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Wirtschaft im Norden Stöcker will Jobs in Görlitz retten
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20:36 26.04.2018
Winfried Stöcker hat das Unternehmen Euroimmun 1987 in Lübeck gegründet. Quelle: Foto: Ulf-Kersten Neelsen
Görlitz/Lübeck

Innerhalb der nächsten fünf Jahre könne er sich vorstellen, Gelände, Hallen und Mitarbeiter komplett von Siemens zu übernehmen, erklärte der Euroimmun-Firmenchef, der aus Rennersdorf in der Oberlausitz stammt. Stöcker ist mit Euroimmun bereits in der Region vertreten: Am Görlitzer Standort sollen wie in den Produktionsstätten in Bernstadt und Rennersdorf vollautomatische Analysegeräte für die medizinische Labordiagnostik und Mikroskopie-Automaten hergestellt werden. In den Betrieben sind insgesamt 150 Menschen tätig. „Derzeit beschäftigt Euroimmun weltweit knapp 3000 Mitarbeiter, in fünf Jahren rechne ich mit doppelt so vielen Angestellten“, sagte Stöcker dem MDR. Aufgrund des Wachstums steige die Ingenieur- und Fertigungskapazität.

Bereits Anfang Dezember 2017 hatte Stöcker, der Mitte 2016 als Investor den Lübecker Flughafen gekauft hatte, der Leipziger Volkszeitung von den Plänen für Görlitz berichtet. Nun habe er Siemens ein entsprechendes Angebot vorgelegt. Am Freitag sei er dafür in Görlitz vor Ort gewesen und habe mit der Werksleitung gesprochen. Sollten sich diese Pläne zerschlagen, würde er in der Oberlausitz nach einem anderen Standort suchen, an dem die Firma expandieren könne.

Ein Sprecher des Siemens-Konzerns ließ wissen, dass das Unternehmen sich an den Übernahme-Spekulationen durch Euroimmun nicht beteiligen werde. Hintergrund des Interesses des Medizintechnik-Spezialisten sind die Schließungspläne des Elektrokonzerns bis 2023, die neben dem Werk in Görlitz auch den Standort in Leipzig-Plagwitz betreffen. Aufgrund des schrumpfenden Markts für konventionelle Kraftwerkstechnik sollen weltweit Tausende Arbeitsplätze in der Kraftwerks- und der Antriebssparte abgebaut werden. In Görlitz und in der Messemetropole stehen dabei zusammen etwa 1200 Stellen auf dem Spiel – von denen Unternehmer Stöcker zumindest die in Ostsachsen retten möchte.

Doch noch ist gar nicht klar, wie es in Görlitz überhaupt weitergeht. Denn derzeit laufen Gespräche von Siemens mit der Politik und Gewerkschaften über einen möglichen Weiterbetrieb. Jan Otto von der IG Metall hält die Ankündigung Stöckers deshalb für ein falsches Signal, wie er dem MDR sagte: „Wir sind ja gerade noch in Sondierung mit Siemens und haben sie aufgefordert, die Werksschließung vom Tisch zu nehmen. Da sind wir zumindest auf einem guten Weg in diesen Verhandlungen.“

Auch abseits seines wirtschaftlichen Engagements mit Euroimmun ist Stöcker, der 1960 mit seiner Familie in den Westen übersiedelte, kein Unbekannter in der Region. Denn ihm gehört das bekannte Jugendstilkaufhaus im Görlitzer Zentrum, das schon in Hollywood-Filmen als Kulisse diente. 2019 soll die Sanierung des Gebäudes beginnen, nachdem Stöcker es vor fünf Jahren gekauft hatte.

Auswirkungen auf den Standort Lübeck haben die Görlitzer Euroimmun-Pläne Stöcker zufolge nicht. „Was wir in Lübeck etabliert haben, bleibt bestehen.“ Doch in der Hansestadt seien die Möglichkeiten begrenzt. „In unserem Lübecker Revier werden wir bei unseren Baumaßnahmen durch die Behörden über Gebühr behindert. Deshalb sind wir schon auf zwei Standorte in Mecklenburg-Vorpommern ausgewichen.“

Der Lübecker ist alles andere als unumstritten. Wiederholt zog er Unmut auf sich. Etwa, als er 2014 ein Benefizkonzert für Flüchtlinge im Görlitzer Kaufhaus verbot und dies unter anderem damit begründete, dass er den Missbrauch des Asylrechtes nicht unterstützen wolle und ihm so viele ausländische Flüchtlinge nicht willkommen seien. Später entschuldigte er sich, erklärte dabei aber, Schwarze weiterhin „Neger“ nennen zu wollen.

Zuletzt löste er in Lübeck Kritik aus, als er sich in einer Weihnachtsansprache frauenfeindlich und rassistisch zur #MeToo-Debatte äußerte.

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