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06:00 12.03.2019
Atemnot und Brustschmerzen können Anzeichen eines Herzinfarkts sein. Quelle: Fotolia
Hamburg

Atemnot, Brustenge, Schmerzen – schon die Vorstellung, einen Herzinfarkt zu bekommen, macht vielen Menschen Angst. Dabei muss er längst nicht immer tödlich ausgehen: Mehr als 200 000 Deutsche erleiden ihn pro Jahr, und mehr als drei Viertel davon überleben. Der Herzinfarkt wird als Todesursache immer seltener – dank neuer Behandlungsmethoden und Prävention. „In Deutschland steigt die Lebenserwartung alle 20 Jahre im Durchschnitt um fünf Jahre an. Das ist zur Hälfte auf die gute Behandlung und Prävention von Herz-Kreislauf-Krankheiten zurückzuführen“, sagt Philipp Wild. Der Professor forscht als Spezialist für präventive Kardiologie am Universitätsklinikum Mainz und ist Mitglied im staatlich finanzierten Forschungsverbund DZHK (Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung).

Herzinfarkt: Stents verhindern erfolgreich Gefäßverengung

Bei Herzinfarktpatienten sind zuvor wichtige Arterien des Herzens durch Ablagerungen in der Gefäßwand verengt, man spricht auch von einer Arteriosklerose der Herzkranzgefäße. Zum Infarkt kommt es, wenn sich die Gefäße – meist durch ein Gerinnsel – ganz verschließen und das Herz nicht mehr durchblutet wird.

Dass es immer weniger schwere Infarkte mit tödlichen Folgen gebe, habe mehrere Gründe, sagt Wild: „Es liegt zum einen daran, dass es immer besser gelingt, hohen Blutdruck zu senken.“ Unbehandelt schädigt der auf Dauer die Gefäße und begünstigt ihre Verstopfung, wodurch das Herzinfarktrisiko steigt. Durch die Nichtrauchergesetze würden laut Wild zudem immer mehr Menschen auf das Rauchen verzichten, das ebenfalls die Gefäße verengt, so dass ein weiterer Risikofaktor entfällt.

Nicht zuletzt habe es Fortschritte bei der Therapie der Gefäßverengung gegeben, die dem Herzinfarkt vorausgeht, führt der Kardiologe weiter aus. Um zu verhindern, dass sich die Arterien verschließen, werden seit Jahren winzige Röhrchen, sogenannte Stents, in die Gefäße eingesetzt, die verengte Stellen offen halten. Die Lösung ist nicht perfekt, denn die Stents können sich verschieben oder nach einiger Zeit verstopfen. „Dank der neuesten Technik funktioniert die Therapie mit Stents aber immer besser“, sagt Herzexperte Wild.

Denn moderne Geräte liefern immer besser aufgelöste Bilder aus dem Inneren der Gefäße. Ärzte können so erkennen, welche Art von Stent am besten passt, wie sie diesen perfekt platzieren und mit welchen Medikamenten sie den Patienten zusätzlich behandeln sollten.

Richtiges Verhalten bei einem Herzinfarkt kann Leben retten. Hier erfahren Sie, welche Maßnahmen im Notfall ergriffen werden sollten und welche Reihenfolge es dabei zu beachten gilt.

Diabetes begünstigt schädliche Ablagerungen

Alte und neue Risikofaktoren sorgen trotzdem weiter dafür, dass Herz-Kreislauf-Leiden eine Volkskrankheit bleiben. Wild hat gerade erst einen Vortrag darüber gehalten, wie schädlich die immer beliebter werdenden E-Zigaretten sind: „Auch sie können die Arteriosklerose fördern.“

Zudem leiden immer mehr Menschen an Diabetes Typ 2, was die Arteriosklerose, die Verengung der Gefäße durch Ablagerungen, begünstigen kann. Die Stoffwechselstörung wiederum ist oft die Folge von Bewegungsmangel und schlechter Ernährung, häufig begleitet von Übergewicht. „Das Übergewicht an sich ist dabei nicht das Problem, man kann auch mit einem hohen Körpergewicht gesund sein. Gefährlich ist aber eine ungünstige Fettverteilung, bei der es zur Fettansammlung zwischen den Organen kommt“, sagt der Professor.

Zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Krankheiten könnten in Zukunft passgenaue Sport- und Bewegungsprogramme dienen. „Momentan wird daran geforscht, durch welche Form von Bewegung man möglichst effektiv und mit wenig Zeitaufwand am meisten für die Gesundheit erreichen kann“, sagt Wild.

