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Wissen Starke Mädchen: Kinderbücher ohne Prinzessinnen
Nachrichten Wissen Starke Mädchen: Kinderbücher ohne Prinzessinnen
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11:08 18.03.2019
In der neuen Literatur für Mädchen haben die Heldinnen keine überirdischen Kräfte. Quelle: Carl Hanser Verlag
Hamburg

Natürlich darf ein Mädchen davon träumen, einmal Prinzessin zu sein. Aber warum nicht Malerin werden, Astronautin oder Boxerin? Immer mehr Kinderbuchverlage setzen auf realistische Heldinnen. Manche von ihnen sind still und schüchtern, andere echte Sportskanonen, wieder andere sind so einsam, dass sie sich fantastische Freunde ausdenken. Stereotypen waren gestern.

Biografien für rebellische Mädchen: Außergewöhnliche Frauen als Identifikationsfigur

“Good Night Stories for Rebel Girls“ beschreibt 100 Porträts außergewöhnlicher Frauen. Quelle: Handout

Das Thema stark in den Fokus gerückt haben die „Good Night Stories for Rebel Girls“, erschienen erstmals 2017 im Hanser Verlag. Bei den gesammelten Porträts über „100 außergewöhnliche Frauen“ handelt es sich nicht um fiktionale Figuren, sondern um Biografien echter Mädchen und Frauen, die ihren eigenen Weg gegangen sind. Die beiden italienischen Autorinnen Elena Favilli und Francesca Cavallo wollen ihren jungen Leserinnen damit zeigen, wie viel im Leben möglich ist. Sie sind sicher: „Der größte Erfolg ist, ein glückliches Leben voller Leidenschaft, Neugier und Großmut zu leben – und die Welt nach Herzenslust zu erforschen.“ Das ist allerdings nur schwer machbar, wenn man im Schloss auf den Prinzen, eine Fee oder auf sonstige Zauberei wartet.

Zu den Biografien für rebellische Mädchen zählt übrigens auch die von Tennislegende Steffi Graf. Schon als kleines Mädchen wollte sie unbedingt Tennis spielen, gegen die Bedenken ihres Vaters. Mit sechs Jahren gewann Steffi Graf ihren ersten Wettkampf. Ebenfalls vertreten ist die Geschichte von Coy Mathis. Sie kam als Junge zur Welt, fühlte sich aber immer als Mädchen. Bereits in der Grundschule hat sich Coy für ihr Recht auf Anderssein stark gemacht.

Reale Heldinnen warten nicht auf den Prinzen

Im Herbst vergangenen Jahres ist der zweite Band erschienen. Darin gibt es den Werdegang von solch unterschiedlichen Frauen wie Beyoncé, Clara Schumann und J. K. Rowling nachzulesen. Und ein gekröntes Haupt gibt es mit Königin Nofretete schließlich auch. Dennoch ist allen Protagonistinnen gemeinsam, dass sie nicht auf einen starken Prinzen oder einen Zauberspruch angewiesen sind, um das zu erreichen, was sie sich vorgenommen haben.

Von solchen starken Frauenbildern gibt es in der Mädchenliteratur immer noch zu wenig. Das jedenfalls meint Beatrice Wallis, Cheflektorin bei Beltz & Gelberg. Ihr Verlag wolle mit der gezielten Darstellung von Mädchenbildern, die realistisch und selbstbewusst sind, dagegenhalten: „Dabei darf die Figur ruhig widersprüchlich sein oder Grenzen überschreiten – lesen ist ein Raum des Ausprobierens. Mädchenfiguren dieser Art leben Nachhaltigkeit vor, indem sie kindliche Neugier stillen und dazu anregen, sich auch im echten Leben mit unterschiedlichen Situationen zu konfrontieren, um zu erleben, dass diese zu bewältigen sind.“

Buchmesse: Serviert wird Wörterspeise

Unter dem Titel „Süßer Nachtisch: Wörterspeise“ bietet die Leipziger Buchmesse (vom 21. bis 24. März) auch in diesem Jahr wieder ein umfangreiches Kinder- und Jugendprogramm mit Lesungen und Mitmachangeboten sowie Aktionen im Hörbuch- und Musikbereich an, Foren wie die Lesebude und der Lesetreff sowie zahlreiche Veranstaltungsstätten in der Stadt Leipzig bieten Gelegenheit, Jugendbuchautoren und Kinderbuchillustratoren persönlich zu treffen.

Höhepunkt auf dem Messegelände ist der Familiensonntag am 24 März: Für alle Kinder, die noch kein Lieblingsbuch haben, gilt freier Eintritt bis einschließlich fünf Jahre. Zu den Highlights an diesem Tag zählt die Lesung von Ingo Siegner. Der hannoversche Autor und Zeichner präsentiert den neuen Band aus der beliebten Reihe „Der kleine Drache Kokosnuss“ und weiht das Publikum in seine Zeichentechnik ein.

