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Wirtschaft im Norden Gas und Strom werden teurer
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Gas und Strom werden teurer
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19:31 23.11.2018
Die Gaspreise steigen, bei den schleswig-holsteinischen Versorgern sogar über Bundesschnitt. Die nächste Heizperiode wird teuer, falls es keinen milden Winter gibt. Quelle: dpa
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Lübeck

Das kann ein teurer Winter werden. Bundesweit haben 244 Gasversorger ihren Preis erhöht oder dies spätestens zum Jahreswechsel angekündigt. Rund 1,8 Millionen Haushalte müssen tiefer in die Tasche greifen. Im Schnitt liegen die Erhöhungen bei 8,4 Prozent. Schleswig-Holsteiner sind nach Angaben des Internet-Portals Check24 mit einem Plus von knapp zehn Prozent überproportional gebeutelt. Gleichzeitig ziehen die Strompreise auf breiter Front an, im Norden um 7,3 Prozent. Für einen Durchschnittshaushalt bedeutet das insgesamt Mehrausgaben von rund 240 Euro im Jahr.

Durchschnittshaushalt zahlt 240 Euro mehr

„Wir erleben einen massiven Preissprung bei den Großhandelspreisen, der eine Preisanpassung unumgänglich macht“, rechtfertigt Lars Hertrampf die Erhöhungen der Stadtwerke Lübeck um etwa sechs Prozent bei Gas und vier bis fünf Prozent beim Strom. Kunden tröstet er mit dem Hinweis, dass die Stadtwerke den Preis für Erdgas 2016 zweimal gesenkt und danach stabil gehalten hätten. Bei den Vereinigten Stadtwerken (Ratzeburg/Bad Oldesloe) verteuert sich Gas um fünf Prozent, Strom um 3,4 Prozent.

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Experten sehen neben höheren Beschaffungskosten für Gas noch andere Gründe für das Preishoch. Einfluss hatte wohl auch der Ölpreisanstieg im Laufe des Jahres, auch wenn es eine unmittelbare Kopplung der Preise nicht mehr gibt. „Öl spielt immer eine Rolle und ist ein Trendsetter für die Energiemärkte“, sagt Rainer Wiek vom Energieinformationsdienst (EID) in Hamburg. Auch die Trockenheit im Sommer könnte zum Preisanstieg beigetragen haben, weil nicht mehr so viel Kohle über die Flüsse transportiert werden konnte, deshalb mehr Energie aus Gas gewonnen wurde. Das habe die Nachfrage angeheizt. Schließlich habe Russland verstärkt den asiatischen Markt beliefert, was Gas in Europa knapper werden ließ.

Besonders drastisch fallen die Gaspreiserhöhungen im Norden bei den Stadtwerken in Niebüll und Schleswig aus. Dort haben die Verbraucherportale Verivox und Check24 für den Grundversorgertarif Preissprünge zwischen 14,5 und 17,8 Prozent errechnet. Auch die Sylter trifft es hart.

Ostholstein kommt gut davon

Besser davon kommen viele Ostholsteiner. Der Zweckverband Ostholstein (ZVO) werde seine Gaspreise bis Februar nicht erhöhen, kündigt Karlheinz Berns, Leiter des Energiehandels, an. Ob das für die Monate danach haltbar sei, vermag er nicht einzuschätzen. „Wir rechnen mit spitzem Bleistift.“ Eine vermeintlich gute Nachricht auch für Eon-Kunden im Norden: „An unseren Preisen ändert sich nichts“, sagt Unternehmenssprecher Michael Krautzberger. Mit dem Zusatz: „Eine verlässliche Prognose ist derzeit noch nicht möglich.“ Im Bundesvergleich verzeichnen Rheinland-Pfalz, Brandenburg und Niedersachsen die höchsten Gaspreissteigerungen, stabil seien die Tarife dagegen in den Stadtstaaten, teilt Verivox mit.

Die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein weist darauf hin, dass Kunden bei Gas- und Strompreiserhöhungen ein Sonderkündigungsrecht zusteht. Um dies wahrnehmen zu können, müsse der Verbraucher über Kündigungsrecht und Preiserhöhung „in transparenter Weise“ sechs Wochen vor deren Wirksamkeit informiert werden. „Fehlt es daran, kann der Kunde noch nach Eintritt der Preiserhöhung kündigen“, sagt Verbraucherschützerin Joanna Batista. „Auch kann es sich lohnen, Preise zu vergleichen und gegebenenfalls den Versorger zu wechseln.“

Curd Tönnemann

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