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Wirtschaft im Norden Studie: 7,4 Prozent der Azubis bleiben ohne Abschluss
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Studie: 7,4 Prozent der Azubis bleiben ohne Abschluss
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10:00 11.07.2019
Die Zahl der jungen Menschen, die ohne Berufsabschluss bleiben, geht zurück. Dennoch wechseln viele im Laufe der Ausbildung den Betrieb oder die Branche. Quelle: dpa
Lübeck

Von allen Auszubildenden in Schleswig-Holstein blieben 7,4 Prozent dauerhaft ohne Berufsabschluss. Das seien jedoch deutlich weniger als die Quote von 27,7 Prozent der jungen Menschen, die im Norden insgesamt ihren Ausbildungsvertrag vorzeitig aufgelöst hatten, betont die Chefin der Arbeitsagentur Nord, Margit Haupt-Koopmann. Die meisten Abbrecher haben aber lediglich Betrieb oder Branche gewechselt und dann doch einen Abschluss gemacht.

In Zeiten des Fachkräftemangels müsse aber die Quote von 7,4 Prozent, die ganz ohne Abschluss bleiben, weiter gesenkt werden: „Jeder Ausbildungsabbrecher ist einer zu viel“, sagte Haupt-Koopmann.

IHK: Vielen gefällt der Betrieb nicht

Eine Senkung der Quote hält Ulrich Hoffmeister, Geschäftsbereichsleiter für Aus- und Weiterbildung der IHK Lübeck, ebenfalls für wichtig. Es sei jedoch schwer, da die Wünsche der Auszubildenden heute anders sind. „Sehr viele junge Leute wechseln, da ihnen das Unternehmen nicht mehr gefällt“, sagt Hoffmeister. Dies geschieht oft in der Probezeit. Gründe dafür können Gehalt, aber auch die Arbeitszeit sein. „Die Masse bleibt jedoch im System und sucht sich etwas Neues.“

Das bestätigt auch Christian Maack, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Lübeck. „Ein großer Teil der Vertragslösungen ist im Ergebnis nur der Wechsel des Ausbildungsbetriebes.“ Es sei wichtig, die Gründe zu kennen, warum Auszubildende sich für einen Abbruch oder Wechsel entscheiden. „Wir versuchen eine Fortsetzung der Ausbildung zu ermöglichen. Wenn dies jedoch nicht gelingt, unterstützen wir auch bei der Suche nach einem neuen Ausbildungsbetrieb“ sagt Maack. Die Nachfrage auf dem Ausbildungsmarkt sei groß.

Informationsangebot soll verbessert werden

Als Konsequenz aus der Studie wollen Arbeitsagentur und Land das Informationsangebot zur Berufsorientierung von Schülern verbessern. So sollen Berater künftig wöchentlich in die allgemeinbildenden Schulen kommen. Zudem will die Arbeitsagentur ihre digitalen Informations- und ihre Selbsterkundungsangebote für junge Menschen ausbauen. Es sollen auch weitere Jugendberufsagenturen eingerichtet werden.

Besonders bei Restaurantfachkräften ist die Auflösungsquote der Ausbildungsverträge mit 51 Prozent bundesweit besonders hoch, ebenso bei Köchen (48 Prozent). Dagegen liegt die Abbrecherquote der Auszubildenden im Öffentlichen Dienst mit 4,1 Prozent sehr niedrig.

DGB bemängelt Überstunden und Vergütungen

„Dass die Arbeitsagentur und das Land nun das Informationsangebot für Ausbildungsinteressierte an allgemeinbildende Schulen ausbauen möchten, kann nicht die Lösung des grundsätzlichen Problems mangelnder Ausbildungsqualität in einigen Branchen sein“ sagt Friedrich Gottschewski, Jugendbildungsreferent des DGB Nord. Es gebe einen Überschuss an Überstunden, Missachtung des Jugendarbeitsschutzes, ausbildungsfremde Tätigkeiten oder zu niedrige Vergütungen. Es sei höchste Zeit, jene Unternehmen genau zu prüfen, die sich nicht an gesetzliche Rahmenbedingungen halten, sagt Gottschewski. „Hier muss nach Jahren des Stillstands endlich der Hebel angesetzt werden.“

Die Studie „Absolventen und Abbrecher – zum Ausbildungsgeschehen im dualen System Schleswig-Holsteins“ hat über zehn Jahre den Ausbildungsjahrgang 2005 ausgewertet.

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