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Wirtschaft im Rest der Welt P&R-Gläubiger brauchen nach Milliardenbetrug Geduld
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14:12 17.10.2018
Das Logo der Containerinvestmentfirma P&R Container Vertriebs und Verwaltungs-GmbH ist vor dem Gebäude des Unternehmens zu sehen. Quelle: Matthias Balk
München

Nach dem mutmaßlichen Milliardenbetrug der Containerfirma P&R müssen sich Zehntausende Gläubiger in Geduld üben.

Insolvenzverwalter Michael Jaffé hält trotz anderslautender Forderungen einen schnellen Verkauf der vorhandenen knapp 630.000 Schiffscontainer nicht für sinnvoll, wie ein Sprecher der Kanzlei am Mittwoch zur ersten Gläubigerversammlung in München erläuterte. Die erste Abschlagszahlung ist nach wie vor für das Jahr 2020 geplant. Gut 2500 Gläubiger erschienen nach Angaben des Münchner Amtsgerichts am Mittwoch persönlich in der Olympiahalle, weitere 7700 ließen sich durch Anwälte vertreten. Allein die Forderungen dieser 10 200 Anleger belaufen sich auf über eine Milliarde Euro.

Die P&R-Pleite könnte mit einem möglichen Schaden von bis zu zwei Milliarden Euro nach dem Flowtex-Skandal in den 1990er Jahren der zweitgrößte Betrugsfall seit 1945 sein. Firmengründer Heinz R. sitzt in Untersuchungshaft. Insgesamt plant Insolvenzverwalter Jaffé innerhalb einer Woche vier Gläubigerversammlungen, jeweils eine für die vier deutschen P&R-Gesellschaften.

Dem Betrug folgt die politische Diskussion: Die neue „Bürgerbewegung Finanzwende“ des Grünen-Bundestagsabgeordneten Gerhard Schick wirft der Finanzaufsicht Bafin Versäumnisse vor. Denn in Fachkreisen wurde lange vor der Pleite über Unstimmigkeiten im P&R-Geschäftsmodell diskutiert. So hatte etwa die „Stiftung Warentest“ im Sommer 2017 ausführlich auf Merkwürdigkeiten hingewiesen. „Aber die Bafin hat nichts unternommen“, sagte „Finanzwende“-Aufsichtsratsvorsitzender Udo Philipp.

Vom Münchner Millionärsvorort Grünwald aus verkaufte P&R Schiffscontainer an Privatanleger. Viele P&R-Kunden sind Rentner und Pensionäre, die ihre Altersvorsorge aufbessern wollten. Laut Insolvenzverwalter ist fast ein Drittel der Anleger über 70 Jahre alt. P&R vermietete die Container dann an Frachtunternehmen, damit sollte die Rendite für die Anleger finanziert werden. Außerdem bot P&R den Anlegern den Rückkauf nach fünf Jahren an.

Zum Zeitpunkt der Pleite im März dieses Jahres hatten etwa 54 000 Anleger rund 3,5 Milliarden Euro investiert. Doch nach bisherigem Ermittlungsstand war ein Großteil dieses Geschäfts bloßer Schein - eine Milliarden-Luftnummer. Denn neben den knapp 630 000 existierenden Containern wurden den Anlegern etwa eine Million Container verkauft, die es gar nicht gab.

Für sich persönlich hatte Firmengründer Heinz R. eine durchaus komfortable Existenz eingeplant: Laut einem heute noch abrufbaren Anlegerprospekt wollte R. sich selbst von 2017 bis 2022 an Gehalt und Gewinnbeteiligungen 32 Millionen Euro auszahlen.

Die Unstimmigkeit im P&R-Geschäftsmodell bestand unter anderem darin, dass P&R weit mehr Geld an die Anleger auszahlte, als die Containervermietung einbrachte. Die „Stiftung Warentest“ hatte das im Juni 2017 publik gemacht, Diskussionen in der Fachwelt gab es aber schon Jahre vorher.

„Grauer Kapitalmarkt“ ist der Branchenjargon für Investment-Firmen, die keine staatliche Erlaubnis benötigen und nur wenige gesetzliche Vorgaben erfüllen müssen - anders als etwa Banken, die ohne Banklizenz nicht tätig werden dürfen und genau kontrolliert werden. Die Bafin selbst warnt Anleger davor, dass es am grauen Kapitalmarkt keine Einlagensicherung und keine Kontrolle der Bilanzen gibt.

Wenn „graue“ Investmentfirmen wie P&R die vorgeschriebenen Prospekte zur Information der Anleger auflegen, werden diese von der Bafin zwar überprüft. Die Behörde kontrolliert aber ausdrücklich nicht, ob die Angaben richtig sind oder das dahinter stehende Geschäftsmodell tragfähig. Da der Verbraucherschutz zu den Aufgaben der Bafin gehört, fordert der Verein „Finanzwende“ eine aktivere Rolle der Aufsicht.

Insolvenzverwalter Jaffé hat derweil andere Sorgen: Das rechtliche Konstrukt der P&R-Gruppe erschwert den Zugriff auf die noch eingehenden Einnahmen. An die Anleger verkauft wurden die Container in Deutschland - diese vier Gesellschaften sind insolvent. Die anschließende Vermietung an die Schiffsfrachtgesellschaften aber lief und läuft über die Schweiz. „Die Schweizer P&R-Gesellschaft ist nicht im Insolvenzverfahren, also nicht im direkten Zugriff des deutschen Insolvenzverwalters“, sagte Jaffés Sprecher. Notwendig sei eine „ausgeklügelte mehrstufige Verwertungsstrategie“.

dpa

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