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Wirtschaft im Norden Der Norden ist Hochburg der Schreckschusswaffen
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17:45 03.09.2019
Ein Kleiner Waffenschein liegt zwischen einer Schreckschuss-Pistole „Walther P22“, einem Magazin und einer Knallpatrone. Quelle: Oliver Killig/dpa
Lübeck/Kiel

Laut Innenministerium sind in Schleswig-Holstein mehr als 27 500 Inhaber des Kleine Waffenscheins registriert. Dieser berechtigt zum Führen von Gas- und Schreckschusswaffen auch außerhalb der Wohnung. Auf 1000 Einwohner kommen damit 9,6 Scheine, der Jahreszuwachs im Land liegt bei 15 Prozent. Beides sind Rekordwerte in Deutschland. Insgesamt haben rund 640 000 Deutsche und damit knapp 30 000 mehr als Anfang des Jahres einen Kleinen Waffenschein.

195 000 Waffen im Norden

Im Norden gab es Ende Juli fast 195 000 Waffen und Waffenteile in Privatbesitz. Deutschlandweit sind 5,4 Millionen Waffen verschiedener Kategorien registriert. Das sind rund 66 Waffen je 1000 Einwohner. In Lübeck besitzen 1948 Personen einen Kleinen Waffenschein, im Kreis Stormarn 2141, im Kreis Herzogtum Lauenburg 1875, im Kreis Segeberg 2873 – vom Kreis Ostholstein war die Zahl auf Nachfrage nicht zu erfahren.

„Eine Erklärung, warum der Kleine Waffenschein in Schleswig-Holstein relativ am häufigsten verbreitet ist, haben wir nicht“, erklärte Dirk Hundertmark, Sprecher des Kieler Innenministeriums. Laut Waffengesetz kann jeder, sofern er die waffenrechtlichen Voraussetzungen erfüllt, einen solchen Kleinen Waffenschein beantragen. Um den Schein zu bekommen, muss man volljährig sein sowie persönlich geeignet und zuverlässig erscheinen. „Ein Bedürfnis – und damit auch eine Begründung – muss nicht angegeben werden.“

„Bedenklicher Trend“

Waffen-Experten und Polizisten halten den Trend zur Selbstbewaffnung für bedenklich. „Immer mehr Menschen scheinen zu glauben, sich mit solchen Waffen Sicherheit zu erkaufen“, sagt Thorsten Jäger, Landesvorsitzender der Polizeigewerkschaft GdP. Auch er forscht nach Ursachen: „Viele Menschen haben ein Grundvertrauen in den Staat verloren.“

Dass dieser ausreichend für die Sicherheit sorgen könne, werde bezweifelt. Die Tatsache, dass die Polizei in Schleswig-Holstein sich durch Schließung von Dienststellen aus der Fläche zurückgezogen habe, verstärke das Unsicherheitsgefühl.

Waffen können Konfliktsituationen verschärfen

Die Polizei besteht dennoch auf dem staatlichen Gewaltmonopol. „Wir sprechen uns als Landespolizei klar gegen eine Bewaffnung der Bürgerinnen und Bürger aus“, teilt der Kieler Sprecher Dennis Schneider mit. In den vergangenen Jahren seien Polizeibeamte bei Routineeinsätzen immer häufiger mit solchen Waffen konfrontiert worden, die einfach über das Internet zu erwerben seien. „Dies führt zu vermeidbaren Folgegefahren für die Betroffenen und natürlich die PolizeibeamtInnen selbst.“

Vermeintliche Notwehrsituationen könnten von den Beteiligten falsch eingeschätzt werden, oft könne das Zeigen einer Waffe noch zusätzlich provozieren. „Bei Wegnahme könnte die Waffe gegen den Besitzer eingesetzt werden“, gibt Schneider zu bedenken.

Selbstbewusster mit Waffe?

Oliver Huber von der German Rifle Association, deren Newsletter bundesweit rund 20 000 Abonnenten beziehen, will das so nicht gelten lassen. Wer eine Schreckschusswaffe bei sich trage, trete selbstbewusster auf. „Schon ein selbstbewusster Gang kann den Täter von der Tat abhalten.“ Zudem verschaffe das Verschießen einer Platzpatrone dem Opfer ein oder zwei Sekunden Zeit, um zu fliehen. Dennoch sehe auch er die Nutzung dieser Waffen zwiespältig, räumt Huber ein. „Man muss sie auch handhaben können, sonst nützen sie im Zweifel nichts.“ Es sei sinnvoll, eine Waffenkundeprüfung zu verlangen, bevor eine Trageerlaubnis erteilt werde.

Aus Sicht des Kieler Innenministeriums wäre es wünschenswert, wenn die zuständige Behörde zumindest das persönliche Erscheinen des Antragstellers anordnen könnte. „Dann wäre eine zusätzliche Beratung der Antragsteller möglich“, heißt es in einer Stellungnahme. „Dies in das Waffengesetz aufzunehmen, wäre sinnvoll.“

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