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Wirtschaft im Norden Mehr weibliche Chefs: Es muss noch viel passieren
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23:18 15.01.2014
Sie diskutieren auf dem Podium: Susanne Beck Nielsen, Dr. Christina Boll, Moderatorin Barbara Hahlweg, Friederike C. Kühn und Kathrin Menges (v. l.). Quelle: Olaf Malzahn
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Lübeck

Kathrin Menges, Topmanagerin des Chemiekonzerns Henkel, betonte, dass Offenheit, Flexibilität und lebenslange Lernbereitschaft wichtige Voraussetzungen seien. „Wir planen die Karrieren unserer Frauen bei Henkel langfristig – auch nach der Geburt ihrer Kinder. Wir schicken unsere Anwärterinnen auf Führungspositionen schon früh ins Ausland“, erklärte die Managerin. „Wir brauchen einen Kulturwandel weg von der reinen Präsenzkultur zur Vertrauenskultur.“ Unternehmer müssten darauf vertrauen, dass ihre Mitarbeiter zu Hause genauso gut arbeiten wie im Büro in der Firma.

Auch wenn es schon große Fortschritte gebe, müsse sich beim Thema Frauen in Führung noch viel ändern, sagte Forscherin Dr. Christina Boll vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI). Ihr Institut hat berechnet: Frauen verlieren zwischen dem 30. und 45. Lebensjahr brutto 200<TH>000 Euro, wenn sie wegen ihrer Kinder pausieren und dann zunächst in Teilzeit wieder einsteigen. „Und die Unternehmen haben Wertschöpfungsverluste in gleicher Höhe.“ Auch Boll erklärte, man müsse sich vom „Anwesenheitswahn“ in den Betrieben verabschieden, mit flexibler Arbeit auch von zu Hause falle Frauen vieles leichter.

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Auch Führung in Teilzeit sei machbar, „aber es braucht auch eine ausreichende Schnittmenge Zeit mit dem Team vor Ort“. Sie warne aber vor der Illusion der „perfekten Vereinbarkeit“ von Karriere und Familie: „Wer den perfekten Haushalt haben möchte, kann Zeit und Energie für einen Führungsjob schwer aufbringen.“ Susanne Beck Nielsen, Honorarkonsulin des Königreichs Dänemark, sagte, das Nachbarland sei Deutschland in Fragen von Kita-Ausbau und Ganztagsbetreuung etwa fünf bis zehn Jahre voraus. „Dänemark kann in dieser Hinsicht Vorbild für Deutschland sein.“ Präses Friederike C. Kühn erklärte, dass die IHK bei der Förderung von Frauen mit gutem Beispiel vorangehe. „Wir versuchen, in diesen Bemühungen ganz vorne mit dabei zu sein.“