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Wirtschaft im Norden Viel Kritik an SLM Solutions
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08:00 26.06.2019
Der scheidende Vorstandschef Uwe Bögershausen stellte sich auf der Hauptversammlung noch ein letztes Mal den kritischen Fragen der Aktionäre. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Der scheidende Vorstandschef Uwe Bögershausen blickte zu Beginn der Hauptversammlung in den Media Docks noch einmal auf das Geschäftsjahr 2018. Seine Bewertung war deutlich: „Die Umsatzentwicklung ist schlicht und ergreifend nicht angenehm.“ Es sei dem Unternehmen schwer gefallen, die Geschäftschancen auch in Umsatz zu verwandeln. Zweimal musste die Prognose nach unten angepasst werden, der Aktienkurs brach im Laufe des Jahres um über 80 Prozent ein. 

Paradox: Großes Interesse aber kaum Umsatz

Auch für Bögershausen schien es nicht ganz einfach zu verstehen: Das Interesse an der Technologie sei gestiegen, erklärte er. Immer mehr Kunden wollten ganze Flotten statt einzelne Maschinen. Insgesamt gewann das Unternehmen 57 neue Kunden im vergangenen Jahr. Trotzdem: Unter dem Strich steht ein Minus von sieben Millionen Euro. Auch das erste Quartal 2019 lief nicht besser: Insgesamt sind nur sieben Aufträge eingegangen, 53 Prozent weniger als im Vorjahr. „Der Umsatz ist nicht das, was man mit der Technologie erreichen kann“, resümierte Bögershausen.

Neue Unternehmensstrategien noch unklar

Der neue Vorstandschef Meddah Hadjar stellte sich bei der Hauptversammlung den Aktionären vor. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Dennoch sei er davon überzeugt, dass sich das Unternehmen mit der richtigen Strategie und der richtigen personellen Aufstellung stark weiterentwickeln kann. „SLM ist auf dem richtigen Weg“, sagte er mit Blick zu dem neuen Vorstandschef Meddah Hadjar. Der US-Amerikaner ist im Mai vom US-Konzern General Electric (GE) zu SLM Solutions – dem führenden Hersteller von 3-D-Druckern – gewechselt. Er habe bereits konkrete Stellen entdeckt, an denen das Unternehmen besser werden muss – darunter auch den Vertrieb. Hadjar will als Kunde auf SLM Solutions schauen und dann entsprechende Strategien entwickeln. Noch könne er nicht zu sehr ins Detail gehen, aber die geplanten Maßnahmen gingen in die richtige Richtung. „Ich glaube an die Technologie. Ich war ein Kunde, ein Mitbewerber, und jetzt bin ich im Vorstand“, erklärte Hadjar seinen Optimismus. Im August will er die Prognosen für das laufende Geschäftsjahr und seine Strategie schließlich vorstellen.

Aktionäre sind unzufrieden

Nur mit einem personellen Wechsel und der Ankündigung von neuen Strategien gaben sich die Aktionäre nicht zufrieden. Ein Kleinaktionär brachte es auf den Punkt: „Wo liegt das Problem, dass man die Geräte nicht verkaufen kann?“ Ein weiterer Kleinaktionär meldete sich zu Wort: „Ich habe einiges an Geld mit SLM verloren und kann mir nicht vorstellen, dass die einzige Lösung ist, den Vorstand auszuwechseln.“

Die Media Docks sind gut gefüllt: Viele Aktionäre kamen zur SLM-Hauptversammlung. Sie stellten vor allem kritische Fragen. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Josef Gemmecke, Sprecher der Schutzgemeinschaft für Kapitalanleger (SdK), glaubt, die „heftigen Turbulenzen“ im vergangenen Jahr rühren noch von der gescheiterten GE-Übernahme 2016. Deswegen „kann es ja ganz gut sein“, wenn der US-Investor Paul Singer und größte SLM-Eigner nun mit seiner Gesellschaft Elliot International Limited vom „Abstauber zu einem beständigen Ankeraktionär“ werde. Auch der neue Vorstandschef Hadjar könne eine gute Chance für das Unternehmen sein – „so, wie uns das hier präsentiert wird.“ Auch André Sosat von der Deutschen Schutzvereinigung vor Wertpapierbesitz (DSW) betrachtet die Entwicklungen im Unternehmen „mit gewissen Sorgen, aber auch Hoffnungen“. Vorstand und Aufsichtsrat müssten erklären, warum der Umsatz so deutlich zurückgegangen ist und Aktionäre neue Hoffnung haben sollten: „Wir erwarten detaillierte Angaben und Maßnahmen.“

Management- und Umsetzungsprobleme

Eine detaillierte Erklärung seitens des Vorstandes blieb aus. Bögershausen verwies auf Management- und Umsetzungsprobleme, die durch personelle Veränderungen gelöst werden sollten. Er gab zu, dass die geplatzte GE-Übernahme nach wie vor für Unsicherheit bei den Kunden sorgt: „Die Wirkung hat deutlich länger angehalten, als wir dachten.“

Den Vorstand wollten die Vertreter von SdK und DSW nicht entlasten – ein deutlicher Ausdruck von Misstrauen. „Es ist ein Unding, so eine Umsatzplanung in die Welt zu setzen“, erklärte Gemmecke das Votum der SdK. Am Ende der Versammlung kam es dennoch zu einer Entlastung von fast 97 Prozent der Aktionäre.

Außerdem sprachen sich SdK und DSW gegen die geplante Kapitalerhöhung von 50 Prozent für das Geschäftsjahr 2019 aus. DSW-Sprecher Sosat befürchtet, eine so hohe Kapitalerhöhung verwässere die Rechte der Kleinaktionäre. Doch auch dem Antrag wurde auf der Hauptversammlung zugestimmt.

Neuer Aufsichtsrat gewählt

Nachdem bereits im Frühjahr einige Aufsichtsratsmitglieder ihre Posten verlassen hatten, standen auch hier Personalveränderungen an. Zwar wurde turnusgemäß gewählt, aber kaum einer stand zur Wiederwahl. Firmengründer Hans-Joachim Ihde gab den Aufsichtsratsvorsitz ab, wird aber weiterhin im Aufsichtsrat sitzen. Nach 50 Jahren im Berufsleben müsse er nicht mehr unbedingt den Vorsitz übernehmen. Sein Nachfolger ist Michael Mertin. Er war zehn Jahre lang Vorstandsmitglied der Jenoptik AG. Vor seiner Wahl betonte er, Jenoptik habe früher auch mehr Schulden als Umsatz gemacht, „aber wir konnten das umdrehen“. Außerdem wurde Thomas Schweppe in den Aufsichtsrat gewählt, der mit seiner Investmentfirma 7square auch den SLM-Hauptanteilseigner Elliot berät.

Ein Aktionärsvertreter der ENA Investment Capital schlug Roland Busch für den Aufsichtsrat vor, der derzeit noch in drei Aufsichtsräten der Lufthansa sitzt. Ebenfalls von einem Aktionärsvertreter vorgeschlagen wurde Kevin Czinger. Czinger ist der Vorstandschef des kalifornischen Unternehmens Divergent 3D, ein Kooperationspartner der SLM Solutions AG. Er sei beeindruckt von der Pionierarbeit und der Innovation des Teams. Mit dem Schweden Magnus René kommt ein weiterer Ausländer in den sechsköpfigen Aufsichtsrat. René kennt das Unternehmen bereits seit 2005, er arbeitete bis vor kurzem für den indirekten Mitbewerber von SLM, Arcam.

Annabell Brockhues

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