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Wirtschaft im Rest der Welt So geht es mit der Commerzbank nach der gescheiterten Fusion weiter
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15:09 08.05.2019
Salopp gesagt, dürfte es Martin Zielke wohl darum gehen, die Commerzbank aufzuhübschen. Quelle: Boris Roessler/dpa
Santander

Salopp gesagt, dürfte es Martin Zielke wohl darum gehen, die Commerzbank aufzuhübschen. Der Chef des Geldinstituts hat es am Mittwoch bei der Präsentation der Zwischenbilanz fürs erste Quartal natürlich anders formuliert: Konzentriert werde daran gearbeitet, „unsere Ertragskraft zu steigern“. Das wirkt wie ein entschiedenes „Weiter-so“. Vieles spricht dafür, dass ihm nach dem gescheiterten Versuch einer Fusion mit der Deutschen Bank nichts anderes übrig bleibt. Zwar gibt es mehrere potenzielle Alternativ-Partner, doch die geben sich aktuell eher zurückhaltend.

Immerhin, mit den Geschäftszahlen fürs erste Quartal hat die Commerzbank Analysten positiv überrascht. Entsprechend legte die Aktie an der Frankfurter Börse am Morgen zunächst zu. Doch das Plus zerbröselte zusehends im Handelslauf. Die Aktie, die in den vergangenen zwölf Monaten noch einmal ein Viertel ihres Werts verloren hat, rutschte wieder in den roten Bereich. Da kam nach Einschätzung von Branchenkennern zum Tragen, dass Zielke und Finanzchef Stephan Engels keinerlei Andeutungen für einen strikteren Sparkurs machten, den viele Beobachter für notwendig halten. Zielke und sein Team setzen eher auf einen Ausbau der Marktanteile, der vor allem langfristig höhere Gewinne sichern kann.

Geringe Rendite

Auf diesem Feld sind die Gelben in den ersten drei Monaten voran gekommen. Im Privatkundengeschäft kamen 123 000 Klienten hinzu – davon zwei Drittel bei der Online-Tochter Comdirect. Das sind insgesamt fast doppelt so viele wie im Vorjahreszeitraum. Auch im Geschäft mit Unternehmen tut sich was. Seit Jahresbeginn wurden 800 neue Firmenkunden akquiriert. Diese Entwicklung will Engels nun „verstetigen“.

Generell gelte es, dem Margenverfall entgegenzutreten, betonte Zielke. Die Commerzbank leidet besonders stark darunter, dass aufgrund des extrem niedrigen Zinsniveaus am Finanzmarkt die Spanne zwischen den Zinsen, die für Einlagen gezahlt werden müssen und die für Kredite verlangt werden können, winzig ist.

Dieser Effekt kommt beim Profit aus der betrieblichen Tätigkeit deutlich zum Tragen. Er ging um 5,6 Prozent auf 244 Millionen Euro zurück. Unter dem Strich soll der Rein-Gewinn in diesem Jahr aber leicht über dem Ergebnis von 2018 liegen, als 865 Millionen Euro verdient wurden. Das entsprach einer Rendite im Verhältnis zum eingesetzten Kapital von 3,4 Prozent.

9 Milliarden Euro Börsenwert, 23 Milliarden Euro Kapital

Selbst wenn diese Kennziffer etwas nach oben gedrückt werden könnte: Es wäre noch immer erheblich weniger als die Gewinnspanne vieler ausländischer Rivalen. Deshalb werden die Spekulationen über eine Übernahme der Commerzbank durch einen dieser Konkurrenten in den nächsten Wochen nicht aufhören. Zumal der Börsenwert des Instituts mit aktuell 9,6 Milliarden Euro niedrig ist. Denn zugleich verfügt es über eigenes Kapital von rund 23 Milliarden Euro. Ein Konkurrent könnte sich also die Bank für neun Milliarden kaufen und dafür 23 Milliarden bekommen. Wenn das kein Schnäppchen ist.

Immer wieder wird ein Interessenten-Quartett von ausländischen Geldhäusern genannt, das bereits hierzulande aktiv ist. Ganz oben auf der Liste steht Unicredit mit der deutschen Tochter Hypovereinsbank (HVB). Die Italiener sollen angeblich schon im Bundesfinanzministerium vorgefühlt haben - nach der Rettung durch den Staat während der Finanzkrise ist der Bund mit einem Anteil von 15 Prozent noch immer der größte Aktionär.

Unicredit verfügt über eine hohe Finanzkraft und ist hierzulande bereits auf zahlreichen Feldern aktiv – vom klassischen Filialgeschäft bis zum Investmentbanking. Mit einer Übernahme würde das Institut aus Mailand zum Herausforderer der Deutschen Bank. Konzernchef Jean-Pierre Mustier hat zwar immer wieder betont, ohne Übernahmen wachsen zu wollen, zugleich soll er Medienberichten zufolge aber eine Fusion der Gelben mit der HVB prüfen lassen.

ING steht bereit

Manager der niederländische ING sollen indes bereits Gespräche mit Zielke geführt und einen moderaten Personalabbau angeboten haben. ING-Chef Ralph Hamers hat sich ausdrücklich zu einer Expansionsstrategie bekannt, die auf Übernahmen beruht. Wobei die Niederländer mit der Digitalisierung ihrer eigenen Geschäfte schon weit voran geschritten sind.

Das könnte die Blaupause für ein Umkrempeln der Commerzbank sein. Auch der französischen BNP Paribas und der spanischen Santander Bank werden Avancen zugeschrieben. Allerdings haben die Franzosen jüngst erklärt, sie wollten sich erstmal auf die Digitalisierung des eigenen Hauses konzentrieren, und die Spanier betonen, dass sie lukrativere Geschäfte in Lateinamerika und den USA sehen.

Größte Hürde für eine Übernahme sind die enormen Umbau-Anstrengungen, die anstehen – inklusive mutmaßlich heftiger Stellenstreichungen vor allem in den vielen Filialen. Einerseits drückt dies den Preis und andererseits muss die Bundesregierung sich entscheiden, wie sie als Großaktionär mit dem höchst unpopulären Thema Jobabbau umzugehen gedenkt. Viele Experten gehen davon aus, dass unter Berücksichtigung der wichtigen Landtagswahlen im Herbst in Ostdeutschland erstmal die Füße stillgehalten werden. Dazu passt die Ansage von Zielke, dass man ebenfalls im Herbst die Strategie für das Institut überprüfen werde – das dann noch etwas mehr aufgehübscht sein könnte.

Von RND/Frank-Thomas Wenzel