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Wirtschaft im Rest der Welt Meine Firma, mein Job, meine Bude: Warum Mitarbeiterwohnungen boomen
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15:34 01.11.2019
Nicht schön, aber praktisch: Die Wohnsiedlung Wellekamp, die für Mitarbeiter von Volkswagen erbaut wurde. Quelle: Matthias Leitzke/VW/dpa
Hannover

Wohnen bei der Firma statt in den eigenen vier Wänden: Was zunächst wenig verlockend klingt, kommt wieder in Mode. Angesichts der Wohnungsknappheit in vielen deutschen Städten sind Mitarbeiterwohnungen begehrt. Große Unternehmen wie Volkswagen setzen verstärkt auf das Konzept. Der Autobauer errichtet in den kommenden Jahren Hunderte Mitarbeiterwohnungen am Stammsitz Wolfsburg, sagt Meno Requardt, Geschäftsführer von Volkswagen Immobilien.

Mitarbeiterwohnung soll Arbeitgeber attraktiv machen

Die Idee dahinter bei VW wie auch bei anderen Firmen: Wer Fachkräften neben einem Anstellungsvertrag eine Wohnung anbieten kann, wird als Arbeitgeber attraktiver. Die mühsame Wohnungssuche entfällt einfach. Die Idee ist nicht neu. In den 1970er-Jahren gab es laut Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) schon 450.000 Mitarbeiterwohnungen hierzulande, vor allem bei früheren und heutigen Staatsunternehmen wie Deutsche Post und Deutsche Bahn. Doch nach und nach wurden die Wohnungen verkauft, etwa an Vorläufer heutiger Immobilienriesen wie Vonovia. Derzeit schätzt der GdW die Zahl der Werkswohnungen auf knapp 100.000.

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Bei VW sollen nun Hunderte dazukommen. Mit gut 9300 Wohnungen ist die VW-Immobilientochter bereits heute einer der großen Vermieter in Wolfsburg. Während in den 1990er-Jahren manche Volkswagen-Wohnung leer stand, gibt es heute 2000 registrierte Interessenten. Billiger als zu örtlichen Mieten gibt es die Apartments aber nicht: Knapp 7 Euro je Quadratmeter Kaltmiete werden für günstige Wohnungen fällig, ab 11 Euro bei Neubauten. Auch VW Immobilien will Geld verdienen.

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Mit Mitarbeiterwohnungen ist Volkswagen längst nicht allein. BASF und die Deutsche Bahn, aber auch kommunale Firmen wie die Stadtwerke München und manche Mittelständler setzen auf Werkswohnungen. Die Bahn gab erst im Juli den Startschuss für ein erstes Kooperationsprojekt mit einer Baugenossenschaft in München: 74 Wohnungen werden dort 15 Jahre lang günstig ausschließlich an Bahn-Mitarbeiter vermietet. Die Vermietung ist zwar auch für die Firmen aufwendig, doch gerade in Städten wie München sind die Wohnungen im Rennen um Personal Gold wert: Normalverdiener können sich dort kaum eine Wohnung leisten.

Auch BASF-Tochter besitzt Tausende Wohnungen

Kommen nun die Zeiten zurück, in denen Konzerne wie BASF oder Thyssenkrupp massenhaft Werkswohnungen errichten? In der Industrialisierung herrschte in Städten wie Ludwigshafen und Essen Wohnungsnot. So sprangen Firmen ein. Schon 1872 begann BASF mit dem Bau von mehr als 400 Wohnungen im Ludwigshafener Stadtteil Hemshof. Heute besitzt die BASF-Tochter Wohnen und Bauen rund 6000 Wohnungen in Ludwigshafen und Umgebung und baut jährlich 40 neue. Die Bewohner, meist Konzernbeschäftigte, können wählen, ob sie die Miete an BASF überweisen oder diese gleich vom Gehalt abgeht. Dort seien alle Mitarbeitergruppen vertreten – „vom Azubi bis zur Führungsspitze“, wirbt BASF. Wer den Chemiekonzern verlässt, kann dennoch in seinem Firmenapartment bleiben.

Mittel gegen Wohnungsnot – oder bloß PR-Instrument?

Mitarbeiterwohnungen könnten heute wieder ein Mittel gegen die Wohnungsnot sein, meint der Immobilienverband GdW. Denn Wohnraum auf Firmengrund lindert das Problem knapper Flächen in Städten. Rückenwind kommt von der Bundesregierung: Sie will Mitarbeiterwohnungen steuerlich fördern – mit einem Steuerfreibetrag für Mieter, wenn sie die Wohnungen vom Arbeitgeber günstiger bekommen als sonst üblich und so einen geldwerten Vorteil erlangen.

Eine Rückkehr zu Werkswohnungen in großem Stil wie im 19. Jahrhundert sieht Günter Vornholz aber nicht „Mitarbeiterwohnungen sind eher ein Marketinginstrument einzelner Unternehmen in Ballungsräumen“, sagt der Professor für Immobilienökonomie an der Bochumer EBZ Business School. Für eine Entlastung des Wohnungsmarkts reiche das nicht. „Bei rund 42 Millionen Wohnungen in Deutschland sind die Initiativen zu Mitarbeiterwohnungen ein Tropfen auf den heißen Stein.“

Diese Nachteile haben Mitarbeiterwohnungen

Ganz ohne Haken sind Mitarbeiterwohnungen auch nicht. So sind Streitigkeiten etwa um Reparaturen auch automatisch Konflikte mit dem Arbeitgeber – das kann unangenehm sein. Zudem dürfte sich nicht jeder darüber freuen, dass die Nachbarschaft meist aus Kollegen besteht. Und nicht zuletzt sollten Interessenten klären, ob sie bei einer Kündigung auch ihre Werkswohnung verlieren, meint Vornholz. „In diesem Fall binden sich Angestellte doppelt an ihren Arbeitgeber.“

RND/dpa

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