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Wirtschaft im Norden Pacht unregelmäßig bezahlt? Zweifel an Seriösität des Airport-Investors
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Pacht unregelmäßig bezahlt? Zweifel an Seriösität des Airport-Investors
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17:14 25.06.2015
Lübeck

Recherchen von „Zeit Hamburg“ und „Panorama 3“ ergaben, dass die vom Lübecker Flughafen-Eigner angekündigten Pläne für eine Flugschule sowie für eine medizinische Luftbrücke augenscheinlich auf tönernen Füßen stehen. Der Verband für allgemeine Luftfahrt, der Flugschulen, Fluglehrer und Piloten vertritt, hält Lübeck als Standort für eine Flugschule für völlig ungeeignet. Des Wetters wegen dürften Flugschüler viel zu selten starten.

Auch die Zahl der Flugschüler — 5000 jährlich sollen es nach Angaben des Investors sein — scheint utopisch. Für sie bräuchte man 80 Maschinen. Zum einen reiche die Flugplatz-Kapazität dafür gar nicht aus, zum anderen würden in ganz Deutschland im Schnitt nur 2000 Privatpiloten ausgebildet. Ganz nebenbei: Die Ausbildung für junge Chinesen, mindestens 16 Jahre alt, soll 50000 bis 110000 Euro kosten. In Deutschland kostet der Flugschein üblicherweise rund 20000 Euro.

In ihrer heute erscheinenden Ausgabe berichtet die „Zeit“ über ihre Spurensuche in China. Flughafen-Investor Chen und seine Firma PuRen seien dort ein weitgehend unbeschriebenes Blatt. Von einem „Phantom“ ist die Rede. Einziges in Betrieb befindliches Projekt der Mutterfirma PR Group sei ein lokaler Fernsehsender. PuRens Weibo-Konto, chinesisches Pendant zu Twitter, habe gerade mal 14 Follower. Das Erstaunlichste aber: Die Mutterfirma hieß laut Handelsregister in Hongkong bis 2012 HK HR International Group. Ihr ausgewiesenes Kapital lag damals bei umgerechnet 500000 Euro. Seit die Mutterfirma umfirmiert ist, seien als Kapital umgerechnet 800 Millionen Euro eingetragen, berichtet die „Zeit“.

Sammelt Chen in China mit dem Namen „Airport Lübeck“ Geld ein? Eine „PuRen Fluggesellschaft Nummer 7“ verspricht Anlegern auf chinesischen Internetseiten eine Rendite von zwölf bis 14 Prozent im Jahr. Als Zahlungsgarantie werden laut „Zeit“ die Gebühren der Flugschüler in Lübeck angegeben. Der Flughafen wollte dazu gestern keine Stellungnahme abgeben.

Unklar bleibt, was es mit einer Dienstreise von Lübecks Airport-Geschäftsführer Peter Steppe nach China auf sich hat. Eine Sprecherin des Flughafens wollte keine näheren Angaben machen. Über ungelegte Eier spreche man nicht, hieß es lediglich. Steppe kehrt heute zurück.

Der Lübecker Flughafen in Blankensee hatte seine Passagierzahlen 2014 halbiert — auch wegen des Weggangs von Ryanair (die LN berichteten). Auf die Frage, ob eine Rückkehr nach Lübeck-Blankensee vorstellbar sei, kam gestern eine Antwort, die Raum für Spekulationen lässt. „Wir sind immer an neuen Streckenverbindungen interessiert“, sagte Ryanair-Kommunikationschef Robin Kiely.

Curd Tönnemann