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Wirtschaft im Norden Rostige Atomfässer: Politik verliert die Geduld mit Vattenfall
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Rostige Atomfässer: Politik verliert die Geduld mit Vattenfall
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21:18 25.09.2014
Blick der Spezialkamera in eine der sechs unterirdischen Kavernen am AKW Brunsbüttel. Quelle: Vattenfall
Brunsbüttel

Alles noch viel schlimmer als befürchtet: Im stillgelegten Atomkraftwerk Brunsbüttel sind mittlerweile 55 Atommüllfässer als stark beschädigt aufgefallen. Und es dürften noch weit mehr werden, denn bislang sind erst 251 von insgesamt 631 Fässern untersucht. Die Politik fordert jetzt umgehende Konsequenzen.

„Das Ausmaß übertrifft unsere Befürchtungen“, sagte gestern Energiewendeminister Robert Habeck (Grüne). Viele der Fässer, die schwach- bis mittelradioaktiven Müll enthalten, seien so zerstört, dass „die Übergänge zwischen den einzelnen Fässern gar nicht mehr erkennbar sind“. Am Boden der jetzt untersuchten Kaverne I hat sich offenbar eine giftige radioaktive Brühe abgesetzt.

Für Habeck ist jetzt höchste Eile geboten. Zwar bestehe weiterhin weder für die Bevölkerung noch für Mitarbeiter eine Gefahr, die Kavernen seien dicht. „Der Zustand der Fässer darf sich nicht immer weiter verschlechtern. Vattenfall muss deshalb möglichst früh nach Abschluss der Kaverneninspektion mit der Bergung beginnen“, sagte er. Dafür müsse das Bergungskonzept von Vattenfall aber ausgeweitet werden. Ein einfaches Greifwerkzeug reiche jedenfalls nicht mehr aus, um die maroden Fässer inklusive strahlendem Schlamm aus den Kavernen zu befördern.

Die Untersuchung von Kaverne I soll voraussichtlich bis Oktober dauern. Anschließend werden die Kavernen III und VI mit der Spezialkamera untersucht. Welche bösen Überraschungen die noch bereithalten, ist gegenwärtig noch völlig unklar. „Wir rechnen auch hier damit, weitere Fässer mit starken Schäden zu finden“, sagte Habeck.

Vattenfall gab sich gestern betont gelassen: die Untersuchungen lägen im Zeitplan, sagte Geschäftsführer Pieter Wasmuth. Die aktuellen Ergebnisse würden in die Weiterentwicklung des Bergungskonzepts einfließen. Nach Angaben einer Sprecherin werde dies in Zusammenarbeit mit der Atomaufsichtsbehörde abgestimmt und soll noch 2014 vorgestellt werden.

Die Landespolitik verliert inzwischen die Geduld. „Das Ganze entwickelt sich zu einem permanenten Alptraum“, sagt Angelika Beer, energiepolitische Sprecherin der Piraten. Sie habe inzwischen große Zweifel an Vattenfall. Es müssten jetzt unabhängige Experten hinzugezogen werden, um das Problem zu lösen, fordert Beer. Auch Olaf Schulze (SPD) erwartet, dass Vattenfall nun endlich eine Lösung für eine Bergung der Rostfässer vorlege. Die CDU fordert ebenfalls ein schnelles Handeln. „Alle Fässer, die mit dem bisherigen Bergungskonzept aus den Kavernen geholt werden könnten, sollten so schnell als möglich geborgen werden“, so Jens Magnussen. Es habe keinen Sinn, Konzepte nur zu erweitern, wenn das Endergebnis der gesamten Kaverneninspektion noch gar nicht absehbar sei.

Atomaufsicht wurde nicht informiert
Im März 2012 erfuhr die Öffentlichkeit erstmals von rostigen Atommüllfässern in den Kavernen des AKW Brunsbüttel. Im Dezember 2011 war ein Fass beim Umfüllen in einen Spezialbehälter zerbrochen. Die Atomaufsicht wurde über diesen Zwischenfall zunächst nicht informiert. Erst ein Tüv-Prüfer wurde später darauf aufmerksam. Die sechs Kavernen, in denen die Fässer lagern, sind acht Meter tiefe Betonbunker. Sie sind aber nur als Zwischenlager für radioaktiven Abfall gedacht.

Oliver Vogt

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