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Wissen Mikroplastik verbreitet sich in der Luft über weite Strecken
Nachrichten Wissen Mikroplastik verbreitet sich in der Luft über weite Strecken
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17:01 15.04.2019
Mikroplastik-Teilchen, die am Ufer der Warnow in Rostock gefunden wurden, kleben im Leibniz-Institut für Ostseeforschung (IOW) an einem Klebestreifen an einem Finger. Quelle: Bernd Wüstneck/dpa
London

Plastikmüll gehört zu den größten Herausforderungen, denen die Menschheit derzeit und in näherer Zukunft ausgesetzt ist. Dass sich die Kunststoffpartikel, die aus Plastikabfällen, Kleidung oder Reifenabrieb stammen, durch die Strömungen der Flüsse und Weltmeere bewegen und verbreiten, ist gemeinhin bekannt. Nach einer jetzt im britisch-amerikanischen Fachmagazins „Nature Geoscience“ veröffentlichten Studie wird Mikroplastik auch über lange Strecken durch die Atmosphäre transportiert – und landet so in abgelegenen Regionen wie den französischen Pyrenäen, in denen es keine eigenen Quellen für eine Mikroplastik-Verschmutzung gibt.

366 Partikel täglich – pro Quadratmeter

Für die Studie von „Nature Geoscience“ wurden über den Zeitraum von fünf Monaten Nachweise gesammelt – sowohl bei trockenen wie auch bei regnerischen Wetterlagen. Was die Wissenschaftler in den Bergen Südfrankreichs fanden, ist alarmierend. Fasern von einer Länge von mehr als 750 Mikrometern (μm), also einem dreiviertel Millimeter, und Plastikstücke von 300 μm wurden dort gefunden. Pro Tag kamen die Wissenschaftler auf einen Schnitt von 249 Fragmenten, 73 Folien und 44 Fasern pro Quadratmeter – das sind 366 Mikropartikel. Eine Analyse der Luftmassenbewegungen ergab, dass die Partikel bis zu 95 Kilometer weit transportiert wurden. Der Schluss daraus: Mikroplastik kann durch die Atmosphäre entlegene, annähernd unbewohnte Regionen erreichen und kontaminieren.

335 Millionen Tonnen Plastik pro Jahr

Experten schätzen, dass im Jahr 2016 weltweit 335 Millionen Tonnen Plastik produziert wurden. 60 Millionen davon wurden in Europa hergestellt, etwa 40 Prozent davon waren Verpackungsprodukte. 27,1 Millionen Tonnen wurden als Recyclingprodukte verwendet, verbrannt oder auf Deponien entsorgt. Manche Plastikprodukte werden bis zu 50 Jahre lang benutzt, was auch die Diskrepanz von 32,9 Millionen Tonnen in der Plastikmassenbilanz erklärt. Denn obwohl Plastik nur als sehr schwer biologisch abbaubar gilt, kann es über die Jahre doch zu Mikro- (5 mm bis 1 µm) und Nanoplastik (größer als 1 µm) werden. So baut sich also eine Plastikflasche allmählich zu Mikroplastikartikel ab.

„Nur“ zehn Prozent gelangen ins Meer

Zehn Prozent der weltweiten Plastikproduktion gelangen Studien zufolge jährlich in die Ozeane, was einen Teil der 32,9 Millionen Tonnen Plastikabfall ausmacht. Der größte Teil bleibt also an Land, wo er als Mikro- und Nanoplastik noch schwieriger zu entdecken ist als in den Weltmeeren – oder er „regnet“ aus der Atmosphäre herab.

Volker Matthias, Leiter der Abteilung Chemietransportmodellierung im Zentrum für Material und Küstenforschung (HZG) in Geesthacht, kommentiert die Ergebnisse der Studie so: „Es ist nur schwer herauszufinden, woher das vorgefundene Mikroplastik stammt. Dass in der vorliegenden Studie eine ähnlich hohe Anzahl von Mikroplastikpartikeln wie in früheren Studien in Städten gefunden wurden, legt allerdings nahe, dass es sich in dieser dünn besiedelten Gegend nicht vorwiegend um lokale Quellen handelt.“ Er halte es für plausibel, dass auch verhältnismäßig große Mikroplastikpartikel über große Distanzen transportiert werden können. „Wenn die Partikel durch turbulente Luftbewegungen einmal in größere Höhen angehoben wurden, können sie – analog zu Sahara- und Vulkanstaub – auch über größere Entfernungen transportiert werden. Fasern haben durch ihre spezielle Form geringere Sinkgeschwindigkeiten als kugelförmige Teilchen der gleichen Masse.“

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