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Wissen Stand-Up-Paddling: So fasziniert das Auf-dem-Wasser-Stehen
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17:35 02.08.2019
Für den reinen Spaßfaktor ist Stehpaddeln für jeden ohne Vorkenntnisse geeignet. Quelle: thelester/Pixabay
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Hannover

Auf den ersten Blick sieht es ein wenig beschwerlich aus, für den einen oder anderen Wassersportbegeisterten sicher unspektakulär. Doch das schwimmende Board mit Stechpaddel ist ein echter Allrounder und erobert seit geraumer Zeit die Gewässer Deutschlands. Stand-Up-Paddling (kurz: SUP) oder auch Stehpaddeln ist mehr als ein kurzlebiger Trendsport. Die Kanäle, Seen und Flüsse sind voll von Menschen, die stehend auf Brettern das Wasser bezwingen und dabei aussehen wie die italienischen Gondelfahrer Venedigs.

Stand-Up-Paddling: Aller Anfang ist schwer

Die German Stand Up Paddle Association, kurz GSUPA, macht sich als Verband dafür stark, den Wassersport weiter zu professionalisieren, Wettbewerbe zu koordinieren und den Weg frei für Olympia zu ebnen. Christoph Mantz sitzt im Vorstand und paddelt seit über zehn Jahren. Selbst betreibt er zwei SUP-Stationen in Flensburg und Schleswig, eine dritte auf Sri Lanka. Ein eigenes Label für Boards und Mode hat er auch gegründet. Als er 2009 mit dem Paddeln anfing, war zunächst nicht absehbar, dass das seine Leidenschaft wird, wie er selbst zugibt. „Ich habe ein Brett von einem Bekannten bekommen und losgelegt. Gezeigt hat es mir niemand. Dementsprechend frustriert war ich, als ich zu Beginn keine richtige Technik hatte.“

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Stehpaddeln: Individueller Sport für jeden

Fernab des eigenen Anspruches sei das Stehpaddeln aber eigentlich ein Sport, den – zumindest für den reinen Spaßfaktor – jeder ohne große Vorkenntnisse ausüben kann. „Wenn du dir 15 Minuten Zeit nimmst, weißt du was du tust und kannst halbwegs sicher auf dem Brett stehen.“ Der Sport schließe niemanden aus, jeder kann ihn ausprobieren, bekräftigt Mantz. Außerdem könne man wunderbar entschleunigen. „Anders als beim Kiten zum Beispiel, wo du einfach immer Action hast.“ Jeder bestimmt sein eigenes Tempo und die Intensität des Ausfluges zu Wasser. Und trotzdem sei SUP ein effektives Ganzkörpertraining und noch dazu gelenk- und muskelschonend. „Es fühlt sich an wie ein Spaziergang, hat aber den Effekt eines Ausdauerlaufes.“

Stehpaddeln kann praktisch in jedem Alter ausgeübt werden. Quelle: Ulrike Mai/Pixabay

SUP eignet sich für jedes Gewässer

Nicht zuletzt deshalb warnt Mantz davor, Stand-Up-Paddling zu unterschätzen. „Die Leute denken, dass das alles super easy ist, aber es ist immer noch ein Wassersport. Und das Element Wasser birgt Gefahren.“ Gerade wenn man mit dem Brett intensiver unterwegs ist. „Einmal am Strand hin und her zu paddeln, ist da das Geringste“, sagt Mantz. Denn SUP eignet sich für jedes Gewässer – See, Kanal oder Meer – und dementsprechend auch für jeden Wellengang und Luftstrom. Lediglich die Ausrüstung muss angepasst werden. „Der Downwind ist die Königsdisziplin.“ Damit gemeint ist der Rückenwind, der die Geschwindigkeit beim Paddeln auf bis zu 80 Kilometer die Stunde bringen kann. Definitiv etwas für Fortgeschrittene, versichert der Experte.

