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Wirtschaft im Rest der Welt Dax-Konzern wehrt sich gegen Betrugsvorwürfe
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21:01 04.02.2019
Die Wirecard-Zentrale in Aschheim bei München beherbergt den jüngsten Dax-Konzern. Quelle: Peter Kneffel/dpa
München

Nach schwerwiegenden Vorwürfen wegen angeblicher krimineller Geschäfte in Singapur geht der Zahlungsdienstleister Wirecard in die Offensive. Vorstandschef Markus Braun und Finanzvorstand Alexander von Knoop sagten, sowohl die interne als auch die externe Untersuchung durch eine Anwaltskanzlei in Singapur hätten keine Verfehlungen ergeben. „Dieses ganze Ereignis ist ein Nichtereignis“, sagte Braun. Der Hightech-Konzern, der 2002 knapp der Pleite entronnen war und dann binnen 16 Jahren in den Deutschen Aktienindex (Dax) aufstieg, stellte die Vorwürfe als Konflikt zwischen zwei Mitarbeitern dar.

Dagegen stehen bisher zwei Berichte der „Financial Times“ (FT). Demnach hat die britische Wirtschaftszeitung Einblick in Dokumente einer Anwaltskanzlei erhalten, die im Auftrag von Wirecard interne Vorgänge untersuche. Die Unterlagen belegten Urkundenfälschung, die auch dahinter stehende Vergehen wie Betrug, Untreue oder Geldwäsche verdecken könne, hieß es. Es soll um zweifelhafte Zahlungen von 37 Millionen Euro gehen. Das Topmanagement unter Braun sei davon im Mai 2018 informiert worden. Nach den Betrugsvorwürfen brach der Aktienkurs in der vergangenen Woche in zwei Schüben um gut ein Drittel ein.

Nun kämpft Wirecard um Ansehen und Vertrauen. Am Montag schilderten sie die Vorgänge aus ihrer eigenen Sicht: Vorigen April habe ein Mitarbeiter in Singapur gegenüber der lokalen Wirecard-Rechtsabteilung Vorwürfe gegen einen Kollegen erhoben. Dieser habe zwischen 2015 und 2018 im Umfang von 13,6 Millionen Euro Rechnungslegungsvorschriften verletzt. Eine interne und vom Management nicht beeinflusste Untersuchung habe nachgewiesen, dass die Vorwürfe unbegründet seien.

Bafin prüft den Fall

Im Mai sei bei der Rechtsanwaltskanzlei Rajah & Tann eine unabhängige zweite Prüfung in Auftrag gegeben worden, die bald abgeschlossen sei. In einem Zwischenstand heißt es: „Wir haben bis heute keine schlüssige Feststellung für ein strafbares Fehlverhalten von Führungskräften oder Mitarbeitern des Unternehmens gefunden.“ Das beruhigte die Börsen am Montag etwas. Die Wirecard-Aktie stieg deutlich – sie hat damit die Verluste der Vorwoche aber nur zum Teil wettgemacht.

Neben der Polizei in Singapur und der Münchner Staatsanwaltschaft befasst sich auch die Finanzaufsicht Bafin mit dem Fall: Sie prüft, ob es Marktmanipulationen gab – ob die Wirecard-Aktie also möglicherweise mit kriminellen Methoden auf Talfahrt geschickt wurde. Es wäre nicht das erste Mal: 2016 wurden bereits Zweifel an der Bilanzierung von Wirecard gestreut, die nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft dazu dienten, den Kurs zu drücken. Sogenannte Leerverkäufer, die auf fallende Kurse gewettet haben, wollten so ein sicheres – aber illegales – Geschäft machen

Volatile Hightech-Aktien sind besonders anfällig für Gerüchte. Dazu kommt die Vergangenheit von Wirecard. Kunden der ersten Stunde waren Pornoseiten und Onlinekasinos. Diese zwielichtige Branche war die erste, die den von Wirecard propagierten bargeldlosen Zahlungsverkehr schätzen lernte. Das Schmuddel-Image wirkt bis heute nach.

Ehrgeizige Pläne

Inzwischen spielt Wirecard allerdings in einer anderen Liga. Das Unternehmen wickelt Onlinezahlungen für immer mehr Firmenkunden wie Fluggesellschaften, Handelskonzerne, Telekommunikationsunternehmen und Banken ab. 2017 hat das Hightech-Unternehmen für Dritte Umsätze von 91 Milliarden Euro bewegt. Für 2025 werden über 700 Milliarden Euro Transaktionsvolumen angepeilt, bei dann 3,3 Milliarden Euro eigenem Umsatz. 2017 waren es 1,5 Milliarden Euro.

Trotzdem ist sich nicht jeder Experte so sicher wie Robin Brass, Analyst beim Bankhaus Hauck & Aufhäuser. „Das ist ein totales Non-Event“, sagt er. Wirecard verhalte sich völlig korrekt und betreibe Aufklärung.

Von Thomas Magenheim

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