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Wirtschaft im Norden Verbraucherschützer kämpfen gegen Abzocke bei Kreditvergaben
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19:22 28.02.2019
Die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein macht gegen Abzocke bei Kreditverträgen mobil. Quelle: Dan Race - Fotolia
Kiel

Schleswig-Holsteins Verbraucherzentrale hat der Abzocke bei Kreditvergaben den Kampf angesagt. Immer mehr Bankkunden würden ebenso teure wie unnötige Restschuldversicherungen angedreht werden, sagt deren Finanzmarktexperte Michael Herte. Teilweise erhöhe sich die Zinslast dadurch horrend. Die Verbraucherzentrale fordert eine schnelle Gesetzesänderung.

Verbraucherschützer: Banken nutzen soziales Abhängigkeitsverhältnis der Kunden aus

In Großbritannien etwa sei es den Banken verboten, dem Kunden binnen einer Woche nach einer Kreditvergabe eine solche Versicherung zu verkaufen – sie würde zum Beispiel im Fall von Arbeitslosigkeit, Berufsunfähigkeit oder Tod des Schuldners dessen restliche Raten an die Bank übernehmen.

In Deutschland sehe es oft so aus: Der alten Dame etwa, die dringend Geld für Zahnersatz brauche, oder dem klammen Familienvater, der einen neuen Gebrauchtwagen für den Weg zur Arbeit kaufen muss, werde ein Darlehensvertrag samt Restschuldversicherung vorgelegt. Zwar stehe im Vertragstext stets, dass die Kreditvergabe unabhängig vom Abschluss der Versicherung sei, sagt Michael Herte. Viele Kunden trauten sich in dieser Situation aber offenbar nicht, zu widersprechen, würden fürchten, dass sie das dringend benötigte Geld dann doch nicht bekämen. Es bestehe ein „soziales Abhängigkeitsverhältnis“, sagt Herte.

Horrende Zinssätze werden verheimlicht

Vor allem Geschäftsbanken würden das immer öfter ausnutzen, Genossenschaftsbanken und Sparkassen weniger. Die Kosten für eine solche Versicherung seien meist enorm. In einem typischen Fall hätten sie sich bei einer Kreditsumme von 10 000 Euro, 60 Monaten Laufzeit und 3,92 Prozent Zinsen auf 1685,19 Euro belaufen. Die Summe werde auf die Kreditsumme aufgeschlagen, die monatliche Rate erhöhe sich dadurch von 183,80 auf 214,78 Euro. Am Ende der Laufzeit hätte der Schuldner dann 10,985 Prozent Zinsen auf seine Kreditsumme gezahlt.

Die Bank macht Kasse. Diese Zahl tauche im Kreditvertrag aber nirgendwo auf, warnt Herte. Das extremste Beispiel stamme aus der Beratungspraxis der Außenstelle der Verbraucherzentrale in Lübeck. Dort habe eine pensionierte Lehrerin bei einer Kreditsumme von 20 000 Euro insgesamt 10 000 Euro an Versicherungsprämien zahlen sollen. Die Restschuldversicherungen seien nur bis eine Woche nach Abschluss kündbar. Nur ein neues Gesetz könne solche Fälle künftig verhindern.

Land fördert Verbraucherzentrale mit 1,21 Millionen Euro

Insgesamt hat die Verbraucherzentrale im Jahr 2018 in Schleswig-Holstein 24 200 Bürgerinnen und Bürger beraten. 20 600 informierten sich bei Vorträgen oder auf Messen über den Verbraucherschutz. Die Landesregierung lässt sich diese Arbeit einiges kosten. Im laufenden Jahr gibt es dafür aus Kiel 1,21 Millionen Euro, 2018 waren es 1,09, 2017 nur 890 000 Euro. Die Verbraucherzentrale sei mit ihrer anbieterunabhängigen, professionellen Beratungstätigkeit und ihrem breit gefächerten Informationsangebot ist eine wichtige Partnerin der Landesregierung, sagt CDU-Ministerin Sabine Sütterlin-Waack. Die Themen, die in den Beratungsgesprächen angefragt werden, würden der Politik gute Hinweise darauf geben, was gegebenenfalls gesetzgeberisch neu geregelt werden müsse.

Wolfram Hammer

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