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Wirtschaft im Norden Lob für Rückkehr zur Meisterpflicht
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11:30 12.09.2019
Ein Handwerker arbeitet an einem Messestand an Fliesen für ein Bad. Auch für Fliesenleger wird die Meisterpflicht wieder eingeführt. Quelle: Schutt/dpa
Lübeck

In zwölf Berufen wird der Meister ab 2020 wieder Pflicht. Dies werde zu mehr Qualität und zu mehr Nachwuchs führen, so die Hoffnung von SPD- und CDU-Fraktionsvertretern. Maßgeblich sei, ob es sich um Handwerke handele, deren unsachgemäße Ausübung eine Gefahr für Leben und Gesundheit bedeute. Außerdem sollten Gewerke berücksichtigt werden, die immaterielles Kulturgut seien.

Die Berufe

Ab 2020 soll die Meisterpflicht in folgenden Berufen wieder gelten: Fliesen-, Platten- und Mosaikleger, Betonstein- und Terrazzohersteller, Estrichleger, Behälter- und Apparatebauer sowie Parkettleger. Außerdem für: Rollladen- und Sonnenschutztechniker, Drechsler und Holzspielzeugmacher, Böttcher, Glasveredler, Schilder- und Lichtreklamehersteller, Raumausstatter sowie Orgel- und Harmoniumbauer.

„Man kommt auch so klar“

„Ich habe keinen Meister“, sagt Paul Lexow, Inhaber des Markisenhofs Lübeck. Vor neun Jahren gründete er die Firma, die hauptsächlich Markisen und Rollladen baut. Für Lexow beruhigend: Bestehende Firmen genießen Bestandsschutz. „Wenn man seinen Job vernünftig macht, kommt man auch so klar“, ist er überzeugt. „Trotzdem ist das richtig mit dem Meister“, sagt er nach kurzem Nachdenken. „Es gab viele schwarze Schafe.“ Beim Rollladenbau könne viel schiefgehen. Die Statik spiele beim Anbringen der Kästen eine wichtige Rolle.

Wie bei Roland Maczynski, er führt in Kiel die Firma Paschen Orgelbau. „So eine Orgel wiegt mehrere Tonnen“, sagt der Meister. „Und die wird dann an einer Kirchenwand oder anderswo im öffentlichen Raum angebracht, wo viele Menschen verkehren.“ Insofern sei es richtig, eine Prüfung auf hohem Niveau zu fordern. Zudem sei einfach ein breites Wissen erforderlich. „Da kommt viel zusammen.“

„Neugründern fehlt oft Wissen“

„Es gibt bestimmte Dinge, die der eine oder andere Geselle vielleicht auch kann, die aber ein Meister stets sicher beherrscht“, sagt Monika Eberlien, Betriebswirtin im Fliesen-, Platten- und Mosaikverlegebetrieb Günter Eberlien. Die Tätigkeit gehöre zum Bauhauptgewerbe. „Wenn das nicht richtig gemacht wird, kann viel passieren. Da können Menschen zu Schaden kommen.“ Insofern sei die Neuregelung zu befürworten. „Wir freuen uns darüber.“

Ihr Kollege Ulf Roesler, Inhaber der gleichnamigen GmbH, kann da nur zustimmen. „Zum Estrichlegen gehört mehr, als nur Zement und Wasser zusammenzumischen. Dieses Wissen fehlt manchen Neugründern.“ Die Gesetzesreform werde für die Zukunft den Markt bereinigen.

Wichtig für Lehrlingsausbildung

„Ich finde es gut, dass wir auf diese Weise die Ausbildungsqualifikation wieder anheben“, erklärt Alexander Hahlbeck, Inhaber von Raumaustattung Pöppel in Lübeck. „Lehrlinge werden oft nur als billige Arbeitskräfte ausgebeutet, manchmal ist gar kein Meister vor Ort.“

Dieser Aspekt ist auch André Brummer, Inhaber von WL Werbung und Licht Lübeck wichtig. „Dadurch haben wir dann hoffentlich endlich wieder Lehrlinge“, freut er sich. „Nicht nur Seiteneinsteiger." Während früher Neon-Lichtreklame üblich war, die im Hochspannungsbereich betrieben wurde und hohe Kompetenz bei der Installation erforderte, gehe es heute meist nur um den Anbau von LED-Beleuchtung im Niedrigspannungsbereich. „Trotzdem wäre es schön, wenn endlich wieder alle, die damit zu tun haben, wissen, wovon sie sprechen.“

Besserer Verbraucherschutz

Auch die Handwerkskammer Lübeck begrüßt den Gesetzentwurf zur Wiedereinführung der Meisterpflicht. „Wir haben bereits vor 15 Jahren vor Fehlentwicklungen durch die Novellierung der Handwerksordnung gewarnt“, sagt Hauptgeschäftsführer Andreas Katschke. „Weniger Auszubildende, weniger Fachkräfte, weniger Qualität, schneller vom Markt verschwindende Betriebe und infolge dessen ein geringerer Gewährleistungs- und Verbraucherschutz.“ Es bleibe zu hoffen dass das Gesetz nun zügig im Bundestag verabschiedet werde.

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