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Wissen Aufenthaltsbestimmung: Wo soll das Kind nach der Trennung wohnen?
Nachrichten Wissen Aufenthaltsbestimmung: Wo soll das Kind nach der Trennung wohnen?
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16:54 05.08.2019
Beim Aufenthaltsbestimmungsrecht steht das Wohl des Kinders im Vordergrund. Quelle: Marcel Kusch/dpa
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Koblenz

Wer bekommt das Aufenthaltsbestimmungsrecht? Über diese Frage gibt es zwischen Ex-Partnern oft Streit. Oft stellen beide Elternteile einen Antrag auf Aufenthaltsbestimmung. Gerade wenn Mutter oder Vater planen, mit dem Kind weit weg zu ziehen, wird im Einzelfall entschieden. Gerichte müssen bei der Entscheidung auch die Bedürfnisse des Kindes berücksichtigen.

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Richter entscheiden: Aufenthaltsbestimmung erst nach Schulabschluss

Selbst wenn ein Elternteil das Aufenthaltsbestimmungsrecht zugesprochen bekommt, muss unter Umständen mit Auflagen gerechnet werden, erklärt die Arbeitsgemeinschaft Familienrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV). So entschied das Oberlandesgericht Koblenz, dass eine Mutter erst mit ihrem Sohn umziehen darf, nachdem dieser die Grundschule beendet hat.

In dem konkreten Fall wollte die Mutter zusammen mit ihrem Sohn zu ihrem neuen Partner ziehen. Dieser lebte in 200 Kilometer Entfernung. Damit war der Vater aber nicht einverstanden. Beide Elternteile wollten über den Aufenthaltsort des Kindes bestimmen dürfen.

Das Gericht sprach das Recht der Mutter zu. Allerdings mit der Einschränkung, dass der Neunjährige zuerst die vierte Klasse beenden muss. Die Begründung: Negative Folgen eines Umzugs seien möglichst gering zu halten. Daher sei es besser, wenn das Kind die Grundschule noch in seiner gewohnten Umgebung abschließt. Danach würde für den Jungen ohnehin ein Umbruch anstehen.

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Aufenthaltsbestimmungsrecht: Der Einzelfall entscheidet

Bei der Entscheidung, wo das Kind nach der Trennung wohnen soll, steht stets das Wohl des Kindes im Vordergrund. Daher müssen einzelne Umstände genau abgewägt werden, heißt es bei den Famili­enanwälten des DAV. Das Oberlandesgericht München erklärte dies in einem Urteil vom April 2009. Konkret ging es in dem Fall um eine Mutter, die mit ihrem Kind zu ihrem Lebensgefährten nach Mexiko ziehen wollte. Der Vater stellte allerdings ebenfalls einen Antrag auf Aufenthaltsbestimmungsrecht und argumentierte, dass sein Umgangsrecht mit seiner Tochter dadurch gefährdet wird. Zudem befürchtete er, dass seine Tochter einen kompletten Bruch ihrer Lebensumstände erleiden würde.

Auch in diesem Fall erhielt die Mutter das Aufent­halts­be­stim­mungs­recht, da der Umzug nach Ansicht des Gerichts nicht das Kindeswohl gefährdete. Denn die Tochter war mit dem Umzug einverstanden, sah ihre Mutter als Hauptbezugsperson an und mochte auch ihren Lebenspartner. Zudem versicherte die Mutter dem Vater, dass er das Kind häufig in den Ferien sehen durfte. Für die Entscheidung der Richter spielten auch die Gründe der Mutter für den Umzug eine ausschlaggebende Rolle: Sie wollte nach Mexiko ziehen, um ihre private und berufliche Situation zu verbessern.

Von RND/dpa/bk