf „vernünftige Alternative“

Ein Ansprechpartner für die Studie seien Markthallen mit ihren Essensständen, sagt Muchow. Dazu kämen einzelne Gastronomen. In Berlin beteiligt sich der Umweltverein Life an dem Projekt, das vom Bundesumweltministerium gefördert wird. Die wissenschaftliche Begleitung liegt beim Ecolog-Institut in Hannover.

Beim Deutschen Hotel und Gaststättenverband (Dehoga) in Schleswig-Holstein verfolgt man die Pläne mit Interesse. „Das Thema Mehrweg betrifft jeden Betrieb, der Essen nach Hause mitgibt“, sagt Hauptgeschäftsführer Stefan Scholtis. Seiner Einschätzung nach versucht jeder Betrieb im Rahmen seiner Möglichkeiten, Einwegverpackungen zu vermeiden. „Aber es muss natürlich eine vernünftige Alternative geben, die auch bezahlbar ist.“

Wieder weg vom „To-go“-Prinzip

Kunden würden Mehrwegsysteme fürs Essen außer Haus zwar begrüßen. Viele glauben aber nicht, dass sich das durchsetzen wird. „Die Leute sind bequem“, sagt etwa Christian Bahr aus Lübeck. Er selbst hat bereits mehrere Coffee-to-go-Becher zu Hause im Schrank, denkt aber meist nicht daran, sie mitzunehmen. Nina Machurig empfiehlt, wieder vom „To-go“-Prinzip wegzukommen. „Man sollte sich lieber die Zeit nehmen, im Imbiss zu essen. „Da achte ich schon drauf.“

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