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Wirtschaft im Norden Versprochen: Weniger Plastik im Supermarkt
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19:06 27.02.2019
„Ab jetzt ins Netz!“ steht an einer Frisch-Obsttheke, an der auch Mehrwegnetze angeboten werden. Bundesumweltministerin Schulze will den Handel zu umweltfreundlicheren Verpackungen bringen. Quelle: dpa
Berlin/Lübeck

Gurken in Plastik, in Folie eingeschweißte Apfelsinen und Bananen, dünne Tüten für Äpfel, Wurst und Käse in Verpackungen vorportioniert – das soll sich ändern. „Wir wollen Plastik bei Obst und Gemüse möglichst vermeiden“, sagte Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) am Mittwoch nach einem „runden Tisch“ mit Vertretern von Handel und Herstellern, Umwelt- und Verbraucherverbänden.

Einzelhandel hat großen Einfluss

Deutschland habe als Industrienation auch eine Vorbildfunktion, was Konsumgewohnheiten angeht. Im November hatte Schulze einen Fünf-Punkte-Plan für weniger Plastik und mehr Recycling vorgelegt, und der Einzelhandel habe einen großen Einfluss auf die Hersteller und die Verpackungsgestaltung.

Bis Herbst solle es konkrete Vereinbarungen geben, sagte Schulze am Mittwoch in Berlin. „Wir wollen alle gemeinsam, dass Plastikmüll reduziert wird.“ Sie will zunächst auf freiwillige Maßnahmen von Handelsketten und Herstellern setzen. Damit komme man schneller voran als mit Verboten. Vorbild sei die Selbstverpflichtung von Unternehmen, Plastiktüten nicht mehr umsonst abzugeben. Dies habe gewirkt, sagte die SPD-Politikerin.

Viele führen Mehrwegnetze ein

Der Handel sagte Unterstützung zu. Im Obst- und Gemüsebereich werde die Zahl der leichten Einweg-Kunststofftüten in diesem Jahr reduziert, sagte der Geschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE), Kai Falk. Das Angebot von unverpacktem Obst und Gemüse werde ausgebaut, viele Händler führten Mehrwegnetze ein. Pünktlich zum „runden Tisch“ kündigte Kaufland an, von Anfang März an Salatgurken ohne Folie zu verkaufen. Und bei Bananen ersetze eine Banderole die Plastikverpackung – andere großen Ketten sind ähnlich unterwegs.

Rewe mit Leitlinien

„In den Rewe-Märkten bieten wir in der Obst- und Gemüseabteilung als Alternative zu den Plastik-Knotenbeuteln die Rewe-Mehrwegfrischenetze und zum Teil Papiertüten an“, sagte Sabine Teichert, Sprecherin von Supermärkte Nord Vertriebs GmbH, die in Schleswig-Holstein 70 Rewe und 40 Sky- und Plaza-Märkte betreibt. Die Rewe Group hat sich das Ziel gesetzt, dass alle Verpackungen bis Ende 2030 umweltfreundlicher gestaltet werden. Bisher wurden über 1000 Verpackungen umweltfreundlicher gestaltet und über 7000 Tonnen Kunststoff pro Jahr bei Rewe und Penny eingespart. Allein durch den Verzicht auf Kunststoffverpackungen für Salatgurken spare man in diesem Jahr 80 000 Kilogramm Plastik ein. Bananen würden seit Ende 2017 ohne Plastikhülle angeboten. Knollensellerie, Porree, Blumen- und Weißkohl, Fenchel und Zucchini von Rewe Bio trügen nur noch Klebeetiketten oder Klebebanderolen.

Test von Behältern für Käse und Fleisch

Auch Mehrwegbehälter an den Frischetheken für Käse und Fleisch werden getestet – bei Rewe und auch in anderen Supermarktketten. Ziel von Ministerin Schulze ist es auch, die Verbraucher besser zu informieren. Es gebe noch eine „große Unsicherheit“, was es mit Plastikmüll auf sich habe, was sich wie recyceln lasse. Daneben gibt es Maßnahmen aus Schulzes Fünf-Punkte-Konzept, die bereits beschlossen sind. Etwa das neue Verpackungsgesetz, das seit Januar 2019 gilt. Es regelt zum Beispiel, dass künftig „Mehrweg“ und „Einweg“ an Getränkeregalen im Supermarkt stehen muss. Bekannt ist auch, dass die EU bis 2021 dabei ist, überflüssiges Einweg-Plastik wie Strohhalme und Wegwerf-Teller zu verbieten.

Zustimmung aus Kiel

Lob kommt von Schleswig-Holsteins Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne). „Die Plastikvermüllung, besonders die unserer Gewässer und Meere, muss dringend ein Ende haben. Es ist daher gut, dass sich die Bundesumweltministerin dafür einsetzt, dass im Handel weniger Müll anfällt“, sagt er. Ob freiwillige Vereinbarungen allerdings ausreichen, bleibe abzuwarten. Albrecht: „Ziel muss es sein, insgesamt viel schonender mit unseren Ressourcen umzugehen und schlichtweg weniger Müll zu produzieren. Dazu gehört auch ein Ausstieg aus der Nutzung von Mikroplastik.“ Die Jamaika-Koalition werde sich für ein europäisches Verbot von Mikroplastik in bestimmten Bereichen einsetzen. „Zudem hat sich der Bundesrat im vergangenen September auf Initiative von Schleswig-Holstein für ein Ende des Schredderns von verpackten Lebensmittelabfällen ausgesprochen.“

Vorgaben anpassen

Industrie und Handel wollen beim Ziel weniger Verpackungsmüll mitmachen – es gibt allerdings auch ein Aber. Der Lebensmittelhandel stoße bei der Einsparung von Kunststoffverpackungen an Grenzen, so der Handelsverband. „Die Vermeidung von Lebensmittelabfällen hat höchste Priorität, dafür sind Verpackungen oft unverzichtbar.“ Der Einsatz von recyceltem Material bei Lebensmittelverpackungen werde durch hygienerechtliche Vorgaben behindert. „Hier muss die Politik die Vorgaben anpassen.“ Neue gesetzliche Regelungen für mehr Recycling halte der HDE für überflüssig.

Augenmaß gefordert

Die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie teilte mit, Verpackungen seien bislang in der Branche vor allem unter Produktschutz- und Kostengesichtspunkten betrachtet worden. Hier wolle der Verband aktiv werden und verstärkt für die Vorteile einer „ökologischen Weiterentwicklung“ von Verpackungen werben. Generell sei in der gesamten Debatte „Augenmaß“ gefordert, dies sei bisher nicht immer der Fall. So bleibe bei vorgesehenen Produktverboten und -vorgaben bei Getränkeverpackungen unberücksichtigt, dass es funktionierende Rücknahmesysteme gebe – über die der ganz überwiegende Anteil der Einweggebinde-Getränkeverpackungen gesammelt und verwertet werde.

Dass so viele Verpackungen produziert und weggeworfen werden, ist in Deutschland vor allem ein Problem der Rohstoffverschwendung und des Energieverbrauchs – in der Natur oder im Meer landet deutscher Müll nur selten.

cri

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