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Wirtschaft im Norden Schleswig-Holstein setzt auf stärkere Werbung im Ausland
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21:10 18.06.2018
Schleswig-Holsteins Tourismusbranche verzeichnet Buchungs-Rekorde. Quelle: dpa
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Kiel

Um 30 Prozent wollte man die Übernachtungszahlen im Land von 2015 bis 2025 nach oben treiben. Dieses Ziel ist jetzt schon nahezu erreicht. Allein in den ersten drei Monaten 2018 wurden in Pensionen und Hotels ab zehn Betten zusammen 4,1 Millionen Übernachtungen gebucht. Bis Ende des Jahres soll erstmals die Marke von 30 Millionen Übernachtungen pro Jahr überschritten werden. Dazu sind die Gäste im Norden mit ihren Quartieren laut Umfragen überdurchschnittlich zufrieden.

Während all diese Steigerungen hauptsächlich den „Hot Spots“ an den Küsten zu verdanken seien, setzt FDP-Wirtschafts- und Tourismusminister Bernd Buchholz darauf, dass jetzt auch Beherbergungsbetriebe im Binnenland nachziehen. Da sehe längst nicht alles so aus, wie man sich das wünschen würde. Aber auch ganz generell riet er den Betrieben, sich gerade jetzt in der Hoch-Phase nicht auf den Lorbeeren auszuruhen, sondern die Gewinne zu investieren – in immer bessere Angebote und Qualität.

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Die Tourismusagentur des Landes TASH selber bekomme 500000 Euro mehr, insgesamt drei Millionen Euro, werde zum Beispiel die Erreichbarkeit und Vernetzung von Angeboten im Internet verbessern. Das sei heute Standard, sagt Buchholz. Wer im Strandkorb die Regenwolke kommen sehe, wolle sofort per Handy eine Massage im Hotel buchen, einen Platz im Restaurant reservieren oder sich nach anderen Freizeitmöglichkeiten umsehen können. Buchholz mahnte erneut auch eine schnellere Versorgung mit Mobilfunkantennen an.

Das Handy müsse dazu am Strand oder am Urlaubsort im Binnenland schließlich auch ständig Empfang haben. Weitere Schwerpunkte müssten die Barrierefreiheit für Behinderte und immer mehr ältere Gäste sein und die Stärkung des Radtourismus’. Dafür brauche es nicht nur Radwege, sondern auch gut erreichbare Sehenswürdigkeiten und Kulturangebote, um Touren attraktiv zu machen.

TASH-Chefin Bettina Bunge setzt bei der Stärkung des Kongress-Geschäfts auf das neue „Convention-Büro“ der Tourismusagentur. Dort sei ein Mitarbeiter zentraler Ansprechpartner für Firmen, Verbände und Institutionen, die Kongresse und Tagungen ausrichten lassen wollen, und könne geeignete Örtlichkeiten vorschlagen. Dass ein privater Investor auf dem Waterfront-Gelände auf dem Priwall in Lübeck-Travemünde auch ein Tagungscenter bauen lässt, sei ein richtiger Schritt, um so eine Anlage auch außerhalb der Hauptsaison auszulasten, sagt Buchholz.

Das Auslandsgeschäft sei in jedem Fall noch ausbaubar, urteilt Bettina Bunge. Schleswig-Holstein liege mit einem Anteil von gerade mal 6,5 Prozent Gästen aus dem Ausland im Ranking der 16 Bundesländer nur auf Platz 14. Bislang liegen mit 700000 Gästen Touristen aus Dänemark vorn, gefolgt von Gästen aus Schweden und der Schweiz. In der Schweiz etwa habe man mit der Werbekampagne „Urlaub von den Bergen“ viele neue Kunden gewonnen. An diese Erfolge wolle man auch anderswo anknüpfen, sagt die TASH-Chefin.

Spargelsaison geht zu Ende

Zu Johanni am 24. Juni geht die Spargelsaison zu Ende. Nach Angaben der Landwirtschaftskammer geben die etwa 50 Spargelbauern im Land diesmal die Note befriedigend. Erst war es zu kalt, dann zu warm. Die Spargelsaison begann relativ spät, erst Mitte bis Ende April. Dann sorgten rekordverdächtige Sonnenscheinstunden im Mai für gute Erträge. Durch die vielen Feiertage und den dadurch erhöhten Absatz konnten gute Umsätze gemacht werden. Spargel aus Schleswig-Holstein wird zu 90 Prozent direkt vermarktet. Im Schnitt lagen die Kilopreise in der Saison zwischen acht und zehn Euro.

 FOTO: DPA

Tourismus und Minister

Obwohl der Tourismus in Schleswig- Holstein schon immer ein bedeutender Wirtschaftsfaktor war, spielte er in der Politik lange Zeit keine große Rolle. Ab 2012 versuchte SPD-Wirtschafts- und Verkehrsminister Reinhard Meyer, zugleich Präsident des deutschen Tourismusverbandes, diesen Teil der Arbeit seines Hauses wahrnehmbarer zu machen. Die Jamaika-Koalition schließlich verlieh dem Haus im Juni 2017 auch offiziell den Titel „Ministerium für Tourismus“. Der FDP-Politiker Bernd Buchholz wurde somit nicht nur mit dem Wirtschafts- und Verkehrsressort betraut, sondern zugleich Schleswig- Holsteins erster „Tourismusminister“.

 Wolfram Hammer

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