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Wissen Stunde der Wintervögel: Sorge um die Amsel
Nachrichten Wissen Stunde der Wintervögel: Sorge um die Amsel
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17:55 15.01.2019
Eine am Usutu-Virus erkrankte Amsel hockt im Gras. Quelle: Martin Gerten/dpa
Hannover

Die „Stunde der Wintervögel“ ist die größte wissenschaftliche Mitmach-Aktion in Deutschland. In diesem Jahr haben dabei so viele Menschen wie bisher noch nie teilgenommen. Noch bis Ende des Tages (15. Januar) können Teilnehmer online ihre Zahlen an den Nabu weitergeben. Am frühen Dienstagabend waren es bereits 136.000 Meldungen eingegangen – bereits mehr als im Jahr zuvor. Lars Lachmann vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) äußert sich im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland zu den Ergebnissen.

So viele Teilnehmer wie noch nie haben bei der „Stunde der Wintervögel“ Vögel gezählt. Gilt die positive Bilanz denn auch für die Vögel?

Die ist eher gemischt. Die Zahl der Vögel pro Garten liegt bei etwa 38 – und damit im Mittelwert der Vorjahre. Wir müssen also insgesamt nicht von besorgniserregend niedrigen oder hohen Zahlen sprechen.

Aber der Teufel steckt wahrscheinlich im Detail, oder?

Ja, einzelne Arten haben natürlich zu- oder abgenommen.

Wovon hängt das ab?

Im Winter vor allem vom Witterungsverlauf. Vögel sind im Winter sehr mobil und fliegen je nach Witterung weg, bleiben oder kommen von anderen Regionen zu uns. Auch ob die Vögel in die Gärten kommen, hängt vom Wetter ab. Wenn zum Beispiel im Wald viel Schnee liegt, suchen sie eher in den Gärten nach Futter. Ob ein Winter eher kalt oder mild ist, hat also einen Einfluss darauf, wie viele und vor allem welche Arten wir sehen.

Dieses Jahr ist der Winter ja eher milder – bis auf Ausnahmen in Bayern. Wie wirkt sich das aus?

Vor der Zählung und am Wochenende selbst war es sehr mild. Es sind daher weniger Zugvögel aus dem Norden und Osten zu uns gekommen, weil es zum Beispiel in Schweden lange keinen Schnee gab. Gleichzeitig aber sind viele Vögel, die sonst aus Deutschland abziehen würden, innerhalb der deutschen Landesgrenzen geblieben. So wie der Star, der in strengen Wintern eher nach Westen ausweicht. In diesem Jahr ist es auch für viele Vögel einfach, außerhalb der Gärten Nahrung zu finden, weil sie im Wald einfach Baumsamen sammeln können.

In den vergangenen Jahren haben die milden Winter überwogen. Bedeutet das, dass immer weniger Vögel wegziehen?

Grundsätzlich ja, aber man muss die verschiedenen Zugvögel-Gruppen unterscheiden. Es gibt die sogenannten Langstreckenzieher, die in Afrika überwintern – die nach einem eingebauten Kalender ziehen und nie bei uns überwintern. Die Kurzstreckenzieher, die im Mittelmeerraum überwintern, reagieren dagegen sehr schnell auf das Wetter. Das heißt, wenn im Frühjahr warme Luft nach Deutschland zieht, kommen die Vögel schon mal mit. So kann man beobachten, dass die Vögel etwas später wegfliegen und deutlich früher zurückkommen. Dann gibt es noch Populationen, in denen nur ein Teil wegzieht, der andere bleibt hier. Auch hier gibt es eine deutliche Veränderung: Ein immer größerer Teil zieht nicht mit.

Jetzt haben wir derzeit nicht nur einen milden Winter, sondern auch einen außergewöhnlich heißen und trockenen Sommer hinter uns. Wie macht sich die Dürre bemerkbar?

