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Wirtschaft im Norden Mit dem Mundlötrohr entstehen aufwendige Schmuckstücke
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Mit dem Mundlötrohr entstehen aufwendige Schmuckstücke
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17:08 10.06.2018
Mit dem Mund führt die 51 Jahre alte Goldschmiedemeisterin Anja Hardell der Flamme Sauerstoff zu. Quelle: Fotos: Rüdiger Jacob
Bad Schwartau

„Für diese Arbeiten sind Geduld und Gelassenheit nötig.“ Die tägliche Arbeit in der Werkstatt ist für die Goldschmiedemeisterin „etwas Meditatives und sehr Schönes“.

Anja Hardell (51) ist Goldschmiedemeisterin in Bad Schwartau.

Mehrfach ausgezeichnet

Anja Hardell betreibt ihre Goldschmiede in der Lübecker Straße in Bad Schwartau. Die in Lübeck geborene Goldschmiedemeisterin hat bereits mehrere Preise gewonnen. Sie gewann zum Beispiel den praktischen Landes- und Bundeswettbewerb und belegte bei einem internationalen Schmuckwettbewerb in Münster den zweiten Platz. Außerdem wurde sie für ein familienfreundliches Personalkonzept ausgezeichnet.

Und es geht auch um Emotionen, um Menschen mit ihren Gefühlen, so Hardell. „Oft geht es um Erinnerungen“, sagt die Handwerksmeisterin, die neben der Arbeit mit den vielen kleinen Werkzeugen auch eine altüberlieferte Löttechnik ausübt. Hardell arbeitet mit dem sogenannten Mundlötrohr. Hierbei wird dem Propangas noch Sauerstoff hinzugeführt. Allerdings nicht, wie man vermuten könnte, aus einer Sauerstoffflasche, sondern mit dem Mund. Vorsichtig bläst die Goldschmiedemeisterin die Luft durch einen Schlauch in das Mundlötrohr und erreicht somit die gewünschte Flamme, um eine Drahtverzierung an ein Schmuckstück zu löten.

„Die Herausforderung bei dieser Technik besteht darin, den Sauerstoff der Flamme zuzuführen und gleichzeitig kontinuierlich weiter zu atmen“, sagt Hardell. Das erfordere viel Übung, habe aber einen entscheidenden Vorteil: „So können wir eine kleine Spitzflamme oder auch eine große Brauseflamme entstehen lassen“, erklärt Hardell. Das Gebilde aus Lötkolben und Schlauch nennt sich schlicht Mundlötrohr. Ein Handwerk, bei welchem noch der ganze Mensch gefragt ist. Internet & Co. werden diese Handarbeit nicht ersetzen können.

Persönlich sind aufwendige Ringe und feiner Ohrschmuck ihr Ding. Aber zur täglichen Arbeit von Anja Hardell zählt vor allem das Gespräch mit dem Kunden, mit dem Menschen mit seinen besonderen Vorstellungen. Ein Schwerpunkt des Unternehmens bildet die Anfertigung nach individuellen Wünschen. Das sind etwa alte Schmuckstücke aus Familienbesitz, Erbstücke, deren Besitzer den ideellen Wert bewahren wollen, und die eine neue Form bekommen sollen.

„Am schönsten ist und bleibt es allerdings, mit gutem und frisch legiertem Material zu arbeiten“ erzählt die 51-Jährige. Ausgefallene Farbedelsteine hat die Frau auch auf Lager. Der kreativen Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt. All diese besonderen Schmuckstücke liegen weder im Fenster noch im Geschäft aus. „Das sind Dinge nach ganz persönlichen Vorstellungen“, sagt Hardell.

 Rüdiger Jacob

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