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Wissen Abschuss-Debatte: Was schützt am besten vor dem Wolf?
Nachrichten Wissen Abschuss-Debatte: Was schützt am besten vor dem Wolf?
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19:45 12.06.2019
Wölfe sind seit einigen Jahren wieder in Deutschland heimisch. Quelle: Swen Pförtner/dpa
Berlin

Im heftigen Streit um den Abschuss von Wölfen in Deutschland fordern Natur- und Tierschützer bundesweit einheitliche Regeln und mehr Unterstützung für den Schutz von Weidetieren. Elf Organisationen aus der Landwirtschaft, dem Naturschutz und der Jagd haben sich bei der Forderung zusammengetan. Nabu, WWF und BUND gehören dazu, genauso wie der ökologische Jagdverband und der Verband der Berufsschäfer.

Der Herdenschutz sei der Schlüssel im Umgang mit Wölfen, sagte Nabu-Präsident Olaf Tschimpke am Mittwoch in Berlin mit Blick auf Rufe, den Abschuss der Tiere zu vereinfachen. Herdenschutz bedeutet, dass Kühe oder Schafe nicht einfach ohne Zaun oder Schutzhunde weiden können, sondern mindestens von einem starken Elektrozaun umgeben sein sollten.

Jahrelanger Streit

Seit Jahren wird erbittert über den Umgang mit den streng geschützten Wölfen gestritten. Bisher dürfen nur einzelne Tiere abgeschossen werden, wenn sie mehrfach auffällig geworden sind und Tiere gerissen haben. Das Thema „Wolf“ werde genutzt, um Naturschutz und Landnutzung gegeneinander auszuspielen. Dabei müsse beides miteinander versöhnt werden. Dafür solle das Bündnis der Verbände stehen, sagt Tschimpke.

Zwei andere große Organisationen lehnten die Forderungen allerdings ab. Sowohl der Bauernverband DBV als auch der Jagdverband DJV schlossen sich dem neuen Bündnis nicht an. Unter dem Stichwort „Wolfsmanagement“ fordern sie, Wolfsabschüsse zu erlauben, auch wenn kein unmittelbarer Angriff eines Tieres vorgefallen ist. Sie wollen damit die Zahl der Wölfe insgesamt begrenzen oder auch wolfsfreie Zonen schaffen. Die Gegenseite lehnt das strikt ab. Gegenseitig werfen die Beteiligten sich „Wolfsromantik“ beziehungsweise „Angstmacherei“ und Populismus vor.

So viele Wölfe gibt es in Deutschland

Seit der Jahrtausendwende breiten sich Wölfe in Deutschland aus, nachdem sie lange ausgerottet waren. 2017/2018 ergab das Monitoring der Behörden 75 Rudel, 30 Paare und drei Einzeltiere. Wie viele Wölfe das sind, ist schwer zu sagen, da die Rudelgröße schwankt, es sterben viele Welpen. Das Umweltministerium spricht von drei bis acht Wölfen pro Rudel, der Nabu von acht. Damit käme man auf 600 bis 700 Tiere. Die meisten leben in Ost- und Norddeutschland.

Mehr zum Thema:Bestätigte Wolfsterritorien in Deutschland

Laut Statistik für 2017 gab es insgesamt 472 Angriffe auf 1667 Weide- und Gehegetiere, davon 1366 Schafe. Menschen sind nicht gebissen worden.

Politiker wollen Wolfsbestand regulieren

Meist steht in der Debatte der Abschuss von Wölfen im Vordergrund, das Kabinett der Bundesregierung hat dazu im Mai einen Gesetzentwurf verabschiedet. Er erleichtert den Abschuss von Wölfen nach Schäden - dass es Wolfsrisse gibt, bleibt aber Voraussetzung. Die Union will den Entwurf im Bundestag nachschärfen. Das Schaffen wolfsfreier Zonen bleibe auf der Tagesordnung, sagte Fraktionsvize Gitta Connemann der Deutschen Presseagentur. „Der beste Herdenschutz ist die Regulierung von Wolfsbeständen.“

Das sieht das Naturschutz-Bündnis anders. Robert Kless vom International Fund For Animal Welfare sagt, da Wölfe sehr mobil seien und pro Nacht bis zu rund 70 Kilometer zurücklegten, könnten sie überall in Deutschland auftauchen. Es brauche deshalb überall Herdenschutz - auch wenn es weniger Tiere seien. Eckard Fuhr vom Ökologischen Jagdverband sagt, an der Schadensstatistik lasse sich ablesen, dass mehr Wölfe nicht automatisch mehr Schäden bedeuteten, wenn Herdenschutz umgesetzt werde.

Das fordern die elf Verbände

Die elf Verbände fordern unter anderem, dass zusätzlicher finanzieller und personeller Aufwand zum Schutz von Weidetieren vor Wölfen zu 100 Prozent aus öffentlichen Mitteln bezahlt wird - beispielsweise höhere Zäune, Elektrozäune oder Hütehunde. Auch für die Entschädigung von Schäfern für gerissene Tiere und für den Abschuss auffälliger Wölfe machen sie Vorschläge. Auffällige Wölfe zu töten müsse „das letzte Mittel im Einzelfall“ sein.

Die Initiative „Wolf bleibt Wolf“, hinter der unter anderem Bauern- und Jagdverband stehen, kritisierte den Vorstoß: „Betroffene Weidetierhalter und Nutzerverbände waren wohlweislich nicht eingeladen, sich zu beteiligen“, hieß es in einer Mitteilung. Für Deutschland müsse ein „Akzeptanzbestand“ an Wölfen definiert werden, der über Jagd erreicht werden solle.

Bauernverbands-Generalsekretär Bernhard Krüsken sagte, in vielen Regionen gelte heute schon „Wolf oder Weide“, nicht beides zusammen. „Ohne aktives Wolfsmanagement hilft der Herdenschutz nicht.“

Das hessische Umweltministerium hat bereits reagiert und angekündigt, Halter von Weidetieren künftig besser zu unterstützen. Das Land will sich pro Hektar mit 31 Euro an den Kosten für Herdenschutz beteiligen.

Mehr zum Thema:Wolf im Wald: Verhaltensregeln für Spaziergänger

Von RND,Teresa Dapp,dpa