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Wissen Erhöhen Fahrdienste wie Uber das Verkehrsaufkommen?
Nachrichten Wissen Erhöhen Fahrdienste wie Uber das Verkehrsaufkommen?
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16:39 10.05.2019
Ein Fahrer in Los Angeles weist sich mit Aufklebern für Kunden als Anbieter von Uber- und Lyft-Fahrten aus. Quelle: AP/Richard Vogel
Lexington

Entgegen gängiger Annahmen können Fahrdienste wie Uber den Verkehr in Städten zusätzlich belasten. Das zumindest ergab eine Einzelanalyse für die US-amerikanische Stadt San Francisco. Vermittlungsdienste wie Uber und Lyft trügen dort erheblich zum steigenden Verkehrsaufkommen bei, berichten Forscher um Gregory Erhardt von der University of Kentucky in Lexington im Fachjournal „Science Advances“. Christian Winkler vom Institut für Verkehrsforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Berlin ist von dem Ergebnis nicht überrascht: „Ein neues Verkehrsangebot bedeutet auch eine Attraktivitätssteigerung des Verkehrs an sich.“

Ent- oder Belastung des urbanen Verkehrs?

Verdrängen Fahrdienste in erster Linie private Fahrten – oder werden sie anstelle von Bus, Bahn, Fahrrad oder den eigenen Füßen genutzt? Studien waren zu unterschiedlichen Ergebnissen dazu gekommen, ob die Dienste den Verkehr ent- oder noch zusätzlich belasten. Zumeist ist die Datenlage dazu dünn. Die Forscher um Erhardt modellierten nun den Verkehr in San Francisco für 2016 mit und ohne durch Uber und Lyft vermittelte Fahrten und verglichen ihn mit dem Verkehr von 2010.

„Da sie das Potenzial haben, die Abhängigkeit von Privatwagen zu reduzieren, legen die Fahrtenvermittlungs-Unternehmen eine Zukunftsvision vor, in der sie die Verkehrsbelastung reduzieren und die Nutzung von Straßen für andere Zwecke ermöglichen.“ Diese Vision habe man prüfen wollen. Genutzt wurden dafür Computermodelle sowie große Datensätze zu von Uber und Lyft vermittelten Fahrten. Diese wurden mit über GPS ermittelten Geschwindigkeitsdaten und dem Fahrtennachfragemodell für San Francisco, “SF-CHAMP“ genannt, kombiniert.

Verkehrsaufkommen angestiegen

Kalibriert wurde das Modell für das Jahr 2010, in dem die Dienste noch kaum eine Rolle spielten. Dann verglichen die Forscher das Verkehrsaufkommen mit dem von 2016. Dabei berücksichtigten sie den Anstieg der Einwohnerzahl in diesem Zeitraum von 805 000 auf 876 000 sowie den der Zahl an Arbeitsplätzen von 545 000 auf 703 000. Auch große Baustellen, Verkehrsberuhigungsmaßnahmen und andere Veränderungen wurden einkalkuliert. Auf diese Weise wurde für 2016 das gemessene Verkehrsaufkommen ohne Fahrdienste vorhergesagt. Wenn Uber und Lyft den Verkehr entlasten, hätte der tatsächlich gemessene Verkehr geringer ausfallen müssen als der modellierte, erklären die Forscher. Sie fanden aber das Gegenteil: So stiegen von 2010 bis 2016 die zurückgelegten Meilen pro Fahrzeug um 13 Prozent, ohne Uber und Lyft wären es der Rechnung zufolge nur etwa 7 Prozent gewesen.

Die gefahrenen Stunden pro Fahrzeug erhöhten sich um 30 Prozent, vorhergesagt ohne Uber und Lyft nur um 12 Prozent. Die Anzahl der verspäteten – also in Stau oder stockendem Verkehr verlorenen – Stunden pro Fahrzeug lag 2016 sogar um 62 Prozent höher als 2010, ohne die von Uber und Lyft vermittelten Fahrten wären es dem Modell zufolge nur 22 Prozent gewesen.

Busnutzer steigen eher auf Fahrdienste um als Bahnnutzer

Insgesamt nahm die Durchschnittsgeschwindigkeit auf den Straßen von San Francisco um 13 Prozent ab, ohne Uber und Lyft wären es der Rechnung zufolge nur 4 Prozent gewesen. Die Forscher erklären das unter anderem damit, dass das Abholen und Absetzen von Mitfahrern am Straßenrand den Verkehr stocken lässt. Auch habe sich die Nutzung von Bussen – im Gegensatz zur Bahnnutzung – im betrachteten Zeitraum nicht erhöht, was auf einen Umstieg von Busnutzern auf Uber und Lyft hindeute. Hinzu kommt einer früheren Studie zufolge, dass 70 Prozent derjenigen, die Fahrten über Uber oder Lyft anbieten, außerhalb von San Francisco leben, wodurch die Fahrten in die Stadt hinein zunehmen.

Dass Fahrgäste von anderen Verkehrsmitteln abgezogen werden, sei durch frühere Studien bekannt, sagte DLR-Experte Winkler, der selbst nicht an der aktuellen Analyse beteiligt war. Das Ergebnis aus San Francisco sei aber nicht unbedingt auf andere Städte übertragbar, betont er, zu unterschiedlich seien die lokalen Bedingungen. Als einen Nachteil der Studie sieht Winkler, dass die Zunahme des Paketlieferverkehrs infolge des wachsenden Onlinehandels nicht berücksichtigt wurde. Auch wurde die Tatsache nicht berücksichtigt, dass sich aufgrund steigender Immobilienpreise in San Francisco im Studienzeitraum auch die Zahl der Pendler signifikant erhöht hat.

Abschaffung der Rückkehrpflicht steht in Deutschland?

In Deutschland gibt es derzeit noch Marktbeschränkungen für die Dienste. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) will diese allerdings lockern. Einer der größten Knackpunkte ist die sogenannte Rückkehrpflicht für Mietwagenangebote mit Fahrern. Bislang müssen sie nach jeder Fahrt an den Hauptstandort zurückkehren, wenn sie keinen neuen Auftrag haben. Taxis dagegen dürfen auf der Straße auf Kunden warten.

„Ich halte persönlich nichts von der Abschaffung der Rückkehrpflicht für Mietwagen“, hatte SPD-Fraktionsvize Sören Bartol dazu erklärt. „Das führt nur zu weiteren verstopften Straßen, wenn die Mietwagen dann auf der Suche nach Fahrgästen durch die Innenstädte kreisen.“

Vor dem Börsengang Ubers am Freitag an der New York Stock Exchange war das Unternehmen durch Streikaufrufe unter Druck geraten. Fahrer protestierten gegen schlechte Arbeitsbedingungen und schalteten zeitweise ihre Apps ab. Im März war schon Ubers kleinerer Rivale Lyft an die Börse gegangen, der bisher nur in den USA und Kanada aktiv ist.

Von RND/dpa/Stefan Parsch

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