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Wirtschaft im Rest der Welt Habeck auf der IAA: Wenn ein Grüner mit dem Autoboss kuschelt
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17:16 13.09.2019
Kamen gut miteinander aus: Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG, und Grünen-Chef Robert Habeck auf der IAA. Quelle: Boris Roessler/dpa

Beide trafen sich auf der „Me Convention“. Das ist ein von Daimler organisiertes Entertainment-IAA-Begleitprogramm – mit Zeitgeist, Pulled Pork, Modedrinks und Blicken in die Zukunft. Es soll vor allem cool sein, nach Start-up und Loft schmecken. Habeck passte perfekt in dieses künstliche Soziotop. Leicht verspielt und etwas hyperaktiv dreht er sich in seinem breiten Sessel hin und her. Und bleibt immer nett bis charmant.

Daimler bietet viel Angriffsfläche - eigentlich

Dabei haben Källenius und sein Unternehmen nicht gerade wenig Angriffsfläche zu bieten. Warum prankten mit dem G 500 (263 Gramm CO₂ pro Kilometer) und dem GLS 580 (229 Gramm) die Superschwergewichte am Eingang zur Mercedes-Welt in der Festhalle? Warum zeigt der Konzern gerade einmal zwei halbwegs neue Elektroautos (EQV und EQC)? Und und und. Habeck ignoriert es. Stattdessen lobt er die „tollen Autos, die hier gezeigt werden“. Und er bekennt sich auch unumwunden dazu, „dass individuelle Mobilität als Freiheitsversprechen gelebt wird“. Irgendwann mittendrin bietet Källenius ihm an, am Montag im Vertrieb von Mercedes anzufangen. Aber Habeck lehnt lächelnd ab.

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Er will doch weiter Politiker bleiben. Das kann er dann vielleicht doch noch besser. Seine Talk-Taktik lässt es erahnen. Es ist der Versuch einer sanften Instrumentalisierung des neuen Daimler-Bosses, der als nahezu perfekter Schwiegersohn – inklusive blank geputzter Schuhe und nettem Schwedisch-Akzent – durchgehen kann. Deutschland sei hinter der Welle, sagt der Grünen-Politiker. Vier bis fünf Jahre zu spät. An der politischen Richtungsentscheidung habe es gemangelt. Jetzt müssten die Autobauer unter immensem Druck die Elektromobilität forcieren.

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Bauen die Hersteller nur hochpreisige E-Autos?

Im Klartext: Die Untätigkeit der Bundesregierung macht der PS-Branche das Leben schwer. Dann kommt doch noch eine sanft-kritische Anregung vom Grünen-Chef: Wer nur hochpreisige E-Autos anbiete, verliere den Markt. Man wolle die E-Mobilität von oben nach unten durchsetzen. Natürlich mit Hochdruck, merkt Källenius an. Vielleicht hat Daimler deshalb als Credo für diese IAA den Slogan vom „Modern Luxury“ ausgegeben. Und die A- und B-Klasse gebe es schon als Plug-in-Hybride, so der Daimler-Chef. Damit könne auch ein Normalverdiener von Montag bis Freitag emissionsfrei zur Arbeit fahren.

Habeck bekommt Steilvorlage. Und nutzt sie nicht

An dieser Stelle hätte Habeck intervenieren und Ökoaktivisten zitieren können, die Plug-ins als Mogelpackung bezeichnen, da sie im Alltagsbetrieb erheblich mehr Sprit verbrauchen, als die offiziellen Verbrauchswerte suggerieren. Beinahe eine Steilvorlage, doch Habeck nutzt sie nicht. Doch dann kommt die Kurvendiskussion: Habeck will von Källenius wissen, wie das ist mit „linearen Kurven“ bei Elektromobilität. Er meint die Pläne, die ein relativ gleichförmiges Ansteigen des Absatzes der Stromer prognostizieren. So laufe das doch nicht bei Innovationen. Wenn sich eine neue Technik durchsetze, dann gehe es ab einem bestimmten Punkt plötzlich ganz steil in die Höhe.

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Källenius räumt ein, dass das in bestimmten Märkten durchaus passieren könne. Dann könne man im Jahr 2030 hierzulande schon fast ganz ohne Verbrenner auskommen, meint Habeck und erinnert damit an die Wahlkampfidee der Grünen, die konventionellen Antriebe für Neuwagen komplett zu verbieten. Da hat Källenius erst gemerkt, worauf es hinausläuft: Es bringe jetzt nichts, über Stückzahlen zu diskutieren, denn jede Zahl sei falsch.

Grünen-Co-Chef fordert: Politik muss in die Gänge kommen!

Doch für Habeck ist der Nachweis erbracht. Den Mitgliedern des Bundeskabinetts müssten jetzt die Schweißperlen auf der Stirn stehen, sagt er. „Alles geht viel schneller als gedacht. Die Politik muss jetzt in die Gänge kommen.“ Källenius bleibt da nur noch der Hinweis, dass die Ladeinfrastruktur nun ausgebaut werden müsse. Während draußen vor der Halle der GLS 580 in der Sonne blinkt.

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