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Wirtschaft im Norden Politiker im Norden diskutieren nach Schulsperrung über Impfpflicht
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17:36 29.03.2019
Die Dahlmannschule am Seminarweg in Bad Segeberg. Quelle: Wolfgang Glombik
Bad Segeberg/Kiel

Nach der Infektion eines Schülers mit dem hochansteckenden Masern-Virus ist in Bad Segeberg am Freitag ein Gymnasium geschlossen worden. 775 Schüler und 58 Lehrer mussten die Dahlmannschule in der Innenstadt verlassen. Bis Mittwoch würden nur Personen in die Schule gelassen, die geimpft seien, teilte der Kreis mit.

An der Dahlmannschule beginnen am Dienstag die schriftlichen Abiturprüfungen. Bisher ist unklar, wie viele Schüler wegen eines fehlenden Impfschutzes nicht daran teilnehmen können. Ein weiterer Masernfall wurde Freitag an der Theodor-Storm-Grundschule in Bad Segeberg gemeldet – nach LN-Informationen handelt es sich um ein Geschwisterkind des betroffenen Gymnasiasten.

Krankheit kann tödlich verlaufen

„Masern sind hochansteckend“, warnt Prof. Helmut Fickenscher, Leiter des Kieler Uni-Instituts für Infektionsmedizin. In einem von 1000 Fällen komm es zu einer Gehirnentzündung, die tödlich verlaufen könne. Aus diesem Grund wird seitens der Landesregierung angesichts des aktuellen Falls erneut der Ruf nach einer Impfpflicht laut.

„Das Masernausbruch zeigt, wie wichtig es ist, dass Menschen sich impfen lassen“, sagte Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) den LN. „Deswegen halte ich die erneute Diskussion über eine Impfpflicht bzw. die Einführung einer Impfpflicht für dringend notwendig.“ Bereits in der Vergangenheit hatte Garg den Bund aufgefordert, zumindest die Einführung eine Masern-Pflichtimpfung vor der Aufnahme in eine Kita oder Schule zu prüfen. „Ich befürworte eine allgemeine Impfpflicht ausdrücklich. Mit einer Impfung schützt man nicht nur sich selbst, sondern auch andere Menschen und insbesondere diejenigen, die nicht geimpft werden können.“

Gegen Impfmüdigkeit

Unterstützung bekommt er von den Landtags-Fraktionen. Der Fall in Bad Segeberg zeige, dass eine Impflicht der richtige Weg sei, sagte der gesundheitspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Hans Hinrich Neve. „Wir kommen um die Impfpflicht nicht herum.“

Es müsse geklärt werden, ob die Masernimpfung verpflichtend für die Aufnahme in Kitas und Schulen eingeführt werden könne, fordert auch Marret Bohn von den Grünen. Zunächst solle aber „das Gespräch vor Ort gesucht und auf Beratung und Überzeugung gesetzt“ werden. „Das geht viel schneller als eine gesetzliche Änderung.“

Ähnlich sieht es die SPD. Die Forderung Gargs nach einer Pflichtimpfung für Kitakinder und Schüler werde befürwortet, erklärt Bernd Heinemann, der Gesundheitsexperte der Fraktion. „Die steigende Impfmüdigkeit ist ein Problem für die Gesundheit jedes Einzelnen in unserer Gesellschaft. Wir sind der Meinung, dass hier durchaus ein Handlungsbedarf im Interesse der Allgemeinheit besteht und die Impfquoten ausreichend erhöht werden müssen.“

Eltern verschiedener Meinung

Elternvertreter dagegen sind zurückhaltend, was eine Impfpflicht angeht. „Ein schwieriges Thema“, merkt Claudia Pick, Vorsitzende des Landes-Elternbeirates der Gymnasien an. Es handele sich um „eine sehr persönliche Entscheidung“. Ein Teil der Eltern halte eine Impfpflicht für notwendig, ein anderer sehe sie als Eingriff in Persönlichkeitsrechte. „Ich glaube nicht, dass wir als Elternbeirat uns dazu positionieren werden.“

Thorsten Muschinski, Vorsitzender des Beirates der Gemeinschaftsschulen, äußerte ebenfalls die Ansicht, dass die Entscheidung über eine Impfung den Eltern selbst überlassen bleiben müsse. Seine Kinder seien jedoch geimpft.

Eine hohe Impfabdeckung sei notwendig, um einer Epidemie vorzubeugen, meint Fickenscher. Zur Zeit gebe es im Land kaum Todesfälle im Zusammenhang mit Masern. „Aber das kann sich jederzeit ändern.“

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