Die Tickets sind kostenfrei, aber begrenzt. Eine Anmeldung ist daher im Ticketshop der Leipziger Buchmesse möglich. Das Ticket ist nur in Verbindung mit einer Buchmesse-Eintrittskarte gültig.

Die Inhalte von Kinderbuchliteratur gerade für Mädchen hätten sich im Laufe der letzten Jahre gewandelt. „Waren es früher vor allem realistische Geschichten“, so Beatrice Wallis, „spielen nun verstärkt fantastische Erzählungen mit starken Mädchenfiguren eine Rolle, die Kindern in der aktuellen Realität von den Erwachsenen vielfach nicht mehr zugetraut werden.“ Eine sehr eigenständig agierende Heldin ist für Cheflektorin Wallis Verena Petraschs „Sophie im Narrenreich“ (Beltz & Gelberg) – eine Zwölf-Jährige, die die Dinge selbst in die Hand nimmt, auch mal Fehler macht und daraus lernt.

Dunne und Co.: Antiheldinnen erobern die Herzen

Dunne braucht keine überirdischen Kräfte: Sie ist ein ganz gewöhnliches Schulkind, das immer ihr Glück findet. Quelle: Moritz Verlag

Eine Antiheldin ist auch die Favoritin von Nicola Bernhart, die mit ihrem Mann zusammen zwei Buchläden in München leitet. Bernhart hat Dunne ins Herz geschlossen. Die von der schwedischen Autorin Rose Lagercrantz ersonnene Figur (die insgesamt sechs Bände sind im Moritz Verlag erschienen) ist ein ganz gewöhnliches Schulkind in der ersten Klasse. Sie lebt mit ihrem Papa alleine, weil ihre Mutter aufgrund einer Krankheit gestorben ist. Und dann zieht auch noch Dunnes beste Freundin weg. Trotzdem lässt Dunne sich nicht unterkriegen und findet letztlich immer das Glück in sich selbst. „Sie ist eine leise, unaufdringliche Heldin, von der Groß und Klein etwas lernen können“, schwärmt Nicola Bernhart. Dunnes Geschichten handeln nicht nur vom Glück, sondern machen auch glücklich. Denn sie zeigen, dass man keine überirdischen Kräfte oder Wunder braucht, um Freude und Zufriedenheit im Alltag zu erlangen. Reihen wie die von Dunne sind nach Ansicht von Buchhändlerin Bernhart „ganz wichtig, damit Kinder sehen, dass es Mädchen gibt, die eher schwach als stark sind, die auch Probleme haben. Und diese Mädchen wehren sich und beweisen sich.“ Diese Fähigkeit haben eben nicht nur starke Superheldinnen für sich gepachtet.

Für Fantasiefreunde: „Ayda, Bär und Hase“

Auch die kleine Ayda bleibt sich treu und erlebt mit ihren Fantasiefreunden viele irische Abenteuer. Quelle: Hanser Verlag

Auch die fünfjährige Ayda, Protagonistin des Buches „Ayda, Bär und Hase“ (von Navid Kermani erstmals 2006 veröffentlicht und 2017 neu im Hanser Verlag erschienen), ist solch eine Antiheldin. Obwohl sie klug und pfiffig ist, findet sie trotzdem keine Freunde. Sie lebt mit ihren Eltern, die zum Studium aus dem Iran kamen, in Köln. In ihrem Frust zieht sie alleine mit dem Fahrrad los, stürzt und fühlt sich noch einsamer – bis ein Bär und ein Hase sie ansprechen und ihr helfen. Dass das Fantasiefreunde sind, spielt keine Rolle. Entscheidend ist: „Ayda überwindet ihren Frust und findet in der Verbindung ihr Glück. Dabei lernt man auch, was Toleranz bedeutet“, ist Nicola Bernhart überzeugt. Eine zentrale Botschaft der Bücher sei, dass sich die Heldinnen selbst treu blieben und sich aus sich heraus weiterentwickelten.

Pippi ist die Beste

So wie einst Pippi Langstrumpf. Seit mehr als 70 Jahren macht sie vor, wie man selbstbewusst aus der Reihe tanzt – egal was die Erwachsenen davon halten. „Astrid Lindgren hat Kinder sehr ernst genommen“, sagt Beatrice Wallis: „Ihr großes Vermächtnis liegt vor allem in der Beschreibung von Welten, in denen Erwachsene kaum eine Rolle spielen und in denen Kinder die Fäden in der Hand haben. Das ist immer noch ziemlich groß- und einzigartig. Gerade in einer Welt, in der die Eltern viel Anteil am Leben der Kinder nehmen wollen, spielen solche alternativen Entwürfe eine extrem wichtige Rolle.“

Von Andrea Mayer-Halm

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