Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Wirtschaft im Norden Streit in der Regierungskoalition: Wird der Wolf zu teuer?
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Streit in der Regierungskoalition: Wird der Wolf zu teuer?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:00 13.08.2019
Ein Wolf in einem Wildgehege. Die Artgenossen in freier Natur sind deutlich teurer als er. Quelle: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
Kiel

Nur Sachsen gibt mit 3,5 Millionen Euro noch mehr Geld aus. Das Problem: Dort leben 160 Wölfe – in Schleswig-Holstein geht das Umweltministerium derzeit offiziell von nur zwei residenten Wölfen aus. Auf den ersten Blick ein krasses Missverhältnis. In der Regierungskoalition sorgt das nun für Streit.

„Geld lieber für Blühwiesen ausgeben“

Zumal auch im kommenden Jahr zwei Millionen Euro eingeplant seien. „Eine Million Euro pro Tier“, wettert Hauke Göttsch, jagdpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion. Man müsse überlegen, ob das Wolfsmanagement mit diesem Aufwand fortgeführt werden solle. „Der gleiche Betrag wäre für Naturschutzmaßnahmen wie Neuwaldbildung oder Blühwiesen besser ausgegeben.“

„Wolf wird zum Fass ohne Boden“

Und auch in der FDP ist der Unmut groß. „Wir sind skeptisch, dass sich das Kosten-Nutzen-Verhältnis bei den Ausgaben für den Wolf am Ende als sinnvoll erweist“, erklärt Partei-Experte Oliver Kumbartzky. Die ergriffenen Maßnahmen müssten zeitnah auf ihre Wirksamkeit hin überprüft werden. Mache man so weiter, könne das Geld knapp werden. „Der Wolf darf nicht zum Fass ohne Boden werden.“

LN-Grafiken über Territorien, Vorkommen und Nutztierschäden

Der hohe Schutzstatus des Wolfes, so die FDP, müsse hinterfragt, der Wolf ins Jagdrecht aufgenommen werden. Dies sei der Weg zu einem „realistischen Bestandsmanagement“, glaubt Kumbartzky. „Wenn sich die Große Koalition in Berlin weiterhin sträubt, muss es eben erstmal das Landesjagdrecht sein“. Die derzeitige Praxis gleiche einem „Freilandversuch mit ungewissem Ausgang“. „Was wir beim Wolf momentan bundesweit erleben, ist überzogener Artenschutz, der auf dem Rücken der Tierhalter und der Menschen im ländlichen Raum ausgetragen wird und dazu noch eine Menge Steuergeld verschlingt.“

„Wolfsfreie Zonen“ statt Zäunen?

Das Kieler Umweltministerium verweist auf die hohe Zahl von Weidetieren im Land, die durch Zäune geschützt werden müssten: Schleswig-Holstein habe mit 12,6 Schafen pro Quadratkilometer die höchste Schafdichte. Es bestehe „gegenwärtig die Notwendigkeit, in insgesamt fünf Landkreisen präventive Maßnahmen zum Schutz der Nutztierherden zu ergreifen“, sagt Sprecher Patrick Tiede. „Allein in diesen fünf Landkreisen stehen etwa 90 000 Schafe.“

Wölfe und Schafe

Seit Januar wird in Schleswig-Holstein erfolglos Problemwolf „GW 924m“ gejagt, der mehrere Nutztiere gerissen hat. In Schleswig-Holstein gab es laut Kieler Umweltministerium 2018 insgesamt 198 000 Schafe auf 15 769 Quadratkilometern Landesfläche. (12,6 Schafe/km²). In Sachsen waren es 67 300 Schafe auf 18416 Quadratkilometern Landesfläche– (3,7 Schafe/km²). Niedersachsen hat 174 000 Schafe auf 47 614 Quadratkilometern (3,7 Schafe/km²).

Die Grünen stehen – wie zu erwarten – hinter ihrem Minister. Die Weidewirtschaft gehöre zu Natur- und Küstenschutz, sei in vielen Teilen des Landes prägend, gibt die Umweltpolitikerin Marlies Fritzen zu Bedenken. „Ich halte es daher für richtig, den Tierhalterinnen und Tierhaltern im Land, insbesondere den schafhaltenden Betrieben, die weitest mögliche Unterstützung zukommen lassen.“

Dies stößt bei Umweltorganisationen wie dem Nabu, aber und auch beim Landes-Bauernverband auf Zustimmung. Wobei, wie dessen Justiziar Hans Heinrich von Maydell einschränkt, dies die Konsequenz daraus sei, dass das Land allein auf Schadensbegrenzung durch Einzäunung setze. Er dagegen befürworte „wolfsfreie Bereiche“, zu denen die Deichlandschaften in Dithmarschen und an der Elbe gehören müssten. Dort solle der Wolf bejagt werden.

Mehr LN-Berichte zum Thema „Wolf“

Hier haben Jäger das erste Wolfsrudel in Schleswig-Holstein gesichtet

Präventionsgebiete: So will das Land Schafe vor dem Wolf schützen

Nach Abschuss-Freigabe: Scharfe Kritik von Wolfsschützern an Umweltminister Jan Philipp Albrecht

Problemwölfe - die wichtigsten Fragen und Antworten

Ausstellung im Kölner Wallraf-Richartz-Museum: „Der Wolf zwischen Mythos und Märchen“

Kommentar: Der Wolf im Fadenkreuz – das kann nicht die Lösung sein

Foto: Hier läuft ein Wolf über den Lütjensee

Gefährlicher als der Wolf: Kolkraben töten frisch geborene Lämmer

Beweisfoto: Wölfe in Lübecker Wäldern?

Bei Pinneberg:Verhindern Tierschützer den Abschuss des Problemwolfs?

Altes Wissen: So jagte man früher einen Wolf

Wolfsrisse im Kreis Herzogtum Lauenburg:Wolf reißt Schafe in Duvernsee

Schafe bei Groß Boden totgebissen

Themenseite: Alle LN-Berichte über Wölfe in Schleswig-Holstein

Von Marcus Stöcklin

Die Commerzbank Niederlassung Lübeck mit ihren 19 Filialen hat im ersten Halbjahr 2019 ihren Wachstumskurs fortgesetzt.

10.08.2019

Die Volksbanken und Raiffeisenbanken in Schleswig-Holstein fördern erneut Handwerksbetriebe mit Preisgeldern in Höhe von 15 000 Euro.

10.08.2019

Grünen-Finanzministerin Monika Heinold will die Grunderwerbssteuer um 0,5 Prozentpunkte senken. Der FDP reicht das nicht. Sie macht in der Koalition Front gegen die Ministerin.

08.08.2019