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Wirtschaft im Norden Waschbecken und Vasen aus Plastikmüll
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18:10 24.03.2018
Die drei Lübecker „Sandhelden“: Laurens Faure, Peter Schiffner und Jonas Schultzen (v.l.).
Die drei Lübecker „Sandhelden“: Laurens Faure, Peter Schiffner und Jonas Schultzen (v.l.). Quelle: Fotos: Privat
Lübeck

„Das größte Problem, welches wir aktuell ökologisch haben, ist die Plastikverschmutzung unserer Umwelt“, sagt Laurens Faure (27). 2015 gründeten er und Peter Schiffner (26) die Firma „Sandhelden“ in München, wo sie studierten. Ihre Idee: Einrichtungsgegenstände und Sanitärartikel aus Sand und Carbon im 3-D-Druck herstellen. Beide kommen aus Lübeck. Schiffner hat am Johanneum Abitur gemacht, Faure an der Thomas- Mann-Schule. Mit Jonas Schultzen (22) kam später ein Dritter Lübecker hinzu, er machte sein Abi an der Oberschule zum Dom (OzD) und ist seit Oktober 2017 für das Marketing der „Sandhelden“ zuständig. Die Firma beschäftigt inzwischen zehn Mitarbeiter.

Mit ihren Waschbecken oder Vasen aus gepresstem Sand sind sie bereits erfolgreich. Jetzt widmen sich die „Sandhelden“ Peter Schiffner, Laurens Faure und Jonas Schultzen einer neuen Idee: Produkte aus Plastikmüll. Mit einer Kickstarter-Kampagne wollen sie dafür 15000 Euro sammeln.

Was mit Sand und Carbon so gut klappt, soll nun auch mit Plastik möglich werden. Vor allem die riesigen Mengen von Plastikmüll in den Ozeanen haben Faure, Schiffner und ihre Mitstreiter im Blick – als Rohstoff für Kreationen aus dem 3-D-Drucker. Das Basisproblem sei, dass Plastik sich nie zersetzt wie andere Materialien. Irgendwann seien die Plastikteile im Meer so klein, dass sie in die Nahrungskette der Tiere gelangten. „Das ist nicht nur gefährlich für die Lebewesen im Meer, sondern auch für uns Menschen. Es betrifft uns direkt, weil wir die Fische essen. So landet unser Plastikmüll am Ende des Kreislaufes in unseren eigenen Mägen“, sagt Schiffner. Technologisch sei es bisher nicht möglich, Plastikmülll vollständig zu recyceln, gängig seien Verhältnisse von 80 Prozent gebrauchtem und 20 Prozent neuem Plastik. „Hier setzen wir ebenfalls an. Mit der 3-D-Druck-Technologie können wir Plastik zu 100 Prozent recyceln und sind somit die ersten, die ein komplett nachhaltiges Konzept anbieten können“, erklärt Schiffner. „Wir arbeiten mit verschiedenen Unterhändlern zusammen, Organisationen, die Plastik aus dem Meer sammeln“, sagt er.

Der Müll wird gefrostet, damit er leichter zerkleinert werden kann. Das Endprodukt ist ein sehr feines Plastikpuder. „Auf Basis dieses Puders können wir den Druckprozess im 3-D-Drucker starten“, sagt Faure. Ob Vasen, Schalen, Lampen, Stühle oder Tische – jedes dieser Produkte könne man auch aus Plastik herstellen. Die Produktion soll aus selbst gewonnenem Solarstrom gespeist werden. Die Einrichtungs- und Sanitärartikel aus Plastik werden dann verkauft.

Der Clou: Wenn ein Produkt veraltet ist, kann es wieder zerkleinert und als Rohstoff für ein neues verwendet werden. „Somit ist der Kreislauf geschlossen, so umweltfreundlich wie möglich.“ Man sei in Gesprächen über die Idee mit der Firma SGL Carbon und mit dem Fraunhofer-Institut in Augsburg, um neue Produkte zu entwerfen.

Die Kickstarter-Kampagne soll dazu dienen, den Druckprozess für eine Tonne Plastikpulver zu finanzieren. „Dafür benötigen wir 15000 Euro“, sagt Faure. Zehn Tage nach dem Start der Kampagne, die bis Mitte April läuft, haben die „Sandhelden“ bereits zwanzig Unterstützer gefunden. „Das Ganze ist eine Vision.“ Mit anderen Worten: ein permanentes Recycling.

Infos: www.sandhelden.de

Riesiger Müllstrudel treibt im Pazifik

Plastikmüll im Meer ist ein rasant wachsendes Problem. Im Pazifik schwimmt ein gigantischer Müllstrudel, auch „Great Pacific Garbage Patch“ genannt. Die jetzt erfasste Größe von 1,6 Millionen Quadratkilometer (Deutschland: 357376 Quadratkilometer) sei 16 Mal größer als gedacht, sagen Forscher der „Ocean Cleanup Foundation“ in den Niederlanden.

Eine Strömung weise die größte bislang erfasste Plastikkonzentration im Wasser auf, so die Forscher. Der zerbröselte Plastikmüll sei eine große Gefahr für Fische und viele andere Meeresbewohner. Laut Umweltbundesamt dauert es 450 Jahre, bis sich Plastikflaschen im Meer zersetzen.

Christian Risch