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Wirtschaft im Norden Nicht quadratisch? Dann wird‘s teuer
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Nicht quadratisch? Dann wird‘s teuer
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12:30 09.12.2013
Nicht quadratisch, nicht praktisch, nicht gut: LN-Reporter Jan Wulf kommen seine „Verpackungskünste“ teuer zu stehen. Quelle: Fotos: Ulf-Kersten Neelsen
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Lübeck

Zugegeben, wirklich liebevoll haben wir unser Päckchen nicht verpackt. Jede Menge braunes Packpapier und das Ganze etwas hilflos mit Klebeband verschnürt. Immerhin ist eine Schleife drum. Der wertvolle Inhalt: Ein Leitz-Ordner, darauf drei alte Bücher gestapelt. Maße: 31 Zentimeter lang, 29 Zentimeter breit, 12 Zentimeter hoch, 3,5 Kilogramm schwer. Soweit alles kein Problem — wenn da nicht diese fiese Stufe wäre, die dem Paket eine ungewöhnliche Form verleiht. Unser Paket ist schlicht nicht quaderförmig.

Das kann den nicht-geübten-Paketverschicker gerade jetzt in der Weihnachtszeit mächtig irritieren, dass er darauf aber zu achten hat. Denn mit Pech bleibt er sonst auf seiner Sendung sitzen. Oder er muss einen hohen Aufpreis zahlen, damit die Lieferdienste sie zu den Liebsten bringt. Laut Vorschrift der Paketdienste reicht nämlich oft eine Ecke zu viel schon aus, um das Paket als Sperrgut zu deklarieren. Wo geht unsere Fracht aber ohne Zuschlag auf die Reise — oder wer nimmt es vielleicht gar nicht mit? Die LN haben den Test gemacht.

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Erste Station: Die Deutsche Post in der Lübecker Ziegelstraße. Ein wenig skeptisch schaut die Dame hinter dem Schalter drein, als wir mit unser Fracht um die Ecke biegen. Erst wird es gewogen, dann vermessen. 6, 90 Euro wäre der normale Preis für das Versenden — wenn es denn quaderförmig wäre. Ist es aber nicht. Macht also einen Aufschlag von 20 Euro. Wir gucken traurig — da zaubert die Dame einen Karton hervor, in den unser Ordner-Buch-Konstrukt gerade so hineinpasst. Der Karton kostet 2,49 Euro, plus 6,90 Versand, macht 9,39 Euro. Das klingt besser.

Aber warum ist das so, dass es beim Paket auf die Form drauf ankommt? „Mit der Maschinenfähigkeit in unseren Postzentren“, fasst Martin Grundler, Sprecher der Post in Schleswig-Holstein, knapp zusammen. „Wenn die Pakete nicht quaderförmig sind, können sie nicht über unsere Anlage mit Kippschalen laufen.“ Außerdem könnten sie umkippen, herunterfallen, oder die Anlage oder andere Pakete beschädigen. „Das ist nicht nur lästig sondern verzögert auch den Betrieb“, so Grundler. Außerdem seien sie nicht stapelbar. So müssen die Pakete, die nicht quaderförmig sind, per Hand sortiert werden. Das dauert länger, ist also teurer.

Zweiter Versuch: Der GLS-Shop bei der Multikonzept GmbH in der Schwertfegerstraße. „Schön haben sie das aber verpackt“, sagt Mitarbeiter Romano Iden. Das erste Lob. Der 22-Jährige zieht ein Maßband aus der Tasche. „5,90 Euro“, sagt er. Wir sind überrascht. Haben wir doch kein Sperrgut zusammengebastelt? „Wir haben immer Spielraum. Das Paket ist noch in Ordnung“, sagt er. Super. Und dann erzählt er, dass viele ihre Geschenke und Pakete gar nicht verpackt zu ihm bringen, sondern auf den Originalkarton einfach einen Adressaufkleber kleben. „Das geht zwar, empfehlenswert ist das aber natürlich nicht. Dann können ja alle sehen, was da verschickt wird. . .“

Nächste Station unseres Tests: Der Kiosk von Thomas Herbst am Hansering ist ein Hermes-Paketshop. Hier kann man verstehen, warum Sperrgut in der Regel extra kostet: Der Lagerraum ist begrenzt, für größere Pakete ist kaum Platz. Da muss man wirklich stapeln können. Was sagt er zu unserer Sendung? „Das müssen wir wohl in diesen Karton packen“, sagt er und holt eine blaue „M-Kartonage“ aus einem Hinterzimmer. Kosten insgesamt: 6,70 Euro für den Versand plus 2,49 Euro für den Karton: 9,19 Euro. Sendungen mit leichen Wölbungen, geringen Abweichungen der Quaderform oder abgerundeten Ecken sind bei Hermes übrigens ausdrücklich kein Sperrgut.

Letzter Versuch: Der DPD-Shop in Harry‘s Bastlerladen in der Hansestraße. So Leid es René Henning auch tut: Er kann unser Paket nicht annehmen. „Das ist die Ansage von DPD — es muss quadratisch sein“, sagt er entschuldigend. Oft hilft er Kunden aber dabei, mit etwas Pappe die geforderten Maße am Ende doch noch zu erreichen. Unser Paket würde mit etwas Geschick somit bei 6,60 Euro landen.

Glück also für den, der sein unförmiges Paket zufällig in einem Bastlerladen abgibt — denn sonst kann es teilweise richtig teuer werden.

Markt wächst
8 Millionen ausgelieferte Pakete — das ist die Marke, die Marktführer DHL (gehört zum Konzern der Deutschen Post) dieses Jahr im deutschen Weihnachtsgeschäft überschreiten wird. Insgesamt macht DHL einen Umsatz von rund 3,5 Milliarden Euro pro Jahr, DPD kommt auf 1,5 Milliarden, Hermes auf 1,0 Milliarden und GLS auf 700 Millionen Euro.

Alle Paketdienste profitieren vom rasanten Wachstum des Online-Handels.

Jan Wulf