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Wirtschaft im Rest der Welt Deutsche Bahn bricht Fahrgastrekord – und kämpft gegen „Staus auf der Schiene“
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Rest der Welt Deutsche Bahn bricht Fahrgastrekord – und kämpft gegen „Staus auf der Schiene“
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16:44 28.03.2019
Richard Lutz, Vorstandsvorsitzender der Deutsche Bahn AG, kämpft gegen Staus und Finanzierungslücken. Quelle: Michael Kappeler/dpa
Berlin

Die Deutsche Bahn hat im vergangenen Jahr erneut einen Fahrgastrekord erzielt, kämpft aber mit den Folgen eines gigantischen Investitionsrückstaus.

2018 fuhren rund 148 Millionen Menschen mit Fernzügen der Bahn. 2019 sollen es mehr als 150 Millionen sein und für 2030 hat der Konzern das Ziel, mehr als 200 Millionen Fahrgäste zu transportieren. Das wären jedoch rund 60 Millionen weniger als im Koalitionsvertrag von Union und SPD vorgesehen.

Aktuell fehlt es der Bahn an Infrastruktur, Zügen und Personal. „Raum und Ressource, um unsere Angebote und ihre Qualität weiter auszubauen, werden knapp“, sagte Bahn-Chef Richard Lutz bei der Bilanzpressekonferenz des Unternehmens am Donnerstag in Berlin.

Die Bahn zu verbessern braucht Zeit

An Nadelöhren des Netzes gebe es „Staus auf der Schiene“. Die Bahn will zuverlässiger werden. 2019 sollen etwa drei von vier Fernzügen - 76,5 Prozent - pünktlich ankommen. Von pünktlich spricht die Bahn, wenn ein Zug sein Ziel mit weniger als sechs Minuten Verspätung erreicht.

Im vergangenen Jahr lag die Pünktlichkeit bei 74,9 Prozent. „Das ist nicht zufriedenstellend. Da gibt es nichts zu beschönigen“, sagte Lutz. Viele der vorgesehenen Maßnahmen brauchten Zeit: „Einen Hebel, den man umgelegt, und schon ist die Bahn besser, den gibt es nicht.“

Bahn will fünf Milliarden Euro investieren

Rund fünf Milliarden Euro sollen in den nächsten Jahren in mehr Qualität und Zuverlässigkeit investiert werden – das Ziel war bereits Teil der „Agenda für eine bessere Bahn“. Dieses Programm hatte die Konzernspitze Ende vergangenen Jahres beschlossen und im Januar bei Krisengesprächen mit Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) präsentiert.

Lutz: Staueffekte nehmen zu

Konzernchef Lutz bekräftigte gestern, es werde mit Hochdruck daran gearbeitet, bestehende Engpässe zu beseitigen. Probleme an hochbelasteten Strecken hätten gegenwärtig gravierende Folgen für den Betrieb.

Lutz, der in diesem Zusammenhang von „Wachstumsschmerzen“ spricht, schließt sogar Verschlechterungen bei der Qualität nicht aus. „Die Staueffekte nehmen aktuell sogar noch zu. Denn Engpassbeseitigung passiert nicht über Nacht“, sagte er.

Bahn macht 30 Prozent weniger Gewinn

Der Konzern kämpft im laufenden Jahr mit schwerwiegenden Finanzproblemen. Der Gewinn der Deutschen Bahn war im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen. Das Jahresergebnis sank auf 542 Millionen Euro – fast 30 Prozent weniger als 2017.

In der Finanzplanung für das laufende Jahr klafft zudem eine Finanzierungslücke von circa 2,2 Milliarden Euro, wie dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) in Aufsichtsratskreisen bestätigt wurde.

Aufsichtsrat will Arriva verkaufen

Das Gremium hat daher in dieser Woche den Auftrag erteilt, Optionen für einen Verkauf der in London ansässigen Auslandstochter Arriva zu prüfen. „Wir gehen davon aus, dass wir dieses Projekt noch in diesem Jahr abschließen können“, sagte Finanzvorstand Alexander Doll.

Angesichts eines unverändert möglichen harten Brexits ist das Geschäft jedoch mit vielen Fragezeichen verbunden. Nach Angaben aus dem Bahn-Aufsichtsrat rechnet der Vorstand mit Erlösen von etwa 1,9 Milliarden Euro und erhofft sich davon einen wesentlichen Beitrag zur Schließung der Finanzlücke.

Bahn hat Schuldengrenze fast erreicht

Die Möglichkeiten des Konzerns, an frisches Geld zu kommen, sind ansonsten begrenzt. Schließlich hat der Gesetzgeber eine Obergrenze für die Verschuldung von 20,4 Milliarden Euro gesetzt, die bald erreicht wäre.

Dem Bund blieben im Fall eines Scheiterns des Arriva-Verkaufs wohl nur zwei Optionen: Eine erneute Finanzspritze oder die Erhöhung der Obergrenze für die Verschuldung.

Billigtickets sollen bleiben

Änderungen am Rabattsystem im Fernverkehr mit Billigtickets für Verbindungen außerhalb der Stoßzeiten wären keine Alternative, um an zusätzliche Erlöse zu kommen, erklärte Personenverkehrsvorstand Berthold Huber.

Hintergrund sind Forderungen des Bahn-Beauftragten der Bundesregierung, Enak Ferlemann (CDU), das Rabattsystem auf den Prüfstand zu stellen. Die günstigen Tickets hätten kaum Einfluss auf das Geschäftsergebnis, argumentiert Konzernvorstand Huber. Die 19-Euro-Tickets machten ihm zufolge nur einen Prozent des Umsatzes aus. Stattdessen helfe das Rabattsystem, Fernzüge besser auszulasten.

Lesen Sie auch: Deutsche Bahn: An diesen Bahnhöfen fallen die meisten Züge aus

Von Rasmus Buchsteiner und Elena Butz/RND

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