Ein paar Auswirkungen sind schon zu sehen. Unser Spitzenreiter, der Haussperling – auch Spatz genannt – hat deutlich zugenommen und zwar um 15 Prozent. Das ist auch gut vorstellbar, denn der Haussperrling kam ursprünglich aus dem Nahen Osten. Er ist eigentlich ein Vogel aus trockenen Regionen, der bei uns vor vielen tausend Jahren heimisch geworden ist. Dass er in trockenen Jahren einen guten Bruterfolg hat, ist also nicht verwunderlich.

Im Gegensatz dazu ist bei der Amsel zu erwarten, dass ein trockener Sommer zu einem schlechten Bruterfolg führt. Denn wenn junge Amseln im Juni oder Juli aus dem Nest fliegen und sich zum ersten Mal selbst mit Nahrung versorgen müssen, sind sie auf leicht zu findende Nahrung angewiesen. Das sind normalerweise Regenwürmer. Wir vermuten, dass die Dürre ein Grund dafür ist, dass die Zahl der Amseln in diesem Jahr deutlich abgenommen hat: Im Vergleich zum vergangenen Jahr deutschlandweit um minus 13 Prozent.

Welche Rolle spielte dabei das durch das Usutu-Virus ausgelöste Amselsterben?

Es ist wahrscheinlich ein Hauptgrund für den Rückgang der Amsel. Das ist aber wiederum auch ein Ergebnis des trockenen und warmen Sommers, der dazu geführt hat, dass sich das Virus erstmalig über fast ganz Deutschland ausgebreitet hat. Unsere Ergebnisse zeigen auch, dass die Zahl der Amseln besonders dort abgenommen hat, wo es viele Usutu-Meldungen gab. In Hamburg zum Beispiel, wo die Amsel-Zahl von einem Jahr aufs andere um 40 Prozent abgenommen hat.

Müssen wir uns Sorgen um die Amsel machen?

Ein bisschen schon, leider. Dort wo das Usutu-Virus schon seit einigen Jahren vorkommt – in Deutschland ist das vor allem entlang des Rheins – entwickeln sich die Bestände deutlich schlechter. Es hängt also davon, ob sich das Virus, etwa in einem kühleren Sommer, wieder zurückzieht oder dauerhaft festsetzt. Nach einem Einbruch erholen sich die Bestände zwar in der Regel, wir wissen aber nicht, ob sie wieder das Ausgangsniveau erreichen.

Ein anderer „Sorgenvogel“ in der Vergangenheit war der Grünfink. Wie steht er dieses Jahr da?

Der Grünfink hat von allen Vögeln der „Stunde der Wintervögel“ den deutlichsten kontinuierlichen Abwärtstrend, insbesondere seit 2013. Das liegt an einer Krankheit, die das Grünfinksterben auslöst. Dabei handelt es sich um einen Parasiten, der im Umfeld von sommerlichen Vogelfutterstellen von Vogel zu Vogel übertragen wird und vor allem bei Grünfinken zum Tode führen kann. Auch das Grünfinkensterben tritt in warmen und trockenen Sommern häufiger auf. Die Daten für 2019 weisen aber darauf hin, dass sich die Zahl in diesem Jahr stabilisiert haben. Das ist aber noch keine Entwarnung für den Grünfinken.

Gab es in diesem Jahr sonst noch Überraschungen?

Der Star trat vermehrt auf – das lag aber vor allem an einer einzigen per Video belegten Meldung von 50.000 Staren, die über einem Garten geflogen sind. Die Zahl der Gärten, in denen ein Star beobachtet worden ist, ist dagegen leicht zurückgegangen. Diese großen Ansammlungen von Staren sind auch eher ungewöhnlich in Deutschland. Doch wir beobachten sie auch hier zunehmend in größeren Schwärmen. Das hängt von der Witterung ab, aber auch von der Weinernte. Die großen Star-Ansammlungen wurden nämlich in Weinbaugebieten entdeckt. Wir vermuten, dass sich die Vögel an den Resten der Weinernte gütlich tun.

Von RND/Anna Schughart

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