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Wirtschaft im Norden Nabu: Gutachten sieht keinen Bedarf für Belttunnel
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Nabu: Gutachten sieht keinen Bedarf für Belttunnel
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06:46 12.07.2019
Es gibt nicht genug Verkehr für einen Tunnel, sagt das Gutachten. Quelle: Femern A/S
Hamburg

Ist der Bau des geplanten Fehmarnbelt-Tunnels überhaupt zu rechtfertigen? Nein, sagt eine Studie, die der Naturschutzbund Nabu jetzt in Hamburg vorstellte. „Das Urteil der Verkehrsexperten kommt einem Todesstoß für die feste Fehmarnbeltquerung gleich“, sagt Leif Miller, Nabu-Bundesgeschäftsführer. Mit der Studie will der Nabu seine Klage gegen den Tunnel beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig begründen.

Nur Eisenbahntunnel für Nabu vorstellbar

Anfreunden könnte sich der Nabu allenfalls mit einem reinen, gebohrten Eisenbahntunnel, sagte Malte Siegert, Fehmarnbelt-Experte des Nabu. Dieser würde „den Bahngüterverkehr gegenüber der Straße stärken und deutlich weniger ökologischen Schaden anrichten“. „Wenn ich zwei maue Verkehrsträger habe, muss ich einen zugunsten des anderen streichen“, begründete Siegert. Die Stärkung des Bahnverkehrs entspreche auch dem eigentlichen Verkehrsziel der EU.

Schnell und leistungsstark

Laut deutsch-dänischem Staatsvertrag soll der Belttunnel Fehmarn und Lolland verbinden. Dazu gehören der vierstreifige Ausbau der Bundesstraße B 207 zwischen Heiligenhafen-Ost und Puttgarden sowie Elektrifizierung und zweigleisiger Ausbau des Schienenwegs Lübeck-Puttgarden. Die „Vogelfluglinie“ soll so zu einer der schnellsten und leistungsstärksten Transportachsen nach Skandinavien werden.

Dass die Entwicklung der Verkehrsströme zwischen dem Norden und Skandinavien nicht den Prognosen entspreche, hatte der Hamburger Gutachter Thomas Rössler vom Verkehrsberatungsbüro Hanseatic Transport Consultancy zuvor dargelegt. Das Gutachten hat der Nabu auf seiner Internetseite veröffentlicht.

Gutachter: Kein Verkehrs-Wachstum

Gutachter Rössler führte aus, dass sich selbst in den vergangenen zehn Jahren der Hochkonjunktur kein Wachstum des Verkehrs auf der Straße eingestellt habe. Dagegen werde im Planfeststellungsbeschluss für den Tunnelbau von „unzureichenden Verkehrsverhältnissen“ zwischen Europa und Skandinavien ausgegangen. Dies lasse sich eindeutig widerlegen, meint Rössler. Nur im Sommer komme es zu einer ferienbedingten Überlastung der Verkehrswege. Ein Verkehrsprojekt in zweistelliger Milliardenhöhe sei damit nicht zu rechtfertigen.

Im Gegenteil sei die bestehende Infrastruktur die meiste Zeit „unterausgelastet“. Zugelegt hätten allein Luft- und Fährverkehr. Im Güterzugverkehr sinke das Frachtaufkommen. So gingen Prognosen der Fehmarnbelt-Planer für das Jahr 2030 von 73 Güterzügen täglich aus, die zwischen Deutschland und Skandinavien verkehren. Tatsächlich sank die Zahl von 52 Güterzügen 2010 auf 47 im Jahr 2017.

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Bahn baut Tunnel-Anbindung

Mit einem Urteil rechnet Nabu-Experte Siegert nicht vor 2021. Er hoffe darauf, dass die Richter angesichts des gesellschaftlichen Wandels der Einstellung zu Umwelt- und Klimafragen aufgrund der angeführten Argumente im Sinne des Nabu entscheiden.

Wichtige LN-Berichte zum Belttunnel und der Hinterlandanbindung

Juli 2019: Darum klagt der Nabu gegen den Belttunnel

Mai 2019: Vorbereitung für den Bau des Belttunnels beginnt auf Fehmarn

Januar 2019: Besuch in Hamburger Zentrale: Diese Menschen planen Ostholsteins Bahn-Zukunft

Dezember 2018: EU-Gericht entscheidet, dass die Staatsbeihilfen für den Belttunnel überprüft werden müssen

Oktober 2018: Das sagt der Grüne-Umweltminister Jan Philipp Albrecht im LN-Interview zum Belttunnel

Oktober 2018: Zoff um Brandschutz im Tunnel – bei einem Feuer wäre die Stadt Fehmarn zuständig

Dezember 2017: So wollen die Wacken-Bosse am Belttunnel mitverdienen

Juli 2017: Wie gefährlich sind Minen aus dem Zweiten Weltkrieg für den Tunnelbau?

Juni 2017: So plant Femern A/S den Tunnelbau – Mit Video und Bildergalerie

Juni 2017: Dieses Riff wollen Meeresbiologen als Ausgleichsmaßnahme ertüchtigen

Dezember 2016: Zeit- und Kostenplan beim Belttunnel drohen aus dem Ruder zu laufen

Oktober 2016: 109 Millionen extra! So soll die Trasse zur Superschiene werden

September 2016: Kurswechsel: Die schleswig-holsteinischen Grünen sind jetzt nicht mehr gegen den Belttunnel

August 2016: Sechs Jahre voller Tests: Dieser Beton soll beim Belttunnel verwendet werden

November 2015: Pro und Kontra – das sind die Argumente von Befürwortern und Gegnern

Bildergalerie: So plant Femern A/S die Sicherheit im Belttunnel

Viele weitere Berichte über das gigantische Verkehrsprojekt sammeln wir auf dieser Themenseite

„Wir gehen davon aus, dass der Belttunnel gebaut wird“, erklärte dagegen Bahnsprecher Peter Mantik. Entsprechend dem Staatsvertrag mit Dänemark „wollen die Dänen 2028 mit dem Tunnel in Puttgarden sein“. Aktuelle Aufgabe der Bahn sei es, bis dahin die Schienenanbindung einschließlich der Fehmarnsund-Querung fertigzustellen. Laut dem 2008 geschlossenen Staatsvertrag könnte das Projekt nur in beiderseitigem Einverständnis geändert oder aufgehoben werden.

Lesen Sie auch:

Reaktionen: Abgeordnete streiten über den Sinn der Beltquerung

Kommentar: Wohl kaum zu stoppen

Klicken Sie hier, um zahlreiche Grafiken zur Planung des Belttunnels zwischen Fehmarn und Dänemark zu sehen!

Marcus Stöcklin

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