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Wirtschaft im Norden „Jetzt müssen Taten folgen“
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19:30 24.09.2018
Der Bau bezahlbarer Mietwohnungen – hier in Hamburg – soll vorangebracht werden. Quelle: Foto: Charisius/dpa
Lübeck

Nach dem „Wohngipfel“ der Bundesregierung in Berlin fordern die Akteure in Schleswig-Holstein jetzt konkrete Umsetzungsschritte, äußern aber auch Kritik. „Der Worte sind nun genug gewechselt, jetzt geht es darum, Taten folgen zu lassen und den Bau bezahlbarer Wohnungen zu erleichtern“, sagte Andreas Breitner, Verbandsdirektor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW), in Rostock-Warnemünde zum Auftakt der VNW-Arbeitstagung. „Wir brauchen dringend mehr Bauland, den raschen Abbau von Bürokratie und spürbare Vorteile für jene Unternehmen, die bezahlbare Wohnungen bauen und anbieten“, sagte Breitner.

Kritik am Baukindergeld

„Mit Baukindergeld schafft man keinen neuen bezahlbaren Wohnungen. Das ist völlig neben der Spur“, sagt Heidrun Clausen, Geschäftsführerin des Mieterbundes Schleswig-Holstein. Baukindergeld unterstütze nur Eigentümer in der Fläche und schaffe keine bezahlbare Wohnung in der Stadt. „Wir fordern außerdem eine Abschaffung oder wenigstens eine Absenkung der Mieterhöhungsmöglichkeit bei Modernisierungen auf 4 Prozent der Baukosten.“

120.000 Sozialwohnungen müsste es nach Ansicht des Mieterbundes in Schleswig-Holstein geben, doch es seien aktuell nur 47.000, und selbst diese Zahl drohe bis 2030 auf 20.000 zu sinken, weil öffentliche Förderung ausläuft. 1700 Wohnungen pro Jahr wolle das Land jetzt fördern. „Selbst wenn diese realisiert werden, könne dadurch der Bestand an Sozialwohnungen nicht einmal ungefähr gehalten werden. Wir bräuchten aber öffentlich geförderten Wohnraum in weitaus höherem Maße“, sagt die Geschäftsführerin des Mieterbundes Schleswig-Holstein, Heidrun Clausen. Allein in Schleswig-Holstein gebe es 350.000 Haushalte, die auf Transferleistungen angewiesen seien. Die Wohngeldzahlungen überträfen die Wohnraumförderung um ein Mehrfaches. „Jetzt rächen sich die Fehler vieler Kommunen, die ihre eigenen Wohnungsgesellschaften an Privatunternehmen verkauft haben.“ 36.000 Wohnungen im Bundesland gehörten der Vonovia. Viele Städte hätten das mittlerweile eingesehen, Kiel plane zurzeit den Aufbau einer neuen Gesellschaft KiWoG, die Wohnungen bauen und zurückkaufen wolle.

Haus & Grund: In Städten dichter bauen

Nach Ansicht des Eigentümerverbandes Haus & Grund sollte bezahlbarer Wohnraum in Schleswig-Holstein vor allem durch dichteres Bauen in Städten geschaffen werden, sagt der Verbandsvorsitzende Alexander Blažek. Hier bestehe erhebliches Potenzial, weil die Bevölkerungsdichte im europäischen Vergleich noch gering sein. In Kiel gebe es etwa 2100 Einwohner je Quadratkilometer, in Hamburg rund 2400. Paris komme hingegen auf etwa 21 000 Einwohner pro Quadratkilometer, Barcelona auf 16 000. Die Kommunalpolitik müsse Konflikte Nachbarn und Kleingärtnern aushalten, die gegen Neubau protestieren, wenn es ihr um bezahlbaren Wohnraum gehe, meinte Blažek. Der Bau mehrstöckiger Häuser im großen Maßstab sei derzeit nur auf der grünen Wiese möglich, da Bauland gerade in Kiel, Lübeck und der Metropolregion Hamburg besonders knapp sei. Um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, sollte auch der Dachgeschossausbau erleichtert werden - mit simplen Änderungen der Musterbauordnung.

Der Bundesregierung warf Blažek vor, Wohnungspolitik zu Lasten privater Vermieter zu machen, obwohl diese das Rückgrat der Wohnraumversorgung bildeten. Die Mietpreisbremse zu verschärfen und Mietspiegel auszuhöhlen, gehe zu Lasten der vier Millionen privaten Vermieter. Die Landesregierung in Schleswig-Holstein habe das erkannt und werde daher die vollkommen untaugliche Mietpreisbremse abschaffen, sagte Blažek.

„Ich haben nichts dagegen, wenn Dachgeschosswohnungen ausgebaut werden, wenn dabei der Lärmschutz für die anderen Mieter eingehalten wird. Aber das setzt Investitionen der Eigentümer voraus“, sagte dazu Mieterbund-Geschäftsführerin Clausen.

Bauwirtschaft ist ausgelastet

VWN-Direktor Andreas Breitner forderte die Bürgermeister der Kommunen auf, den Wohnungsbau umgehend zur Chefsache zu machen. Mit großer Sorge blicke er auf die steigenden Baupreise und die ausgelasteten Kapazitäten der Bauwirtschaft. Beides behindere massiv den Bau bezahlbarer Wohnungen. Eine Kurzumfrage unter VNW-Unternehmen habe ergeben, dass inzwischen nur noch etwa die Hälfte der Bauunternehmen ein Angebot auf ausgeschriebene Bauleistungen abgibt – und das oft zu deutlich höheren Preisen.

Christian Risch

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