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Wissen Textilsiegel im Test: Das bietet nachhaltige Mode wirklich
Nachrichten Wissen Textilsiegel im Test: Das bietet nachhaltige Mode wirklich
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13:41 26.06.2019
Nachhaltigkeit und das Verbot von Ausbeutung oder Kinderarbeit wie hier in Bangladesch sind Bestandteile der unterschiedlichen Textilsiegel, die die Stiftung Warentest unter die Lupe genommen hat. Quelle: KM Asad/imago/ZUMA Press
Berlin

Nachhaltigkeit statt Fast Fashion: Viele Verbraucher wünschen sich Mode, die unter fairen Arbeitsbedingungen und aus ökologisch angebauter Baumwolle hergestellt wurde. Dutzende Siegel versprechen, über die Herkunft von Kleidung zu informieren – doch nicht alle taugen etwas, berichtet die Stiftung Warentest in ihrer Zeitschrift „Test“ (Ausgabe 7/2019).

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In wenigen Tagen, Anfang Juli, will das Bundesentwicklungsministerium ein neues zentrales Siegel für nachhaltig und biologisch produzierte Kleidungsprodukte festlegen – den Grünen Knopf. Bis der sich allerdings als einheitlicher Nachweis durchsetzt, wird es gewiss noch dauern – und die Vielfalt unterschiedlicher Siegel die Verbraucher fordern.

Zwar gibt es mittlerweile etliche Anbieter, die Baumwolle aus zertifiziertem nachhaltigen Anbau anbieten, und deren Anteil an der Gesamt-Baumwollproduktion bereits 19 Prozent beträgt. Der Anteil an streng biologisch kontrolliertem Anbau von Baumwolle allerdings, der ohne Pestizide und Kunstdünger auskommt, beträgt weltweit weniger als 1 Prozent. „Test“ untersuchte deshalb auch nicht alle Siegel, die am Markt sind, sondern die meistverbreiteten fünf Qualitätszeichen.

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Die Ergebnisse

Am meisten überzeugte die Experten das Siegel „Global Organic Textile Standard“ (GOTS). Auf Anfrage der Stiftung Warentest konnte die gemeinnützige Gesellschaft hinter dem Siegel Herkunftszertifikate zu allen drei Test-T-Shirts schicken. Jedes sei zurückverfolgbar bis zur Baumwollfarm gewesen, heißt es. Bei Kleidung mit dem GOTS-Siegel käme nur Bio-Baumwolle zum Einsatz, die Verarbeitungsbetriebe müssten soziale Mindeststandards für die Mitarbeiter gewähren, schreiben die Tester.

Auch C&A verwendet bei Bio-Baumwolle das GOTS-Siegel. Käufer finden auf manchen Kleidungsstücken der Kette das Etikett „#wear the change“, wohinter sich wiederum verschiedene Siegel verbergen können – GOTS ist nur eines von mehreren. Auf Nachfrage von Stiftung Warentest habe C&A zu jedem T-Shirt die Herkunft nennen können.

Auf den vorletzten Platz setzten die Tester die Eigenmarke „Conscious“ des schwedischen Moderriesen Hennes & Mauritz (H&M). Auch H&M nutzt unter anderen GOTS-Zertifikate. Allerdings habe H&M bei keinem der drei Test-T-Shirts die Herkunft der Baumwolle mitgeteilt, kritisiert die Stiftung.

Auf den letzten Platz kam laut das Siegel der Better Cotton Initiative. Da deren Anbau-Kriterien für Baumwolle laut Stiftung Warentest nicht so streng sind, haben rund 1,3 Millionen Farmer eine BCI-Lizenz. Sie lieferte für keines der drei Test-Kleidungsstücke eine Auskunft. Zudem arbeitet auch BCI mit der Massenbilanzierung, so dass ihrer Baumwolle auch nichtzertifizierte Fasern beigemischt werden.

Warten auf den „Grünen Knopf“

So bleibt, abgesehen von den Spitzenpositionen dieses Tests, vor allem die Hoffnung auf den „Grünen Knopf“ – und dass er bald als verbindlicher Nachweis für Nachhaltigkeit und faire Arbeitsbedingungen wird. Ziel müsse sein, sagte Kathrin Krause, Referentin Nachhaltiger Konsum beim Verbraucherzentrale Bundesverband, in „Test“, „die gesamte Lieferkette abzudecken, nicht nur die Konfektion.“

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Von RND/dk