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Wirtschaft im Rest der Welt Fliegen ist so billig, dass die Lufthansa ihre Gewinnprognose senken muss
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Rest der Welt Fliegen ist so billig, dass die Lufthansa ihre Gewinnprognose senken muss
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18:15 17.06.2019
Die Lufthansa senkt ihre Gewinnprognose. Quelle: Foto: Traut/imago images
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Frankfurt/Main

Der heftige Preiskampf im europäischen Luftverkehr trifft nun auch die Lufthansa. Die Airline senkt ihre Gewinnprognose für dieses Jahr, weil die Billigflieger „aggressiv“ expandierten und die Tickets immer billiger machten.

Das trifft vor allem die Lufthansa-Tochter Eurowings, die direkt mit Ryanair, Easyjet und anderen Billiganbietern konkurriert. Die Ankündigung erwischte die Börsen kalt: Der Kurs der Lufthansa-Aktie rutschte am Montag um rund 10 Prozent.

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Konzernchef Carsten Spohr hatte bisher einen operativen Gewinn auf dem Vorjahresniveau zwischen 2,4 und 3 Milliarden Euro angekündigt. Nun dürften es nur noch 2 bis 2,4 Milliarden Euro werden.

Eurowings hat es schwer

Die Lufthansa-Führung rechnet damit, dass die Bedingungen auf dem europäischen Markt mindestens bis Ende des Jahres schwierig bleiben. Das Geschäft auf der Langstrecke laufe weiter planmäßig, in Europa habe sich der Wettbewerb jedoch erheblich verschärft.

Das trifft vor allem die Tochter Eurowings, mit der Lufthansa selbst in den Billigmarkt drängt und starkes Wachstum plant. Doch die Konkurrenten halten dagegen: Sie seien bereit, erhebliche Verluste hinzunehmen, um ihre Marktanteile auszubauen, beklagt die Lufthansa.

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Um dabei nicht den Anschluss zu verlieren, wird auch Eurowings in diesem Jahr noch einmal rote Zahlen hinnehmen müssen. Eigentlich sollte 2019 die Gewinnzone erreicht werden. Eurowings werde nun weitere Maßnahmen ergreifen, um die Wende zu schaffen, heißt es in einer Lufthansa-Mitteilung.

Auch im Frachtgeschäft läuft es schlechter als gedacht: Die Frachtsparte Lufthansa Cargo hat bereits drei ältere Frachtflugzeuge aus dem Flugplan genommen und rechnet in diesem Jahr nur noch mit einem stagnierenden Umsatz.

Preiskampf im Billigsegment

Abseits des laufenden Geschäfts fürchtet der Konzern wegen einer neuen Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs zudem höhere Steuerzahlungen für frühere Jahre. Deshalb will das Management im Zwischenbericht für das erste Halbjahr eine Rückstellung von 340 Millionen Euro bilden – auch das drückt die Prognose für das Gesamtjahr.

Mit dem Rückschlag vom Montag hat sich der Lufthansa-Kurs innerhalb von eineinhalb Jahren halbiert. Ende 2017 war der Wert rapide gestiegen, weil Lufthansa als ein großer Profiteur der Air-Berlin-Pleite galt. Anleger erwarteten nach dem Wegfall des Konkurrenten höhere Ticketpreise, und auf einigen Strecken stiegen sie tatsächlich vorübergehend.

Doch auch Ryanair und Easyjet sicherten sich Strecken aus dem Air-Berlin-Nachlass. So tobt weiter der Preiskampf, zusätzlich stieg zwischendurch der Kerosinpreis, und die trüberen Konjunkturaussichten lassen eine geringere Auslastung der Fluggesellschaften in den nächsten Monaten erwarten.

Von RND/dpa