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Wirtschaft im Norden Lübecker Forscher testen E-Autos als „externe Batterie“
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Lübecker Forscher testen E-Autos als „externe Batterie“
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09:59 12.02.2020
Förderbescheid für Lübecker Forscher: Wirtschaftsminister Bernd Buchholz, Prof. Thomas Franke und Prof. Martin Leucker (v. l.) von der Universität Lübeck. Quelle: Wirtschaftsministerium
Lübeck

Die Professoren Thomas Franke und Martin Leucker von der Universität Lübeck arbeiten an einem „Rückwärtsgang“ für E-Ladesäulen. Elektroautos, so ihre Idee, könnten als „externe Batterie“ an den Ladesäulen ihren Strom wieder zurück einspeisen. Mit dem Projekt ReNuBiL (Reallabor Nutzerzentriertes Bidirektionales Laden) wollen die Lübecker Wissenschaftler dieses neuartige System von E-Ladesäulen in Schleswig-Holstein entwickeln. Künftige Carsharing-Flotten wie etwa von „Statt Auto“ könnten dann nicht nur mit überschüssigem Windstrom betankt werden, sondern ihren nicht benötigten Strom auch wieder abgeben, zum Beispiel in lokale Firmennetze. Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) übergab den beiden Professoren am Dienstag einen Förderbescheid in Höhe von 800.000 Euro.

Ziel: „Intelligentes Laden“

„Wir brauchen E-Fahrzeuge, die intelligent geladen werden, und dafür müssen wir viel erst einmal ausprobieren“, sagt Thomas Franke, Professor für Ingenieurspsychologie und Kognitive Ergonomie am Institut für Multimediale und Interaktive Systeme (IMIS). Zunächst soll dafür eine Forschungs­infrastruktur auf dem Lübecker Campus geschaffen werden. „Mit dem Fördergeld schaffen wir zwei E-Ladesäulen und zwei Elektroautos an – einen Pkw und einen Kleintransporter – sowie einen Zwischenpuffer und die Hardware“, erklärt Prof. Martin Leucker vom Institut für Softwaretechnik und Programmiersprachen (ISP). In etwa einem halben Jahr könne die Testphase starten.

Statistiken zeigten, dass Autos viel stehen. In dieser Zeit könnten sie als „externe Batterie“ auch zum Beispiel den Strom für die Beleuchtung eines Uni-Hörsaals liefern. Nachts, wenn der Strom nicht mehr benötigt werde, könne das Auto dann wieder aufgeladen werden, um morgens fahrbereit zu sein. Firmen etwa, die ihren Strom selbst produzieren über Solardächer oder Windanlagen, könnten ihre E-Autos in dieser Weise nutzen.

Wünsche der Kunden verstehen

„Wir wollen ein lebendiges Labor aufbauen. Alle Nutzer unseres Kooperationspartners ,Statt Auto‘ am Campus können mit diesen Fahrzeugen fahren und liefern uns damit Daten“, erklärt Franke. Aus diesen Daten wollen die Forscher lernen, wie das „Laden in zwei Richtungen“ gestaltet werden muss, damit es funktioniert und von den Kunden angenommen wird. „Das Projekt läuft über drei Jahre, in denen wir verschiedene Szenarien erproben. Es soll offen für aktuelle Fragestellungen sein“, sagt Leucker. Mit dem Projekt bringe man Stromangebot und -nachfrage intelligenter zusammen. „Wissenschaftlich geht es um die hoch spannende Kombination von Psychologie und Informatik“, sagt Franke. „Wir müssen die Wünsche zukünftiger Kunden verstehen.“

Lob von Buchholz

„Über solche Batteriespeicher auf vier Rädern könnten Verbrauchsspitzen in Unternehmen intelligent ausgeglichen werden und auch eine Menge Leitungen eingespart werden – ein riesiger Beitrag zur Energiewende“, schwärmte Wirtschaftsminister Buchholz. Nach seinen Worten kommen neben größeren Unternehmen mit E-Fuhrpark und Ladesäulen auch Hochschulen oder Behörden als künftige Nutzer des geplanten Systems in Betracht.

6,3 Millionen Euro für zehn Projekte

Das Lübecker Projekt ReNuBiL ist eines von zehn Vorhaben im Rahmen eines Landes-Ideenwettbewerbs zur Forschungs-Infrastruktur. Dafür hat die Landesregierung insgesamt 6,3 Millionen Euro aus EU- und Landesmitteln bereitgestellt. Darunter ist auch das Projekt „Digitale Infrastruktur für einen nachhaltigen Gebäudebetrieb (DING)“ der Technischen Hochschule Lübeck mit Prof. Sebastian Fiedler, es hat ein Projektvolumen von rund 955 000 Euro. Außerdem gefördert werden eine Testanlage für ein Wellenkraftwerk im Modellmaßstab der Fachhochschule Kiel, ein Testlabor für Sektorkopplung Power-to-Fuels sowie Chemicals Biogas- und Energiespeichertechnologie der Hochschule Flensburg, das Projekt „Low-Input Weidemilchproduktion im landwirtschaftlichen Gemischtbetrieb“ der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, ein Cloudbasiertes, selbstlernendes Batteriemanagementsystem der Fachhochschule Kiel, ein Labor für zuverlässige Batterie-gestützte Energiewandlung (BAEW) der CAU in Kiel, das Projekt „SilentAeroHand“ für leisere und effektivere Windturbinenblätter der Fachhochschule Kiel, die Forschungsinfrastruktur für das Monitoring der Energieflüsse in Schleswig-Holstein (MESH100) der Fachochschule Westküste und die Mittelspannungs-Netznachbildung der Hochschule Flensburg.

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