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Wirtschaft im Norden Dräger baut Medizintechnik um
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19:12 07.03.2019
Stefan Dräger, Vorstandsvorsitzender der Drägerwerk Verwaltungs-AG in Lübeck: Das Geschäftsjahr 2018 war unbefriedigend. Quelle: Lutz Roeßler
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Lübeck

Während die Sicherheitstechnik zulegte, war die Medizintechnik das Sorgenkind. Das Unternehmen sei in Lübeck „zu kundenfern“ geworden, erklärte Stefan Dräger. „Wir müssen die Kundennähe wieder stärken und Entscheidungen schneller und besser in ihrem Sinne treffen“, sagte der Vorstandschef. Dazu baue man jetzt zielgerichtet neue Teams auf. „Wir brauchen kleinere, überschaubarere Gruppen, die für bestimmte Kunden einstehen und mit Leidenschaft für sie arbeiten.“

Mehr Kundennähe

Vorstand Toni Schrofner arbeite seit Ende des vergangenen Jahres mit einem Kernteam an der Umstrukturierung. Drei Elemente seien dabei wichtig: Erstens die Strategie, mit welchen Produkten Dräger seine Kunden wo bedienen wolle, zweitens die Effizienz und Prozesse – hier seien über 200 Einzelmaßnahmen geplant – und drittens die neue Form der Arbeit mit anderen Schnittstellen. „Personalabbau ist dabei nicht unser Ziel, ist aber auch nicht ausgeschlossen. Das wird sich im Lauf der Zeit herausstellen“, sagte Dräger. Eines stehe schon fest: Ein lineares „Sparprogramm mit dem Rasenmäher“ wie im Jahr 2016 werde es nicht geben. Es könne auch zu Personalaufbau kommen – wie etwa im Dienstleistungsgeschäft der Sicherheitstechnik, das um 12 Prozent gewachsen sei. Insgesamt hatte Dräger Ende vergangenen Jahres 14 399 Mitarbeiter, 660 mehr als ein Jahr zuvor. In Lübeck stieg die Mitarbeiterzahl von 4925 auf 5146.

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Probleme mit Dienstleister

Das Geschäftsergebnis für 2018 sei „in mehrfacher Hinsicht unbefriedigend“, sagte Dräger. Vor allem der gesunkene Gewinn sei enttäuschend. Viele Faktoren hätten auf das Ergebnis gewirkt. Zusätzlich zu den geplanten Investitionen seien kurzfristig höhere Ausgaben für die Behebung von „Qualitätsdefiziten“ angefallen. „Bis in den Frühsommer 2018 hatten wir erhebliche Störungen in unserer Logistik nach einer Umverlagerung zu einem neuen Dienstleister“, sagte Dräger. Vieles sei schief gelaufen, teilweise mussten Ersatzteile über mehrere hundert Kilometer mit Taxis transportiert werden. Ein anderes Beispiel: Ein Paket, was für Ägypten gedacht war, sei in Israel angekommen und umgekehrt.

Wechselkurse belastend

Viele Bestellungen konnten nicht ausgeliefert werden, weil das Lager des Dienstleisters zu voll geworden war. „Das konnten wir nur in einer gemeinsamen großen Kraftanstrengung vieler Mitarbeiter beheben – und das hat auch viel Geld gekostet.“ Außerdem hätten ungünstige Wechselkurse belastend auf das Ergebnis gewirkt. Allerdings liege das Umsatzwachstum mit vier Prozent im erwarteten Bereich, „da haben wir Wort gehalten“, betont Dräger.

Gaswarnsysteme gefragt

Mit der Entwicklung der Sicherheitstechnik sei man „zufrieden, aber nicht sehr. Es gibt noch Luft nach oben.“ Das Wachstum der Sparte lag währungsbereinigt bei 8,3 Prozent. Der Bereich Gaswarnsysteme sei zweistellig gewachsen, ebenso wie die Sparte Rental and Safety Services, wo Dräger für Sicherheit bei Kunden sorge, etwa bei BASF in Ludwigshafen, wo immer etwa 80 Dräger-Mitarbeiter vor Ort arbeiteten.

Die Region Europa mache immer noch über 50 Prozent des Umsatzes aus, auch wenn es Rückgänge in Ländern wie der Türkei oder Frankreich gebe. In Deutschland stieg der Auftragseingang um sechs Prozent. „Dass wir in einem so gesättigten Markt so wachsen konnten, ist eine tolle Leistung“, sagt Dräger.

Weniger Dividende

Die Dividende der Aktionäre soll bei 19 Cent pro Vorzugsaktie (Vorjahr: 46 Cent) und 13 Cent pro Stammaktie (Vorjahr 40 Cent) betragen. „Wir behalten unsere Politik bei, dass wir mindestens zehn Prozent des Gewinns ausschütten“, erklärte Dräger. Im Aufsichtsrat und mit den Gewerkschaften habe es dazu keine Diskussion gegeben.

Auf Brexit vorbereitet

Dem bevorstehenden Brexit begegne Dräger gut vorbereitet. „Wir haben für einen siebenstelligen Betrag Vorsorge getroffen, damit die Lieferketten nicht gestört werden. Die Bestände im Zentrallager in Frankfurt haben wir ordentlich aufgestockt für den Fall, dass längere Zeit nichts aus England nachkommen sollte“, sagte der Vorstandschef. Dräger entwickelt und produziert seit über 50 Jahren in England Pressluftatemgeräte für Feuerwehren in der ganzen Welt. Auch die Lager des Werkes in England seien gefüllt worden. „Unsere größte Sorge sind unsere Kunden in den englischen Krankenhäusern. Die hätten eigentlich Material aufstocken müssen, haben sie aber nicht getan“, erklärte Stefan Dräger. Das könnte Probleme in der Gesundheitsversorgung geben.

Gute Auftragslage

Für 2019 erwartet das Unternehmen einen währungsbereinigten Umsatzanstieg zwischen 1,0 und 4,0 Prozent. Der Auftragsbestand von Dräger am Anfang des Jahres 2019 sei so gut wie seit langem nicht mehr. „Das ist eine gute Startposition, aber kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir an unserer Wettbewerbsfähigkeit arbeiten müssen“, sagte Dräger. Die Hauptversammlung des Unternehmens findet am 10. Mai in der Lübecker MuK statt.

Zahlen und Fakten

Das Ergebnisvor Zinsen und Steuern (Ebit) von Dräger liegt 2018 bei 62,6 Millionen Euro, ein Jahr zuvor waren es noch 155,7 Millionen Euro. Die Ebit-Marge, also das Verhältnis von Gewinn zum Umsatz, beträgt 2,4 Prozent (2017: 6,1 Prozent). Der Jahresüberschuss liegt bei 34,9 Millionen Euro (2017: 98,5 Millionen). Den Umsatz steigerte das Unternehmen von 2,572 Milliarden Euro nominal um 0,9 Prozent auf 2,595 Milliarden Euro, währungsbereinigt ein Plus von 3,9 Prozent. Der Auftragseingang legte nominal um 2,7 Prozent auf 2,686 Milliarden Euro zu, währungsbereinigt sogar um 6 Prozent. Die Eigenkapitalquote liegt jetzt bei 44,8 Prozent (2017: 45,4 Prozent).

Christian Risch

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