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Tipps für Einsteiger: Großer Paddel und fester Stand

Wer das erste Mal auf einem Brett steht, sollte drei Kniffe beachten, um entspannt von A nach B zu kommen. „Da ist zum einen das Paddel, das auf die richtige Größe eingestellt sein muss.“ Es muss unbedingt länger als der eigene Körper sein und das Blatt, das in das Wasser sticht, nach vorne geneigt. „Nur so bekommt man auch wirklich Vortrieb.“ Ein anderer Aspekt ist das Balancieren auf dem Board. „Breitbeinig und im Zentrum stehen, mehr ist es nicht.“ Damit ein SUP-Frischling nicht unangenehm auf dem Gewässer auffällt, sind Kenntnisse über die Vorfahrtsregeln wünschenswert. Auch für die eigene Sicherheit. „Denn du bist das schwächste Glied in der Kette“, so Mantz.

Beim ersten Mal Stehpaddeln sollte man sich eine gute Einweisung holen. Quelle: Lutz Roeßler

Stand-Up-Paddling: Board wichtig für Geschwindigkeit und Stabilität

So simpel wie mit den Tipps rund um den Einstieg, so übersichtlich verhält es sich auch mit der Ausrüstung als solcher – ein Brett, ein Paddel. An den zahlreichen Stationen im Land lassen die sich relativ kostengünstig für eine oder mehrere Stunden leihen. Wen das SUP-Fieber gepackt hat, der spekuliert langfristig auf ein eigenes Brett. Das kann immer ein bisschen anders aussehen – und das hat einen Grund. So gleitet zum Beispiel ein langes Board besser und ist deshalb schneller im Wasser unterwegs.

Für Einsteiger ist ein breites Brett zu empfehlen, da es einen stabileren Stand garantiert und weniger leicht kippt. Zur Vollständigkeit für die Experimentierfreudigen: Je kürzer das Brett, desto einfacher lässt es sich drehen. „Inzwischen gibt es so viele neue Entwicklungen auf dem Markt, die die Performance immer weiter verbessern“, sagt Mantz.

Welche einfachen Regeln Sie beim Baden unbedingt einhalten sollten, lesen Sie
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Stand-Up-Board: Unterschiedliche Typen

Drei Grundtypen von Stand-Up-Boards haben sich derweil etabliert: Surf, Allround und Flatwater/Race. Die Surf-Variante ist perfekt fürs Meer geeignet, da sie schmal ist und das Brett so manövrierfähiger auf der Welle. Das Allround-Board ist, wie es der Name vermuten lässt, vielseitig. Ob zum Freizeitpaddeln, Surfen, SUP Yoga, SUP Touring oder im Waldwasser – dieses Modell empfehlen erfahrene Paddler wie Mantz als Allzweckwaffe. Wer eine schnelle, schnittige Variante bevorzugt, sollte aufs Flatwater/Race-Board zurückgreifen. Diese sind extrem schmal geschnitten und sehr lang – dadurch weniger stabil und wenig, also eher etwas für Fortgeschrittene.

Wer professionell an Stehpaddel-Rennen teilnehmen möchte, sollte auf die langen und schnellen Race-Boards zurückgreifen. Quelle: picture alliance/Bernd Thissen/dpa

Stehpaddel-Board-Battle: Hard Board vs. Plastik Brett

Und dann ist da noch die Frage nach dem Material: Massives Hard Board oder aufblasbares Modell. Letzteres erfreut sich zunehmender Popularität – nicht nur bei Freizeitsportlern. „Es ist leicht, gut zu transportieren und weicher.“ Außerdem sind sie weitaus günstiger (es gibt bereits Exemplare für unter 500 Euro im Handel). Der klare Vorteil der Hard Boards liegt eindeutig in ihrer Handhabe auf dem Wasser. Sie sind schneller und mit weniger Kraftaufwand zu paddeln. Zusätzlich dazu sind sie solider als die Plastikvariante und geben ein komfortableres Gefühl beim Wellenreiten.

Stand-Up-Boards zum Aufblasen sind gerade für Freizeitsportler eine günstige Alternative. Quelle: Lutz Roeßler

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Von Lisa Schliep/RND