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Wirtschaft im Norden Mit dem Smartphone in die Werkstatt
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20:10 28.01.2017
Ikitit-Inhaber Thomas Sprung (vorne) und sein Team nehmen in Lübeck jeden Monat Hunderte Smartphones unter die Lupe. Quelle: Fotos: Lutz Roessler
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Lübeck

Ganz vorsichtig lockert Thomas Sprung die winzigen Schrauben, dann löst der 35-Jährige vorsichtig das Gehäuse des Smartphones. Die hellen Strahlen der Werkstattlampe tanzen über die kleinen Metallteilchen, die im Inneren des Telefons dicht nebeneinanderliegen. „Am häufigsten sind die Displays beschädigt“, sagt der IT-Experte, während er konzentriert die Teilchen begutachtet. „Aber auch Wasserschäden kommen besonders oft vor.“

Nicht immer muss ein defektes Handy ersetzt werden. Auch im Norden bieten Experten Reparaturen an.

Seit 2013 hat sich der Lübecker auf die Reparatur von Smartphones und Tablets spezialisiert. Ikitit – so heißt der kleine Laden in der Großen Petersgrube in Lübeck, in dem Sprung und seine drei Mitarbeiter die beschädigten Geräte der Kunden auseinanderschrauben, neu zusammenlöten oder das Betriebssystem von Viren befreien.

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Und das im Akkord: Seit Jahresbeginn lagen allein 250 Mobiltelefone vom Typ iPhone 6 auf dem Werkstatttisch. „Dazu kommen sämtliche Modelle anderer Hersteller“, sagt Sprung. Zerschmolzenes Plastik, Displays mit fein verästelten Rissen oder Telefongehäuse, die versehentlich in Waschbecken oder Toilette gefallen sind. „Viele Schäden sind reparabel“, sagt der Jungunternehmer. Die Preise variieren je nach Modell und Schaden. „Der Austausch eines Displays kann zum Beispiel zwischen 30 und 499 Euro kosten – je nachdem, ob der Hersteller noch genügend Ersatzteile auf dem Markt hat“, sagt Sprung.

Eine Reparatur lohne sich aber nicht zuletzt auch der Umwelt zuliebe. „Jedes Gerät besteht aus wertvollen Rohstoffen, wir versuchen dem Ressourcenverbrauch mit unserer Arbeit ein wenig entgegenzuwirken.“

Ähnlich sieht das auch Ümit Özden, Inhaber des Phone Shops in der Lübecker Königstraße. Auch er bietet neben dem An- und Verkauf von Mobiltelefonen deren Reparatur an. „Letztendlich entscheidet natürlich der Kunde“, sagt Özden, „aber bei manchen Anfragen sage ich schon, dass sich eine Reparatur mehr lohnt als ein Neukauf.“ Oft seien es nur kleine Details, die zu Problemen mit den Handys führen. „Sehr häufig sind etwa die Kontakte in den Ladebuchsen mit Staub überzogen, so dass es zu Problemen beim Aufladen kommt“, sagt Özden, „das kann man dann ganz schnell mit einer sorgfältigen Reinigung beheben.“

Dennoch sucht nicht jeder Handybesitzer den Weg zum Fachmann: So schlummern laut Schätzungen der Umweltorganisation Greenpeace über 100 Millionen ausrangierte Mobiltelefone in deutschen Haushalten – jedes von ihnen birgt wertvolle Rohstoffe wie Kobalt, Palladium oder Metalle der sogenannten Seltenen Erden, die zum Teil wiederverwertet werden könnten. „Kobalt wird etwa zu 30 Prozent in den Batterien verarbeitet“, sagt Manfred Santen, Chemie-Experte bei Greenpeace. Werden Mobiltelefone ausrangiert, werden für die neuen Modelle erneut wertvolle Metalle in der gleichen Größenordnung benötigt. „Das größte Problem ist, dass viele Nutzer sich bereits nach spätestens zwei Jahren ein neues Smartphone zulegen“, sagt Santen. Die kurze Betriebsdauer werde auch vonseiten der Hersteller begünstigt – etwa, indem für die Betriebssysteme älterer Modelle nach wenigen Jahren keine Updates mehr zur Verfügung stehen.

„Viele Handys könnten mit den notwendigen Updates oder einer Reparatur noch bis zu eineinhalb Jahre länger halten“, sagt Santen. Bisher betrage etwa die Lebensdauer eines Android-Telefons bis zu 2,5 Jahre.„Wenn man dennoch das Handy ausrangieren möchte, sollte man auf das richtige Recycling achten“, sagt Manfred Santen. So nehmen mittlerweile Umweltorganisationen wie der Naturschutzbund Deutschland (NABU) oder die Deutsche Umwelthilfe die alten Telefone an. „In Recycling-Höfen werden die Bestandteile oft nicht ausreichend sortiert“, erklärt der Greenpeace-Experte.

Das sagen die Verbraucherschützer

Auch die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein (VZSH) rät Smartphone-Nutzern, vor dem Neukauf abzuwägen: „Jedes neu gekaufte Handy bedeutet zum einen eine hohe Umweltbelastung“, sagt VZSH-Sprecherin Vivien Rehder. Zum anderen seien neue Handy- oder Tabletmodelle nicht immer mit einer besseren Technik ausgestattet. So können Kamerafunktionen und die Akkulaufzeit bei manchem Nachfolgemodell von schlechterer Qualität sein als beim Vorgänger. „Manchmal lohnt sich dann eher eine Reparatur“, sagt Rehder. So sei beispielsweise eine Akku-Reparatur oft relativ günstig, und ein zu kleiner Speicherplatz lasse sich nicht selten durch eine zusätzliche Speicherkarte erweitern. „Außerdem locken viele Hersteller und Mobilfunkanbieter mit vermeintlich attraktiven Angeboten, bei denen sich versteckte Kosten ergeben“, sagt Rehder. Im Zweifel lohne sich immer ein Preisvergleich im Internet.

Katrin Diederichs

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