Das ideale Training werde sich dann nicht nur danach richten, wie alt jemand ist, wie gesund, ob Mann oder Frau –, sondern auch danach, was genau er damit bewirken will: „Manche Trainingsintensitäten sind zum Beispiel ideal, um den Blutzuckerspiegel zu senken, mit anderen lässt sich das Herz-Kreislauf-System besser trainieren.“

Stress: Wichtige Ursache für Herzinfarkte

Eine weitere wichtige Ursache für Herzinfarkte bleibt zudem Stress in Beruf und Alltag. Um stressbedingte Herzinfarkte zu verhindern, arbeitet Wild mit Experten zusammen, die am Deutschen Resilienzzentrum in Mainz die seelische Gesundheit erforschen. Schlecht für die Gesundheit sei es nicht in erster Linie, viel zu arbeiten, sagt der Kardiologe: „Problematisch ist es, wenn man ständig das Gefühl hat, unter Druck zu stehen und seinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht zu werden.“ Besonders anstrengend sei die Doppelbelastung durch Beruf und Familie, die meist Frauen betrifft.

Das ideale Training werde sich dann nicht nur danach richten, wie alt jemand ist, wie gesund, ob Mann oder Frau –, sondern auch danach, was genau er damit bewirken will: „Manche Trainingsintensitäten sind zum Beispiel ideal, um den Blutzuckerspiegel zu senken, mit anderen lässt sich das Herz-Kreislauf-System besser trainieren.“

Überflutung von Stresshormonen verengen Gefäße

Stress fange heute aber schon in jungen Jahren an und sei zum Teil selbst gemacht. Gerade junge Leute, die in das Internetzeitalter hineingeboren wurden, hätten oft „völlig überzogene Erwartungen an sich selbst und das Leben“, meint Wild. Das schade langfristig der Gesundheit: „Zu einem Herzinfarkt kommt es ja nicht von heute auf morgen, er hat eine Vorgeschichte von 20 bis 30 Jahren.“

Denn der Organismus könne zwar mit vorübergehenden Belastungssituationen umgehen: „Er ist aber nicht dafür gemacht, jahrelang mit Stresshormonen überflutet zu werden“, sagt Wild. Unter anderem führt das dazu, dass sich die Gefäße verengen, leichter verstopfen und der Blutdruck steigt – so schafft Stress die idealen Vorbedingungen für einen Herzinfarkt.

„Uns interessiert bei unserer Forschung vor allem, warum manche Menschen stärker mit Krankheit auf Stress reagieren als andere“, sagt Herzspezialist Wild. Es gibt immer auch Menschen, die trotz einer ungesunden Lebensweise alt werden. Umgekehrt bekommt mancher Nichtraucher einen Infarkt, der sich gut ernährt und viel bewegt hat.

Die Antwort auf diese Fragen liegt in den Genen – eine Analyse unseres Erbguts wird bei der Prävention von Krankheiten daher immer wichtiger werden.

Die Therapien der Zukunft

Rauchen, Bewegungsmangel, Stress und die falsche Ernährung erhöhen statistisch gesehen das Risiko für Herz-Kreislauf-Leiden. Aber: Trotz ungesunder Lebensweise erreichen viele Menschen ein hohes Alter. Und andere erkranken, obwohl sie immer gut auf sich geachtet haben. Schuld daran sind unsere Gene, die uns anfälliger für bestimmte Krankheiten machen – oder uns vor ihnen schützen. Welche es im Einzelfall sind, ist nicht immer bekannt. Deshalb versuchen Wissenschaftler seit Jahren, mehr darüber herauszufinden.

In riesigen Biobanken werden heute weltweit Blut-, Gewebe- und Speichelproben von Patienten gelagert, die es möglich manchen, ihr Erbgut zu analysieren. Computerprogramme suchen nach Zusammenhängen zwischen der Krankheitsgeschichte und der Ausprägung bestimmter Gene.

Gentests sollen eines Tages nicht nur verraten können, wie hoch das Herzinfarktrisiko eines Patienten ist – sondern auch, mit welcher Behandlung man ihn am besten davor schützen kann. Man spricht bei diesem Vorgehen auch von der individualisierten Medizin. Wie bei vielen anderen Bereichen spielt sie bei der Forschung zu neuen Therapien für Herz-Kreislauf-Krankheiten eine entscheidende Rolle. Mediziner hoffen, mit Medikamenten diejenigen schützen zu können, die es nicht schaffen, von einem ungesunden Lebenswandel loszukommen.

Die individualisierte Medizin wirft viele ethische Fragen auf. So will nicht jeder sein Risiko für gefährliche Krankheiten kennen – erst recht nicht, bevor eine wirksame Therapie zur Verfügung steht. Gleichzeitig sind Erbgutanalysen höchst persönliche Informationen, die gut geschützt werden müssen.

Von RND / Irene Habich

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