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Wirtschaft im Norden Weiterer Dämpfer für Deutsche Bank
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20:10 29.06.2018
Dunkle Wolken sind über der Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt/ Main aufgezogen. Quelle: Foto: Arne Dedert/dpa
Frankfurt/Washington

Am Donnerstag wurde das Ergebnis verkündet, Anleger reagierten gestern dennoch zunächst gelassen: Vorbörslich gab die Aktie des Dax-Konzerns leicht nach, drehte zum Handelsauftakt aber ins Plus. Es sei erwartet worden, dass die US-Tochter den Test nicht bestehen werde, erklärte ein Händler. Das erneute Scheitern bezeichnete er gleichwohl als „blamabel“.

Die Aufseher der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) bemängelten „erhebliche Schwächen“ bei der US-Tochter der Deutschen Bank. Deren Kapitalpläne wurden deshalb nicht genehmigt. Das könnte für die Deutsche Bank als Konzernmutter die unangenehme Folge haben, dass der US-Ableger nicht wie erhofft Geld an sie ausschütten darf.

Beim zweiten Teil der Prüfung ging es vor allem um interne Kontrollen und Risikomanagement – Bereiche, die bei der Deutschen Bank schon länger als problematisch angesehen worden waren.

Schon 2015 und 2016 fiel der US-Ableger beim Stresstest der Fed durch und wurde in den vergangenen Jahren wegen etlicher Regelverstöße zur Verantwortung gezogen. Zudem musste die Deutsche Bank Milliarden wegen Marktmanipulationen und anderer Vergehen zahlen. Im Mai schickten Medienberichte, wonach Aufseher das US-Geschäft der Bank zum „Problemfall“ erklärt haben, die Aktie auf Talfahrt.

Als auch der US-Ratingriese Standard & Poors den Daumen senkte, sah sich der erst seit April amtierende Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing gezwungen, die Finanzstärke des Instituts zu betonen. „Auf Konzernebene steht unsere Finanzstärke außer Frage“, erklärte Sewing. Kredit- und Marktrisiken seien so gering wie selten.

Der bisherige Privatkundenchef, den der Aufsichtsrat in einer Krisensitzung zum Nachfolger von John Cryan befördert hatte, machte aber keinen Hehl daraus, wie ernst die Lage ist: „Wir müssen liefern – und zwar schnell und konsequent“, betonte Sewing Anfang Juni.

Sewing setzt etwa im Investmentbanking – und dort im US-Geschäft – den Rotstift an. Unter anderem das Aktiengeschäft soll schrumpfen. Mit einem verschärften Sparkurs will Sewing den Konzern nach drei Verlustjahren in Folge wieder zum Erfolg führen. Die Zahl der Vollzeitstellen soll von gut 97 000 auf unter 90 000 sinken.

Dem Aktienkurs half das bisher nicht auf die Sprünge – im Gegenteil: Am Mittwoch war das Papier in einem insgesamt schwachen Markt auf ein Rekordtief von knapp 8,76 Euro abgesackt. Auch das jüngste Urteil der US-Aufseher nährt Skepsis. Goldman-Sachs- Analyst Jernej Omahen sagt, die geplante Trennung von geschäftlichen Aktivitäten in den USA werde die Kapitalausstattung nicht verbessern.

Die Deutsche Bank erklärte, in dem jüngsten US-Stresstest sei der Kapitalplan der Tochter DB USA nicht „auf quantitativer Basis“, sondern aus „qualitativen Gründen“ abgelehnt worden. Soll heißen:

Nicht die Kapitaldecke war das Problem, sondern Kontrollen und Infrastruktur. Hier hat die Bank nach eigener Einschätzung bereits Fortschritte erzielt. Den ersten Teil der Belastungsprobe, bei der die Kapitalausstattung anhand simulierter Krisenszenarien getestet wurde, hatte die Deutsche Bank in der Vorwoche noch meistern können.

35 Banken nahm die Fed unter die Lupe. Nach Einschätzung der Aufseher sind die größten US-Geldhäuser im Großen und Ganzen krisenfest aufgestellt, so dass die Kreditvergabe im Falle eines Finanzmarkt-Crashs nicht abrupt stocke. Doch die Fed beanstandete nicht nur die Kapitalpläne der Deutschen Bank: Auch Goldman Sachs und Morgan Stanley dürfen ihre Dividenden und Aktienrückkäufe zunächst nicht erhöhen.

Von Jörn Bender und Hannes Breustedt

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