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Wirtschaft im Norden Sparkasse zu Lübeck ab sofort krawattenfrei
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19:30 29.03.2019
Sie verzichten fortan auf Krawatten: Oliver Saggau, Frank Schumacher und Oke Heuer (v.l.), Vorstände der Sparkasse zu Lübeck.   Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

„Ab jetzt heißt unser Dresscode ,Smart Business Style’“, sage Frank Schumacher, „wir glauben, dass diese Uniform jetzt der Vergangenheit angehören sollte.“ Dann lockert der Chef der Sparkasse zu Lübeck seine Krawatte, seine beiden Vorstandskollegen Oliver Saggau und Oke Heuer tun es ihm gleich – und Sekunden später liegen die Schlipse auf dem Tisch. „Wir stellen fest, wir sind als Mensch genauso geblieben“, sagt Schumacher und lacht.

Idee kommt in der Belegschaft gut an

Die Idee stoße bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf große Zustimmung. „Sie freuen sich richtig darauf“, sagt Oliver Saggau. Frauen dürfen in Zukunft auch in Jeans und Blazer oder Bluse kommen, Männer müssen nicht mehr Anzug tragen, sondern können auch Jeans oder Chinos wählen. Nur das Sakko, das ist weiterhin vorgeschrieben. Die Distanz zwischen Beratern und Kunden solle so verringert werden. Die Kleidung soll „deutlich lockerer, aber immer noch wertig“ sein, sagt Schumacher, „ich glaube, das wird auch bei den Kunden gut ankommen“. Die Hamburger Sparkasse (Haspa) praktiziert das schon seit zwei Jahren so, vor kurzem hat auch die Frankfurter Sparkasse den Dresscode gelockert, was in der Presse der Bankenmetropole sogar als „Kulturrevolution“ bezeichnet wurde. In Lübeck sei man aber das erste Kreditinstitut, das diesen Schritt geht.

2018 war „herausfordernd"

So locker wie der neue Dresscode war das vergangene Geschäftsjahr für die Sparkasse nicht. „Es war ein herausforderndes Jahr“, sagt Schumacher, dennoch stehe man auf einem „soliden Fundament“. Deutlich wie nie zuvor kritisierte er die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), die zu Negativzinsen führe und für die Sparkasse „zunehmend belastend“ sei. Eine Zinswende sei „auf den St. Nimmerleinstag verschoben“, Sparer und Inhaber von Lebensversicherungen würden auf diese Weise seit Jahren „kalt enteignet“. Dennoch stehe die Sparkasse auf einem soliden Fundament.

Hohe bürokratische Hürden

Neben Niedrigzinsen machte auch die zunehmende Regulierung des Bankensektors der Sparkasse zu schaffen.Das ehrenwerte Ziel des Verbraucherschutzes werde mit einem hohen und auch von den Kunden oft ungewollten bürokratischen Aufwand verfolgt, sagt Vorstand Oke Heuer. „Das vorgeschriebene Mithören von Telefonberatungen empfänden viele als Überwachung. Von vielen Kunden wird das nicht als Mehrwert empfunden.“ Auch die Kapitalmärkte hätten sich sehr negativ entwickelt, erklärt Heuer. Dennoch habe man das Geschäftsjahr „insgesamt befriedigend“ abgeschlossen. Der Jahresüberschuss liege bei acht Millionen Euro, eine Million unter dem Vorjahresergebnis. Drei Millionen davon erhält die gemeinnützige Sparkassenstiftung. Das Ergebnis gebe ausreichend Spielraum, um weiter zu wachsen.

Appell: Mehr Wertpapiere kaufen

Die Bilanzsumme wuchs von 2,747 Milliarden Euro (2017) auf 2,855 Milliarden Euro. Dieses Wachstum speise sich stark aus dem Kreditgeschäft, das auf 2,120 Milliarden wuchs, vor allem durch die Kreditvergabe an Selbstständige und Unternehmen. Die Summe der Kundeneinlagen erhöhte sich um 4,3 Prozent auf 1,970 Milliarden Euro. Die Sparkasse appelliert allerdings an ihre Kunden, verstärkt in Wertpapiere zu investieren, um positive Renditen erzielen zu können, sagt Saggau. In der Immobilienvermittlung sei die Sparkasse zu Lübeck weiterhin Marktführer in der Region, man habe für über 50 Millionen Euro Immobilien vermittelt.

Verträge digital unterschreiben

In Sachen Digitalisierung komme die Sparkasse voran. Das Dialogcenter in der Ratzeburger Allee, wo Kunden sich telefonisch oder online melden können, werde gut angenommen. Es sei 2018 mehr als 140 000 Mal genutzt worden. Ab kommenden Montag können Verträge auch digital auf einem Pin-Pad unterschrieben werden. Auch die Echtzeit-Überweisung und Bezahlen per Android-Smartphone werde ausgebaut, erklärte Heuer.

Weiter Präsenz vor Ort

Trotz fortschreitender Digitalisierung baue man weiter auf die Präsenz in Geschäftsstellen vor Ort. Am Sonnabend werde eine neue Geschäftsstelle im Lübecker Hochschulstadtteil eröffnet. Dort berate man Kunden wochentags bis 21 Uhr und sonnabends von 11 bis 16 Uhr. Die Zahl der Geschäftsstellen mit Personen bleibe bei zwölf, außerdem gebe es zwölf SB-Stellen in Lübeck. Die Zahl der Mitarbeiter ist mit 480 auf Vorjahresniveau geblieben.

Eine mögliche Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank könne für die Sparkasse eine Chance sein, neue Kunden zu gewinnen, sagt Schumacher, gerade unter mittelständischen Unternehmern, die mehrere Bankverbindungen haben. „Wenn eine Bank wegfällt, wird sich das auswirken", ist Schumacher überzeugt.

Christian Risch

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