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Wirtschaft im Norden Grünes Licht für Verhandlungen bei Dräger
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19:00 12.09.2019
Blick in eine Produktionshalle der „Zukunftsfabrik“ der Drägerwerk AG: Das Unternehmen strebt einen „gezielten Personalabbau“ an. Quelle: dpa
Lübeck

Wie soll die Gewerkschaft auf den angekündigten Stellenabbau und Gehaltsverzicht bei Dräger reagieren? Am Donnerstag um 14.30 Uhr traten die IG-Metall-Mitglieder im Unternehmen zusammen, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Ende August hatte Konzernchef Stefan Dräger Maßnahmen angekündigt, um die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens zu sichern. Dem Vernehmen nach soll damit ein niedriger dreistelliger Millionenbetrag eingespart werden.

Votum fast einstimmig

Die anwesenden etwa 530 IG-Metall-Mitglieder bei Dräger hätten sich fast einstimmig für die Aufnahme von Verhandlungen ausgesprochen, sagte Daniel Friedrich, Geschäftsführer der IG Metall Lübeck-Wismar, im Anschluss an die Versammlung. Es habe aber auch große Kritik am Vorgehen des Vorstandes gegeben. „Für uns ist es wichtig, dass wir sichere Arbeitsplätze haben“, sagte Friedrich. Wenn die Beschäftigten einen Beitrag leisten, dann müsse der so gering wie möglich ausfallen und sozial gestaltet werden. „Und wir sehen das nicht als Verzicht an, sondern als Unterstützung, die wir auch wieder zurückbekommen möchten.“ Wichtig sei auch, dass die Auszubildenden eine Übernahmeperspektive haben.

Freitag Auftakt der Gespräche

„Wenn das Unternehmen ein sozialverträgliches Paket schnüren will, dann sind wir bereit dazu“, sagte Friedrich. Bereits am Freitagvormittag beginnen die Verhandlungen, in die die IG Metall mit einer zehnköpfigen Delegation geht. Am kommenden Mittwoch, 18. September, soll nach der Betriebsversammlung bei Dräger nachmittags die zweite Verhandlungsrunde folgen. Es gehe um einen Personalabbau über Restrukturierungen im Umfang von etwa 150 Stellen in Lübeck, darüber hinaus um den Verzicht auf Tariferhöhungen in den kommenden drei Jahren. Auch ein Zusatzgeld in Höhe von 40 Prozent eines Monatsgehaltes, das in der letzten Tarifrunde ausgehandelt worden war, soll offenbar vorerst nicht mehr gezahlt werden.

„Auswirkungen so gering wie möglich“

„Wir freuen uns darüber, dass die IG-Metall-Mitglieder diese Entscheidung gefällt haben und sind zuversichtlich, dass die Gespräche jetzt konstruktiv geführt werden“, sagte Dräger-Sprecherin Melanie Kamann in einer ersten Reaktion. Die finanzielle Größenordnung der angestrebten Einsparungen sei noch nicht klar. „Wir werden versuchen, die Auswirkungen so gering wie möglich zu halten“, sagte Kamann.

Resolution der Delegierten

Bereits zuvor hatte die Delegiertenversammlung der IG Metall Lübeck-Wismar eine Resolution verabschiedet. „Mit Unverständnis haben wir, die Delegierten der IG Metall aus den Metall- und Elektroindustrie Betrieben in Lübeck und Wismar, die Forderungen des Dräger-Vorstandes zur Kenntnis genommen. Wir sind der Meinung, dass Entlassungen und Einkommensverzicht der falsche Weg sind, um Dräger aus der Krise zu führen“, heißt es darin. Eine zukunftsorientierte Veränderung werde nur mit allen Beschäftigten und nicht gegen sie gelingen.

„Rezepte aus der Mottenkiste“

„Der jetzige Angriff auf die Existenz und finanzielle Situation von Beschäftigten ist der falsche Weg. Vorstand und Management müssen begreifen, alte Rezepte aus der Mottenkiste von Unternehmenshandbüchern sind in der heutigen Zeit, wo der Mensch das höchste Gut eines erfolgreichen Unternehmens ist, völlig fehl am Platz. Es muss gelingen, den Umbruch gemeinsam mit allen Beschäftigten und ohne Einschnitte zu meistern“, steht weiter in der Resolution. „Wir fordern den Vorstand von Dräger auf, seine Forderungen zurückzunehmen und gemeinsam mit der IG Metall, dem Betriebsrat und der Belegschaft eine Veränderung ohne Entlassungen und Verzicht umzusetzen. Wir erklären uns solidarisch mit den Beschäftigten und ihren Familien im Kampf um ihre Arbeitsplätze, ihr Einkommen und ihre Zukunft!“

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