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Wissen Plädoyer einer Lehrerin: Lasst uns an einem Strang ziehen, liebe Eltern!
Nachrichten Wissen Plädoyer einer Lehrerin: Lasst uns an einem Strang ziehen, liebe Eltern!
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20:01 09.10.2019
In dieser Klasse scheint die Atmosphäre in Ordnung zu sein (Symbolbild). Quelle: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dp

Sie sind Lehrerin für Sonderpädagogik an einer Grundschule. Was genau können wir uns darunter vorstellen?

Ich arbeite an einer regulären Grundschule (Primarstufe), und wir sind laut ratifizierter UN-Konvention dazu verpflichtet, inklusiv zu arbeiten. Das heißt, Kinder mit unterschiedlichen Förderbedarfen werden in der Regelschule unterrichtet. Ich unterstütze sowohl Kinder mit festgestelltem Förderbedarf als auch Kinder in der Schuleingangsphase (1./2./3. Schulbesuchsjahr), die präventiv gefördert werden.

Warum haben Sie sich für Sonderpädagogik entschieden?

Ich habe mich für Sonderpädagogik entschieden, weil ich es spannend finde, Kindern zu helfen, die nicht ohne Weiteres durch ihre Schulzeit marschieren. Meine Fachrichtungen waren im Studium Geistigbehinderten- und Sprachbehindertenpädagogik. Meinen Vorbereitungsdienst habe ich an einer Förderschule Geistige Entwicklung absolviert.

Mehr lesen: Immer auf die Kleinen – werden jüngere Schulkinder leichter depressiv?

Was ist für Sie die größte Herausforderung in Ihrem Job?

Die größte Herausforderung ist unter anderem, jedem Kind so gerecht zu werden, wie es das braucht. Das Regelschulsystem ist eben noch stark auf Gleichschritt und Konformität ausgerichtet. Wenn jemand da aus dem Schema fällt, ist es schwierig, ihn und sein Umfeld aufzufangen. Verständnis und Geduld fehlen oft. Und in diesem Spannungsfeld authentisch zu bleiben und mit allen Beteiligten auf Augenhöhe zu kommunizieren ist nicht immer leicht.

Eine besondere Herausforderung ist der Förderbereich Emotionale und Soziale Entwicklung. Viele Kinder mit herausforderndem Verhalten stellen meine Kollegen und mich vor große Anstrengungen und Belastungen, aber auch die Zusammenarbeit mit Eltern ist manchmal schwierig.

Und was sind die schönsten Momente?

Zu den schönsten Momenten gehören sicher heute zum Beispiel die strahlenden Augen der Erstklässler, das Vertrauen, das einem durch Schüler und Eltern geschenkt wird, gelungene Unterrichtsstunden, in denen die Kinder mit Begeisterung dabei sind, mit Kollegen an einem Strang zu ziehen, gute Elterngespräche ...

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Haben Sie das Gefühl, dass die Eltern sich in den letzten Jahren verändert haben?

Ich kann es nicht so besonders feststellen. Ich bin allerdings auch „erst“ seit 14 Jahren im Schuldienst und empfinde es im Moment nicht anders als zu Beginn. Ich denke, schwierige Menschen oder Menschen, mit denen ich gut oder weniger gut kann, die gibt es immer. Und auch Menschen mit höheren oder niedrigeren Ansprüchen.

In vielen Familien sind Schule und auch Hausaufgaben absolute Reizthemen. Haben Sie einen Tipp, wie es zu weniger Spannungen zwischen Eltern und Kind kommen kann?

Mein Tipp, um die Sache zu entspannen: Schule weniger ernst nehmen.

Mein Tipp, um die Sache zu entspannen: Schule weniger ernst nehmen. Wir haben zwar die Schulpflicht und ein Schulabschluss ist auch notwendig – ein guter ist noch besser –, aber die Schule ist nicht alles im Leben. Eltern sollten, so gut es geht, den Druck herausnehmen – denn der ist einfach ein schlechter Begleiter beim Lernen. Und: Da kommt es sicher auch auf den Lehrer an, aber mit ihm und mit ihr an einem Strang ziehen. Ich wünsche mir Gespräche auf Augenhöhe. Wir müssen nicht über Anwälte kommunizieren. Jeder Lehrer und jeder Elternteil und jeder Schüler ... wir sind alle nur Menschen mit unseren guten und schlechten Tagen. Vielleicht hilft ein bisschen mehr Verständnis für den anderen auf allen Seiten. Das wäre schön und würde vieles leichter machen.

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Wenn Sie eine bestimmte Sache sofort an der Schule ändern könnten – was wäre das?

Dass mehr Geld ins Schulsystem fließt, um die Schulen besser auszustatten und um die Klassen kleiner zu machen, und mehr Personal, das fair bezahlt wird (alle Lehrer verdienen das gleiche Gehalt, egal, welche Schulformen). Alles in allem mehr Wertschätzung für den Lehrerberuf. Wir haben nicht vormittags recht und nachmittags frei!

Was wünschen Sie sich von den Eltern?

Wir müssen nicht gegeneinander kämpfen. Letztlich geht es doch immer um unsere Kinder und Schüler.

Haben Sie Vertrauen in die Lehrer Ihrer Kinder. Wir geben uns alle Mühe mit ihnen. Drücken Sie auch mal ein Auge zu, wenn es nicht so perfekt klappt, und suchen Sie das offene, persönliche Gespräch. Humor wirkt auch manchmal Wunder. Wir müssen nicht gegeneinander kämpfen. Letztlich geht es doch immer um unsere Kinder und Schüler.

Ihren Nachnamen wollte Silke aus persönlichen Gründen nicht öffentlich machen.

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Von Katharina Nachtsheim/RND

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