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Wirtschaft im Norden So schneiden die Kreuzfahrtschiffe im Klimatest ab
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17:08 21.08.2019
Dicke Luft überm Kreuzfahrtriesen: Die Umweltbelastung durch Abgase ist zu hoch, kritisiert der Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Quelle: Jens Büttner/dpa
Hamburg/Kiel

„Das Gros der Branche bleibt weiterhin dreckig“, sagte Nabu-Verkehrsexperte Daniel Rieger bei der Vorstellung des diesjährigen Kreuzfahrt-Rankings in Hamburg. Dabei wurden die Verwendung von Flüssiggas (LNG), Landstrom in Häfen und Partikelfiltern zur Abgasreinigung sowie die Vermeidung von Schweröl berücksichtigt. Vergleichsweise sauber sind die AIDAnova und die Costa Smeralda, die mit verflüssigtem Erdgas betankt werden können. Der Treibstoff reduziert im Vergleich zum Dieselkraftstoff Schwefeldioxid und Feinstaub um mehr als 90 Prozent und Kohlendioxid (CO2) um bis zu 30 Prozent.

Nur Abgasreinigung im gesetzlichen Rahmen

Auf den weiteren Rängen folgen Kreuzfahrtschiffe von Hapag-Lloyd, Aida, Hurtigruten und Ponant. Den letzten Rang teilen sich unter anderem Viking, Royal Caribbean und MSC. TUI beispielsweise rangiert mit seiner Flotte „Mein Schiff“ (1-6) auf Rang 13, liegt mit „Mein Schiff Herz“ aber ebenfalls auf dem letzten Platz. Zwei Drittel der untersuchten Kreuzfahrtschiffe, so Rieger, hätten keine Abgasreinigung, die über die gesetzlichen Auflagen hinausgingen.

+++ Das gesamte Ranking der Kreuzfahrtschiffe finden Sie hier.

Umweltschützer protestierten in Kiel

In Zeiten von Klimastreiks stellten sich immer mehr Menschen die Frage, was die Kreuzfahrtbranche tue, um das Klima zu schützen, meint der Nabu. Tatsächlich formierte sich in Kiel, wo in diesem Jahr 180 Anläufe von Kreuzfahrern erwartet werden, massiver Protest gegen die schwimmenden Hotels. Mitte Juni hatten Umweltaktivisten im Kieler Hafen das Kreuzfahrtschiff „Zuiderdam“ am Auslaufen gehindert, einen Monat später demonstrierten 400 Umweltschützer gegen die Branche und für das Klima.

Erstmals auch Klimaschutz ins Visier genommen

Erstmals hat der Nabu neben der Abgasbelastung auch die Klimabilanz der Schiffe untersucht. Das Ergebnis: Sämtliche der 89 bewerteten Schiffe aus dem europäischen Raum werden mit fossilen Brennstoffen betrieben, die enorme Treibhausgasemissionen verursachen. „Das ist absolut unzeitgemäß und verantwortungslos“, urteilt Nabu-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Die Kreuzfahrt dürfe nur mit Nullemissionsantrieben eine Zukunft haben.

Zwar würden immer mehr Kreuzfahrtschiffe mit Flüssiggasantrieb in Betrieb genommen. Doch LNG (liquid natural gas) sei ebenfalls ein fossiler Brennstoff, der teils mit erheblichen Eingriffen in die Umwelt gewonnen werde. Zudem entweiche das hochpotente Klimagas Methan in die Atmosphäre.

Wirtschaftsminister sieht Reedereien unter Druck

Die Stadt Kiel verweist auf die Regeln für Kreuzfahrer in schleswig-holsteinischen Häfen. Seit 2010 dürfen Schiffe am Liegeplatz kein Schweröl mehr verbrennen, erklärt Stadtsprecher Arne Ivers. Zudem dürfe im Hafen liegend nur Brennstoff mit maximal 0,1 Prozent Schwefel genutzt werden – es sei denn, die Schiffe nutzen ihre Abgasreinigungsanlage. Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) kritisiert die Darstellung des Nabu als „zu holzschnittartig“. Kreuzfahrt-Reedereien und Reiseveranstalter stünden immer mehr unter Druck, weil deren Kunden zunehmend auf ihren ökologischen Fußabdruck achten. Daher hätten sich einige Reedereien bereits zu Innovationstreibern entwickelt. Beispiele dafür seien LNG-Antriebe. Gerade die Kreuzfahrtbranche entwickle sich damit für die gesamte Schifffahrt zum Trendsetter.

Neue Regeln auf hoher See ab 2020

Vom 1. Januar 2020 an dürfen Handels- und Kreuzfahrtschiffe nach Bestimmungen der International Maritime Organization (IMO) auf hoher See nur noch Treibstoff mit einem Schwefelgehalt von 0,5 Prozent statt bisher 3,5 Prozent verbrennen oder müssen alternativ die Abgase vom Schwefel reinigen. Dies verleite dazu, dass die Reedereien weiterhin Schweröl statt teurerer alternativer Treibstoffe einkauften, kritisierte der Nabu. Bei Fahrten in Nord- und Ostsee liegt der Grenzwert für den Schwefelanteil bereits bei 0,1 Prozent.

Die Kreuzfahrtbranche fahre pro Jahr mehrere Milliarden Euro Gewinne ein und zahle dafür kaum Steuern, kritisierte Nabu-Umweltreferent Malte Siegert. Anders als die krisengeschüttelte Handelsschifffahrt habe sie die Möglichkeit, in umweltfreundliche Entwicklungen zu investieren.

Nabu will klimaneutrale Kreuzschifffahrt bis 2035

Der Nabu fordert, gesetzliche Bestimmungen zu verschärfen, „um die Entwicklung und den flächendeckenden Einsatz emissionsfreier Technologien auch in der Schifffahrt zu befördern“. Ziel muss nach Ansicht des Nabu eine abgasfreie, klimaneutrale Kreuzschifffahrt bis 2050 sein. Die Forderungen der maritimen UN-Organisation IMO nach einer Halbierung des CO2 -Ausstoßes bis 2050 sei völlig unzureichend, betonte Rieger. Die Reedereien des Branchenverbandes Clia haben sich nach eigenen Angaben verpflichtet, die CO2 -Emissionen bis 2030 um 40 Prozent gegenüber 2008 zu senken.

Kreuzfahrt-Jobmesse kommt nach Hamburg

Hamburg bekommt eine Messe für Jobs auf Kreuzfahrtschiffen: Am 7. November von 13 bis 20 Uhr präsentieren sich 20 bis 30 Reedereien sowie Branchenvertreter für Hochsee- und Flusskreuzfahrten in der Hansestadt. Gesucht werden nicht nur Köche und Kellner, Barkeeper und Animateure, erklärte die Agentur Connect Career, die die Messe ausrichtet. Die modernen Schiffe würden auch Berufsfelder für Floristen, IT-Manager, Rezeptionisten und Kindergärtnerinnen bieten.

Die Kreuzfahrtbranche steuert weltweit auf einem enormen Wachstumskurs. Laut Studie des Branchenverbandes Clia verdreifacht sich allein in Deutschland das Passagieraufkommen bis zum Jahr 2030 auf jährlich sechs Millionen Urlauber auf See.

Von Julia Paulat

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