Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Wissen Elefanten und Eisbären: Streit um Trophäenjagd auf bedrohte Arten entbrannt
Nachrichten Wissen Elefanten und Eisbären: Streit um Trophäenjagd auf bedrohte Arten entbrannt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:47 18.08.2019
Ein Elefantenfuß dient als Getränkehalter im Präsidentenpalast in Addis Abeba, Äthiopien. Quelle: Britta Pedersen/dpa
Genf

Sambia, Botsuana, Namibia und Simbabwe haben die Anträge eingereicht, über die die Artenschutzkonferenz beschließen soll. Das sind Länder, in denen die Jagd auf Großwild wie Elefanten, Leoparden, Löwen und Eisbären boomt. Die getöteten Tiere oder Teile von ihnen werden dann in die jeweiligen Heimatländer der Touristen importiert. Dort dienen sie als "Trophäen" in Haus oder Garten.

Die Staaten begründen ihre Anträge auf Lockerung des Elefantenschutzes damit, dass ihre Schutzmaßnahmen erfolgreich gewesen seien. In Botsuana etwa sei die Population zwischen 2002 und 2015 von rund 100.000 auf 130.000 Tiere gewachsen, so die Auskunft der Regierung. Die Zahlen werden jedoch vielfach widerlegt.

Lesen Sie auch: Botsuana gibt Elefanten wieder zum Abschuss frei

600 Prozent mehr frische Elefantenkadaver

Das Fachjournal "Current Biology" berichtete, 2018 seien im Norden des Landes 600 Prozent mehr frische Elefantenkadaver gefunden worden als 2014. Im vergangenen Jahr seien in dem Land 156 Elefanten gewildert worden. In der Zählung des "Great Elephant Census" hieß es 2016, seit 2010 sei die Population dort schon wieder um 15 Prozent geschrumpft.

Lesen Sie auch: Artenschutz-Konferenz fordert: Keine Jagd auf Giraffen

Nach Schätzungen der Weltnaturschutzunion (IUCN) gab es 1980 rund 1,3 Millionen Afrikanische Elefanten. In den systematisch untersuchten Gebieten betrug ihre Zahl 2015 noch 415.000 - plus/minus 20.000, so die IUCN. Die Einschränkung des Lebensraums ist ein Problem, aber auch die Wilderei.

"Es darf keine Lockerung geben", sagte Arnulf Köhncke von der deutschen Sektion der Umweltstiftung WWF am Sonntag in Genf. "Es wäre zu schwierig, den Handel zu regulieren." Wilderer könnten Elfenbein als Material von legal gejagten Tieren ausgeben, für Zöllner wäre es schwierig, illegales von legalem Elfenbein zu unterscheiden. "Und das Signal an Konsumenten wäre fatal: Wenn Elfenbein wieder legal zu kaufen wäre, würde die Nachfrage steigen."

Lesen Sie auch: 520 illegale Tötungen: Wilderer bedrohen das Überleben der Elefanten

Die neue Generalsekretärin des Übereinkommens, Ivonne Higuero, hat Verständnis, dass Länder von ihren Tieren auch wirtschaftlich profitieren wollen. "Der Schutz und der legale Handel mit Wildarten tragen zu nachhaltiger Entwicklung bei, das ist bewiesen", sagte sie. "Tourismus ist ein Teil der Lösung, aber wir müssen weitere Lösungen im Rahmen legalen Handels finden."

Jagdverbände befürworten naturgemäß eine Lockerung des Schutzes. Geld aus Abschusslizenzen könnte etwa in Bildungseinrichtungen oder die Sanitärversorgung der örtlichen Bevölkerung fließen, sagte Dietrich Jelden, Experte beim Internationalen Rat zur Erhaltung der Jagd und des Wildes (CIC). Die Einnahmen kämen aber vor allem den Organisatoren von Jagdreisen zu Gute, nicht der Bevölkerung, meint dagegen Daniela Freyer, Mitbegründerin der Organisation Pro Wildlife.

18.000 Ausländer auf Großwildjagd

Allein in Afrika gehen jedes Jahr mehr als 18.000 Ausländer auf Großwildjagd und töten dabei mehr als 100.000 Wildtiere, heißt es von der Naturschutzorganisation Pro Wildlife. Darunter seien zahlreiche bedrohte Arten wie Leoparden, Nashörner, Eis- und Braunbären, Wölfe und Wildkatzen, deren Trophäen auch ganz legal nach Deutschland importiert werden würden. Nach den USA und Spanien seien deutsche Jäger EU-Spitzenreiter bei der Jagd auf gefährdete und geschützte Arten.

Deutsche Einfuhrlizenzen um 30 Prozent gestiegen

Trotz umfassenden Schutzes dürfen Elefanten und andere Tiere heute noch als Jagdtrophäen auch nach Deutschland eingeführt werden. Im vergangenen Jahr wurden unter anderem Einfuhrlizenzen für 48 Elefanten, 31 Leoparden, 17 Löwen und vier Eisbären ausgestellt, wie aus der Antwort auf eine Anfrage der Grünen im Bundestag hervorgeht. Die Kampagne zum Verbot von Jagdtrophäen schreibt nach einer Analyse von Cites-Statistiken, dass die Einfuhrlizenzen für Jagdtrophäen aller Art in Deutschland von gut 1000 im Jahr 2007 auf fast 1300 im Jahr 2017 gestiegen seien.

Über die Anträge zu Elefanten wird voraussichtlich am Donnerstag (22. August) debattiert. Seit Samstag beraten in Genf Vertreter der 183 Unterzeichner des Washingtoner Artenschutzübereinkommens über den Handel mit wilden Tieren und Pflanzen (Cites). Der kommerzielle Handel mit Elfenbein ist zur Zeit verboten. Die Konferenz befasst sich bis zum 28. August unter anderem auch mit Tropenhölzern, exotischen Tieren für den Heimtierhandel sowie Giraffen, Rochen und Haien.

Lesen Sie auch: So soll ein ausgestorbenes Nashorn wiederbelebt werden

Graue Haare - den einen graut es, den anderen freut es. Neben zunehmendem Alter gibt es aber auch andere Ursachen für Silbersträhnen. Ob gefärbt oder unbehandelt: Wie pflegt man sie richtig?

02.09.2019

Ein paar Tage Abstand: Häufig einigen sich Paare, die in einer Beziehungskrise stecken, auf diese Idee. Doch nicht immer heilt Zeit alle Wunden.

02.09.2019

Schon vor dem 19. Jahrhundert trug die geneigte Frau Krawatte. Dann verschwand sie nahezu gänzlich aus der femininen Garderobe - bis 2006 japanische Frauen den Selbstbinder für sich wiederentdeckten. Jetzt setzen internationale Designer auf die Krawatte für die Frau. Alltagstauglicher Trend oder nur eine Laufsteg-Erscheinung?

02.09.2019